Durchbruch in Heiden: Areal Nord kann nach 40 ungewissen Jahren bebaut werden

Die Entwicklung des Heidler Areals Nord ist wegen Rechtsstreitigkeiten seit Jahren blockiert. Die Parzellen gelten als Filetstücke der Gemeinde. Nun konnte mit den Anstössern eine Einigung erzielt werden.

Alessia Pagani
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Das Haus im Vordergrund in der Mitte (Seeallee 16) wird dem neuen Einlenker für die Erschliessungsstrasse Nord weichen. Die jetzige Strasse wird verbreitert.

Das Haus im Vordergrund in der Mitte (Seeallee 16) wird dem neuen Einlenker für die Erschliessungsstrasse Nord weichen. Die jetzige Strasse wird verbreitert.

Urs Bucher

Für den Heidler Gemeinderat, allen voran Gemeindepräsident Gallus Pfister, sind es erfreuliche Tage. Die heute als Bauland ausgewiesenen, aber seit Jahren blockierten Parzellen im Gebiet Nord können bebaut werden. Nach rund 40 Jahren Ungewissheit über die Erschliessung des Baulandes und zahlreichen rechtlichen Auseinandersetzungen liegt nun die Genehmigung des Quartierplans Nord Ost vor.

Wie Gallus Pfister sagt, konnten im hängigen Rekursverfahren gegen diesen Quartierplan mit den langjährigen Rekurrenten Vereinbarungen getroffen werden. Ebenso in Bezug auf das Strassenbauprojekt Erschliessung Areal Nord Ost, welches nun ebenfalls umgesetzt werden kann. Die neue, grosszügigere Erschliessungsstrasse Nord ist Voraussetzung dafür, dass das an bester Lage mit Seeblick liegende Areal Nord mit Baulandparzellen in der Wohnzone sowie der Kurzone überhaupt bebaut werden kann. Mit dem Quartierplan Nord Ost werden rund 20000 Quadratmeter Bauland frei.

Arbeiten starten noch in diesem Jahr

Insgesamt sind im ganzen Gebiet Nord rund 36000 Quadratmeter Bauland nutzbar. Die zusätzlichen Quartierpläne (Nord-Gruberstrasse mit 3600 und Nord-Mitte mit 10200 Quadratmetern) beziehungsweise die Einspracheverhandlungen waren nach Opposition gegen die Erschliessung und den Teilzonenplan Nord seit der öffentlichen Planauflage im Jahr 2013 sistiert. Nach einem Bundesgerichtsurteil wurden die Einspracheverhandlungen 2015 wieder aufgenommen. Wie Pfister sagt, dürften die Quartierpläne Nord-Mitte und Nord-Gruberstrasse – wo einst die Migros ihren Neubau erstellen wollte – nun desistiert und weiterverfolgt werden.

Verschiedene Heidler Gemeindepräsidenten hatten sich am Vorhaben «Erschliessung Gebiet Nord» die Zähne ausgebissen. Gross ist denn auch die Freude beim jetzigen Gemeindepräsidenten:

«Wir sind froh und dankbar, dass nun endlich, nach so vielen Jahren zäher Verhandlungen, mit den Anwohnern eine einvernehmliche Lösung getroffen werden konnte.»

Für Heiden öffnen sich neue Chancen: «Der Gemeinde bringt das neues Entwicklungspotenzial und neue Steuerzahler.» Wie Pfister weiter ausführt, soll das Projekt nun nach straffem Zeitplan umgesetzt werden. Noch in diesem Jahr wird die gemeindeeigene Liegenschaft Seeallee 16 abgebrochen, um den nötigen Platz für die neue Einmündung zu schaffen. Zudem wird eine provisorische Neugestaltung des Einlenkers von der Seeallee in die Gruberstrasse gemacht. Im kommenden Jahr soll die Erschliessungsstrasse realisiert werden. Noch 2016 ging die Gemeinde von Kosten von 1.5 Millionen Franken für das Strassenprojekt aus. Heute dürften diese höher ausfallen. Eine neue Planung wird nun in Angriff genommen.

Kann die Pension Nord nun verkauft werden?

Seit Oktober 2011 steht die Pension Nord leer, nachdem das Ehepaar Anne und Andres Stehli altershalber aufhörte. Das rund 12500 Quadratmeter grosse Anwesen gehört der Dr. Bettina Muhr AG, die das Objekt allerdings seit Jahren verkaufen will. Die neuste Entwicklung im Quartier Nord könnte nun Bewegung in diesen Prozess bringen. Ende Dezember hat der Gemeinderat Heiden der Hoteleigentümerin mitgeteilt, dass der Quartierplan Nord Ost und das Strassenbauprojekt «Erschliessung Areal Nord Ost» in Kraft treten können. «Anfangs Jahr haben wir die Interessenten, die sich in den letzten Jahren bei uns gemeldet hatten, darüber orientiert», sagt Piergiorgio Giuliani. Der Rechtsanwalt ist Verwaltungsrat der Dr. Bettina Muhr AG. Er erwarte die Rückmeldungen im Verlauf der nächsten Wochen, sagt Giuliani. Danach werde man über das weitere Vorgehen entscheiden. Gemäss Giuliani bleibt das Ziel, das Areal einer neuen kurzonenkonformen Nutzung zu überführen. Die Pension Nord liegt in der Kurzone. Das Baureglement der Gemeinde Heiden sieht dort Nutzungen wie Kliniken und Hotels vor. Wohnungen sind in der Kurzone nur im Umfang von höchstens 25 Prozent der neu realisierten Bruttogeschossfläche erlaubt. Darunter fallen auch Zweit- und touristisch bewirtschaftete Ferienwohnungen. Ursprünglich wollte die heutige Besitzerin des Grundstücks selber ein Hotelneubau realisieren. Diese Pläne scheiterten jedoch 2015. (cal.)