Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

EBNAT-KAPPEL: 45 Minuten verwebte Muster

Im Rahmen einer Ausstellung über die regionale und lokale Textilgeschichte führte Windbläss im Ackerhus Terry Rileys legendäre Komposition «In C» auf – 45 Minuten Hörabenteuer.
Peter Küpfer
Jost Kirchgraber liest: «Das musikalische Gewebe realisiert sich in der Zeit, die von der Textilindustrie geprägte architektonische Kulturlandschaft im Raum.» (Bild: Peter Küpfer)

Jost Kirchgraber liest: «Das musikalische Gewebe realisiert sich in der Zeit, die von der Textilindustrie geprägte architektonische Kulturlandschaft im Raum.» (Bild: Peter Küpfer)

Peter Küpfer

redaktion@toggenburgmedien.ch

Die Intonierung der 1964 uraufgeführten Kompostion aus der Feder des amerikanischen Komponisten Terry Riley strapazierte zuweilen zwar die Ohren mancher Besucher, sie war aber ein echtes Erlebnis. Die Musikgeschichte sieht die eigenwillige Komposition als Beginn eines eigenen Genres, der sogenannten Minimal Music, die grosse Auswirkungen auch auf die moderne Unterhaltungsmusik hatte, besonders auf den Technosound, wie Martin Meier (Blockflöte) am Schluss der Inszenierung sagte. Minimal waren im Hinblick auf ihre Ausdehnung die der Komposition zugrunde liegenden Muster, sonst aber gar nichts, ganz im Gegenteil.

Gelenktes Zufallsprinzip

Dahinter steckt eben kein leichtes, sondern ein beim Gründer recht kompliziertes und anspruchsvolles Konzept, das dem Einzelnen viel Spielraum lässt. Der 1935 in Kalifornien geborene Riley komponierte sein «In C» für eine klassische symphonische Besetzung mit Orgel (Heidi Bollhalder), die beliebig erweitert werden kann. Im Ackerhus sah man unter den 14 Musikerinnen und Musikern auch ein Eufonium (Ricarda Müller), eine Trompete (Michael von Niederhäusern), und, in entscheidender Rolle, ein Marimbafon (Oliver Rutz). Denn er war für sein praktisch ununterbrochenes sicheres Rhythmusschlagen einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der fahrende Zug andauernd unter der richtigen Dosis Dampf war. Von den inzwischen zahllos auf der ganzen Welt realisierten Intonierungen und Einspielungen gibt es keine einzige identische. Es hängt vom Zufall ab, wie die Inszenierung verlaufen wird. Denn die Partitur der vierteiligen Komposition besteht aus 53 kurzen Mustern (Pattern), die zwar jeder mitspielende Musiker durchlaufen muss. Wie oft aber die Pattern wiederholt werden, welche Pausen gemacht werden, das entscheidet jeder und jede Mitspielende selbst. Das totale Chaos? Gar nicht. Verschiedene Regeln und die eigene Musikalität verhindern Beliebigkeit. Wann ist das Stück fertig? Das letzte Pattern wird einfach so lange gespielt, bis alle Mitwirkenden dort angekommen sind. So gibt es von Rileys Komposition zeitlich knappere sowie Stunden dauernde Versionen. Die Windblässe und ihre Zuzüger schafften es unter der Leitung von Franco Mettler (Bassklarinette) in 44 Minuten und 25 Sekunden (mit eingeschobenen Lesungen).

Eindrückliche Wörter und Klänge

Warum wusste man das so genau? Vor der ersten Reihe der Spielenden war eine klassische Bahnhofsuhr aufgebaut, welche die Greenwich-Zeit sekundengenau abbildete, analog. Das mehrfach ausdeutbare Symbol verwies auch auf die im Ackerhus aufgebaute Ausstellung «Iigfädlet. Textile Hausansichten im Toggenburg». Die Toggenburger Hausarchitektur und die Ostschweizer Textilgeschichte sind seit 400 Jahren eng miteinander verbunden, sagen die Veranstalter in ihrem Flyer. Die baulichen Veränderungen durch das Textilgewerbe und die Textilindustrie sind bis heute in der Toggenburger Architekturlandschaft lesbar: der feuchte Webkeller, das grossfenstrige Sticklokal, das repräsentative Fabrikantenhaus, die Fabrikbauten, die engen Kosthäuser sowie die modernen Werkssiedlungen legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Die mit sieben anderen Museen der Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden konzipierte Ausstellung ist im Ackerhus noch bis zum 29. Oktober zu sehen.

Die Aufführung erhielt durch abwechselnd gelesene Texte und projizierte Dias Performance-Charakter. Text und Bilder waren in sich eindrücklich, obwohl etwas isoliert im Ganzen: Jost Kirchgraber las aus dem Tagebuch von Ulrich Bräker, der selbst Tage, manchmal auch Nächte in der Webstube zugebracht hatte. Peter Weber trug Passagen aus seinem Vorwort zur Geschichte der Heberlein-Dynastie vor, welche die überstiegenen Entwicklungsvisionen vieler Fabrikanten und ihre Auswirkungen zum Inhalt hatten. Das Los der Firma Heberlein in Wattwil illustriert es besonders augenfällig.

Ausstellung «Textile Hausansichten im Toggenburg», Ackerhus, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Führungen am 24. September und 29. Oktober, jeweils um 14 Uhr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.