Dusche von oben – Dreck von unten

Der Radsporttag Bütschwil hat die Biker bei Dauerregen gefordert. Die EM-Dritte Ramona Forchini und Martin Gujan gewinnen zum Auftakt des Toggenburger Cups die Hauptrennen. Wie in den vergangenen Jahren hielt sich die Beteiligung der regionalen Biker im engen Rahmen.

Urs Huwyler
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RADSPORT. Was war denn nun der sportliche Höhepunkt am Bütschwiler Radsporttag? Vielleicht der Sieg von Lokalmatadorin Ramona Forchini (Wattwil) bei den Frauen? Oder der von Tour de Suisse-Speaker Stefan Meile (bfu-Sicherheitsdelegierter Region Ostschweiz) kommentierte Dreikampf zwischen den Weltcup-Fahrern Lukas Flückiger, Martin Gujan und OK-Präsident Ralph Näf? Oder, dass sich trotz Dauerregens 46 gemeldete und nochmals rund 30 nicht offiziell registrierte Plauschfahrerinnen und -fahrer aller Altersklassen im Beisein von Bütschwils Gemeindepräsident Karl Brändle auf die zwei Runden wagten? Oder die Kinder-Kategorien, die Fachleute und Laien einheitlich als «so herzig» fanden?

«Spitze für Breite» war das Motto

Der Auftakt zum Toggenburger Bike Cup 2014 stand unter dem Motto «Spitze für Breite», nachdem das Micarna Goodwill Team mit seinen Spitzenathleten aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums die Organisation übernommen hatte. So standen Olympiateilnehmer, Welt- und Europameister für einmal nicht nur am Start, sondern bauten auch auf und ab, bestritten daneben zur Freude von Cup-OK-Präsident Hans Ziegler die einzelnen Rennen.

Der dreifache Bike-Weltmeister Ralph Näf verlor zwar den Sprint gegen Gujan/Flückiger, aber er musste als gelernter Maurer morgens um sieben an die Arbeit.

Der vierfache Olympiamedaillen-Gewinner Beat Hefti bestritt als Besenfahrer das Rennen, sein Sotschi-Silber-Anschieber Alex Baumann bremste ihn nicht aus, sondern nahm wie die bei der Startnummern-Ausgabe eingesetzte, 800 Meter-WM-Vierte Selina Büchel (Mosnang), Freeski-Junioren-Vizeweltmeister Joel Gisler (Libingen), nach dem Zielbogen-Bau und dem Gitter schleppenden Micarna Unternehmensleiter Albert Baumann die kleinen Runden unter die Räder.

Starke Toggenburger

Wie in den vergangenen Jahren hielt sich die Beteiligung der regionalen Biker im engen Rahmen. Irgendwie scheinen sich die Churfirsten-Radler nicht für ein Cross Country-Rundstreckenrennen zu begeistern. Die Bütschwiler Velothek stellte mit ihrem Rennteam die grösste regionale Mannschaft. Herausragend die Leistung von Teamleader Michael Walther (Wattwil), der sich in der Overall-Wertung über den Kapf-Aufstieg (siebenmal) und auf der kräfteraubenden Wiesenpartie der Bahnlinie entlang den achten Rang «erchrampfte» und unter einer Stunde blieb. Mit Vizepräsident Tobias Hollenstein (Siebter) war einzig der gebürtige Toggenburger aus Mühlrüti schneller.

Überraschend stark präsentierten sich in der 60minütigen «Regen-/Dreckschlacht» der 20jährige Kirchberger Pascal Müller (Velothek/6. Kat. Herren I) und der zwei Jahre ältere Daniel Widmer (Mühlrüti/8. Kat. Herren I) vom SC Hulftegg. Beide brauchten etwas mehr als 61 Minuten. Einige Sekunden schneller war zudem der Velotheker Pascal Hügli (4.) im Feld der U20. Und dann waren da noch die Urgesteine Frischi Frischknecht (Lichtensteig) und Guido Rüthemann (Mosnang). Gabathuler Zwei-Rad-Fahrer Frischknecht schaffte als Dritter (Senioren 1) den Sprung aufs Podest, dem viertklassierten Rüthemann (Senioren 2) von der Bike-Werkstatt fehlten 29 Sekunden. Beide Dauergäste haben sich wie einige Velotheker bereits für alle fünf Toggenburger Cuprennen (Kreuzegg Classic, Ufs Hörnli, Run+Bike Mosnang, Kirchberg) angemeldet. Sie werden in der Gesamtwertung zu den Mitfavoriten gehören.

Forchini war stark

In einer eigenen Liga fuhr Ramona Forchini vor ihrem Einsatz mit dem Nationalteam auf der Strasse bei der Rundfahrt in England. Sie «motorte» sich im gemischt geschlechtlichen Feld hinter U17-Sieger Robin Spiess (Kriessern) als Zweite ins Ziel, dominierte die restlichen neun Frauen jedoch deutlich. Bei den Jüngsten hamsterten die Toggenburger Podestplätze ein. Neben Ramona Forchini schafften Robin Vettiger (Mosnang/Velothek) und Dario Stutz (Wilen/Velothek) jeweils den dritten Rang. Und dann waren da noch die Allerjüngsten, die vor dem rollenden Auftritt mit Chef Ralph Näf eine Besichtigungsrunde absolvierten und dann mit Vollgas losradelten, nachdem die Defekte behoben waren. Die zwischen fünf und zwölf Jahre alten Talente könnten von der Attraktivität sogar als Hauptrennen gestartet werden. Irgendwann geraten die (elterlichen) Zuschauerinnen und Zuschauer auch bei solch einem wettkampfmässigen Plauschrennen bei jeder Aussentemperatur ins Schwitzen.

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