«Dunkle Tage, helles Leben»

«In jungen Jahren gib deinem Leben Wurzeln, im Alter gib ihm Flügel…» An dieses Motto hält sich die eine Hauptperson im Buch «Dunkle Tage, helles Leben» von Nuala O'Faolain, die 69jährige Irin Min, so ziemlich genau, während es ihre Nichte umgekehrt versucht.

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«In jungen Jahren gib deinem Leben Wurzeln, im Alter gib ihm Flügel…» An dieses Motto hält sich die eine Hauptperson im Buch «Dunkle Tage, helles Leben» von Nuala O'Faolain, die 69jährige Irin Min, so ziemlich genau, während es ihre Nichte umgekehrt versucht. Min entdeckt plötzlich, was das Leben auch für eine «alte» Frau noch bereithalten kann. Sie war seinerzeit als Ersatzmutter für ihre Nichte Rosie ins Haus gekommen. Nach dem Tod von Rosies Mutter war es für sie als deren Schwester selbstverständlich, sich um ihre Nichte und den Schwager zu kümmern.

Geruhsames Leben

Dafür stellte sie alle ihre persönlichen Wünsche und Träume in den Hintergrund. Als Rosie erwachsen war und fortan in der weiten Welt zu Hause war, lebte die Tante allein im kleinen Haus weiter und führte zusammen mit ihrer Katze ein geruhsames Leben, nur unterbrochen von gelegentlichen Besuchen im Pub, welche schon einmal mit einer Heimkehr im Polizeiauto enden konnten, weil sie dem Alkohol etwas zu sehr zugesprochen hatte.

Ganz im Gegensatz dazu ihre Nichte Rosie, die in jungen Jahren schon der Enge von Killbride, dem irischen Dorf, entflieht und bis ins mittlere Alter auf der ganzen Welt zu Hause ist. Nach einem Anruf einer Freundin von zu Hause hat sie plötzlich das Verlangen, sich um ihre Tante zu kümmern. Sie streift ihre «Flügel» ab und kehrt in das Dorf zurück. Das Zusammenleben mit Min gestaltet sich für Rosie anfangs etwas schwierig und so beschliesst sie, Min auf einen Kurzaufenthalt nach New York mitzunehmen, wo sie mit einem ehemaligen Schulkollegen ein Buch herausbringen möchte.

Abenteuer in der neuen Welt

Dort entwickelt die ältere Dame plötzlich eine überraschende Energie, lernt in kurzer Zeit die verschiedensten Leute kennen. Rosie ist sehr besorgt über das Eigenleben ihrer Tante, vor allem als diese auch noch beginnt, illegal in einem Restaurant zu arbeiten. Auch von einer Rückkehr nach Irland will Min vorerst nichts mehr wissen, zu sehr nehmen ihre neuen Bekanntschaften und ihre Jobs sie in Beschlag.

Wieder zu Hause

Etwas ratlos reist Rosi allein nach Hause und versucht nun, ihr Leben irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Dabei helfen Freundinnen aus der Schulzeit, auch Bell, die Katze von Min muss versorgt werden, und dann kommt der Brief, der ihr Leben verändern wird. Ein militärisches Sperrgebiet wird aufgehoben und plötzlich ist ihre Tante Besitzerin des Hauses auf der Insel, wo sie mit Rosies Mutter aufgewachsen ist. Nun beginnt die Reise in die Vergangenheit und endet damit, dass Rosie in das alte Haus ziehen will. Natürlich gibt es da einiges aufzuarbeiten, nicht nur bei der Renovation des baufälligen Hauses, auch in ihrem Innenleben gibt es einige «Baustellen» die eine Überarbeitung dringend nötig haben. Da ist eine Liebesgeschichte, die vor sich hindümpelt, mit dem Buch in Amerika geht es auch nicht so richtig voran. Nun hofft sie, in der Abgeschiedenheit ihres neuen Refugiums diese Dinge ordnen zu können.

Natürlich ist Nuala O'Faolain für versierte Leser kein Geheimtip, aber mit diesem, ihrem letzten Buch sollen die Leserinnen und Leser dazu ermutigt werden, sich mit einer der besten Schriftstellerinnen Irlands zu beschäftigen. Nuala O'Faolain verstarb im Mai 2008 nach einem Krebsleiden.

Trudi Bänziger,

Bibliothek Rehetobel

O'Faolain, Nuala. «Dunkle Tage, helles Leben.» – München, Diana Verlag, 2010. (ISBN 978-3-453-29087-7.) Ausleihbar in Ihrer Bibliothek. Buchtips nachzulesen unter: www.biblioapp.ch

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