Dunkle Materie

Brosmete

Peter Abegglen
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Die Sensation war perfekt, als es Wissenschaftern gelang, die bereits von Albert Einstein vorausgesagten Gravitationswellen nachzuweisen. Es brauchte die Leistungen von vielen hoch spezialisierten Wissenschaftern, die über Jahrzehnte nach Verfahren suchten, wie solche Wellen zweifelsfrei gemessen werden können. Das Resultat ist unvorstellbar: Abweichungen von einem Tausendstel eines Atomdurchmessers erbrachten den Beweis. Wie immer bei solchen Entdeckungen fragt sich der Laie, wozu das gut sei. Hier geht es um den Nachweis von so genannt dunkler Materie, deren Existenz längst vermutet, aber noch nicht nachgewiesen werden konnte. Dunkle Materie entsteht in schwarzen Löchern im Universum. Dort verschwindet all das unvorstellbar umfassend, was wir als schön und greifbar empfinden, sogar Sterne und ganze Galaxien – eine kosmische Katastrophe!

Nachdem es also die Menschheit schafft, Raum und Zeit in ihrer Unendlichkeit zweifelsfrei zu vermessen, machen in postfaktischer Manier auch Meldungen die Runde, die solche, aber auch andere Erkenntnisse in Abrede stellen. So heisst es auf «We are change», Flugzeugkondensstreifen seien in Wahrheit Wettermanipulationen und die Kreationisten sind schon seit je überzeugt, Gott habe am 23. Oktober 4004 v. Chr. die Schöpfung vollendet. Die Flat Earth Society verbreitet: «Die Erde ist eine Scheibe!», Schafhalter im Wallis: «Der Wolf ist eine Bestie!» und ein Online-Kommentator mit Nickname «Klarsicht» (!): «Wir brauchen hier keine Moscheen und keine Islamschulen, wir leben hier im Morgenland und so soll es auch bleiben!» Damit ist auch sonnenklar: Wissen ist Schwachsinn, Glauben ist Wahrheit!

Ich habe plötzlich den Verdacht, dass die grössten schwarzen Löcher nicht im Universum zu finden sind, sondern in menschlichen Hirnen. Die zugehörige dunkle Materie erzeugt keine Gravitationswellen, was herauskommt, nennt ein Zeitgenosse treffend: «It’s a desaster!»

Peter Abegglen