Dynamik mit Fuss und Hand

In der Kampfkunstschule Xing Wu Gan Wattwil trainieren bei Schulleiter Peer Steinkellner mit Corina Zweifel und Sirio Schibano (St. Peterzell) zwei amtierende Taekwondo-Schweizer-Meister.

Urs Huwyler
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Die Taekwondo-Schweizer-Meister Corina Zweifel (rot) und Sirio Schibano im wettkampfmässigen Training. (Bild: Urs Huwyler)

Die Taekwondo-Schweizer-Meister Corina Zweifel (rot) und Sirio Schibano im wettkampfmässigen Training. (Bild: Urs Huwyler)

KAMPFKUNST. Die Schweizer Spitzenathletinnen Nina Kläy und Manuela Bezzola haben die Olympia-Qualifikation für Rio 2016 verpasst. Damit verschwindet der koreanische Kampfsport Taekwondo zumindest vorübergehend aus den nationalen Schlagzeilen. Wer als Randsportart bei Olympia nicht dabei ist, hat schlechte Karten. Das weiss auch der Wattwiler Schulleiter Peer Steinkellner. Er gehört durch die Ausbildung zum Swiss Olympic dipl. Konditionstrainer in Magglingen und die Trainingsbesuche im Leistungszentrum zu den Szenen-Insidern.

Bei sportlichen Rückschlägen auf Stufe Elite wird der Fokus vermehrt auf den Nachwuchs gerichtet. Kaum beachtet trainieren in der Kampfkunstschule Xing Wu Gan Wattwil mit Kantonsschülerin Corina Zweifel (Lichtensteig) und Sekundarschüler Sirio Schibano (St. Peterzell) zwei Taekwondo-Schweizer-Meister. Saran Sivanesan, Michelle Schmid und Özlem Uysal haben sich zudem im Junioren- und Jugendbereich an den nationalen Titelkämpfen in Montreux Silber, Radu Hunziker Bronze erkämpft. Die Bilanz kann sich sehen lassen.

Abbruch vor Vollkontakt

Zusammen mit zwei Kader-Kämpferinnen aus Schaffhausen wird an der Bleikenstrasse 17 in einem ersten zweistündigen Block demonstriert, weshalb Schnelligkeit und Dynamik mit Fuss und Hand beim Teakwondo entscheidend sind.

Auf dem «Weg des Fusses und der Hand» gilt es möglichst vorwärts zu marschieren. «Wie in jedem Sport geht es darum, den Kampf, den Match, das Rennen zu gewinnen», betont Peer Steinkellner.

Was in der Theorie einfach tönt, hat in der Praxis einen emotionalen Haken. Die Jugendlichen verstehen sich untereinander bestens, wollen den Gegner nicht voll treffen. Und schon gar nicht auf Kopfhöhe. Corina Zweifel zieht den Fussangriff nicht durch, bricht die Offensive bewusst vor dem Vollkontakt ab. Sirio Schibanos Ausgangslage ist noch verzwickter. Als einziger Mann in der Runde möchte er keine Frauen schlagen.

Es wird gelacht, sich nach einem Tritt schon mal entschuldigt. «Die Haltung ist sympathisch und zeigt die gute Stimmung innerhalb der Gruppe. Als Wettkampf-Vorbereitung sollte die Hemmschwelle während des Kampfs allerdings abgebaut werden», äussert sich Steinkellner. Denn es wohnen beim Trainer zwei Seelen in der Brust.

Wohlfühlzone wird verlassen

Peer Steinkellner lockt das Team verbal aus der Defensive, unterbricht die Kämpfe, korrigiert, lobt, kritisiert, heizt die Offensivaktionen an. Alle schalten sichtbar einen Gang höher, die Wohlfühlzone wird verlassen.

Die Intensität steigt, die Treffer häufen sich, es kommt Bewegung in die Halle. Die Kunst, Taekwondo zu kämpfen, wird erkennbar. Obwohl das Auge des Beobachters die blitzschnell ausgeführten Fussaktionen kaum zu erkennen vermag. Zwei Stunden nach dem ersten Block folgt die zweite Trainingseinheit. Dieses Jahr stehen internationale Turniere wie der Presidents-Cup der World Taekwondo Federation (WTF) in Bonn, das German- oder das Austrian-Open auf dem Terminkalender. «Es wird ein intensives Jahr. Wir wollen darauf vorbereitet sein und trainieren entsprechend», betont Peer Steinkellner.

Sein Problem: Das Dorf Wattwil liegt für die berufliche und sportliche Karrierenplanung wenig zentral und so verliert die Kampfkunst-Talentschmiede im Toggenburg seit Jahren immer wieder hoffnungsvolle Sportler. Vielleicht bleiben Corina Zweifel und Sirio Schibano der Region erhalten.

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