Dunants junge «fratelli» in Heiden

«Tutti fratelli – gemeinsam erleben»: Unter diesem Motto stand das Pfingstlager 2010 der vier Jugendorganisationen des Schweizerischen Roten Kreuzes über die Pfingsttage in Heiden. Über 600 Teilnehmende aus der Schweiz und Deutschland erlebten Spiel, Spass – und viel Sonne.

Benno Gämperle
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Spielend lernen: Verwundeten-Transport als Stafettenlauf.

Spielend lernen: Verwundeten-Transport als Stafettenlauf.

Heiden. Auf den ersten Blick schien in Heiden über Pfingsten alles wie gehabt: Viele Ausflügler warten an Bahnhof und auf dem Kirchplatz auf öffentlichen Transport, viel Verkehr auf den Strassen, Spaziergänger flanieren durch das Dorf. Eine wesentliche Veränderung zu «normalen» Wochenenden fiel erst auf den zweiten Blick auf: Zwischen Spital und Obereggerstrasse bewegten sich rund 630 Kinder und Jugendliche, viele mit T-Shirts, auf denen das Rote Kreuz in irgendeiner Form aufgedruckt war.

Sie alle gehören zu einer der vier Jugendorganisationen des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), genauer gesagt zu jenen des Schweizerischen Samariterbundes, der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft, des Jugendrotkreuzes sowie des Schweizerischen Militärsanitätsverbandes. Gemeinsam führten diese vier Verbände in Heiden das Pfingstlager (Pfila) durch unter dem Motto «Tutti fratelli – gemeinsam erleben». Darüber hinaus nahmen als Gäste auch Kinder und Jugendliche aus den Organisationen des Deutschen Roten Kreuzes am Lager teil.

Zweijährige Planung

Leitgedanke des Pfingstlagers war, die Idee und das Wirken Henry Dunants kennenzulernen und zu erleben (siehe Kasten). Was also lag näher, als dies im Dunant-Jahr 2010 in Heiden zu tun? «Der Startschuss im OK des Pfingstlagers unter der Leitung von Thomas Brocker fiel vor zwei Jahren», erklärte Thomas Egger, Pressechef des Lagers.

Im Unterschied zu den anderen Jugendorganisationen des SRK bestehe bei den jungen Samaritern schon seit Jahren die Tradition, ins Pfingstlager zu fahren. «Aus Anlass des Dunant-Jahres in Heiden wollten wir das Pfila auch für unsere Partnerorganisationen öffnen», so Egger.

Ein Verband, 250 Meter lang

Arbeit und Werk Henry Dunants war indes nur einer der Schwerpunkte des dreitägigen Pfingstlagers; mindestens ebenso wichtig waren laut Auskunft des OKs das gemeinsame Erleben, das Pflegen von Kontakten – und vor allem: Spiel und Spass.

Letzteres erlebten die Pfila-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer am Samstag bei diversen Posten, etwa beim Rettungsschwimmen im 19 Grad «warmen» Wasser der Badi Heiden, beim spielerischen Bergen von Verwundeten oder beim Memory mit Samariter-spezifischen Materialien. Infostände gaben obendrein Auskunft über die vier beteiligten Jugendverbände.

Hauptattraktion des Samstags war aber unbestritten das Herstellen und Bemalen des erhofften längsten Verbandes der Welt – wenngleich ohne offiziellen Segen des Guinness-Buchs der Rekorde. Überall, auf Sportplätzen oder in der Badi, hantierten die Kinder mit Farben und liessen ihrer Kreativität freien Lauf. Rund 250 Meter lang sei dieser bunte Gazeverband geworden, sagte Thomas Egger gestern nachmittag am Telefon. Gleichzeitig zog er eine «sehr positive Bilanz» über das Pfingstlager in Heiden.

Die Ziele seien erreicht worden, alle hätten viel Spass gehabt, die Stimmung sei super gewesen. «Nicht nur die Teilnehmenden, auch Gäste und die Vertreter der Verbände waren hellauf begeistert», so der Pressesprecher weiter. Dass das Pfila 2010 unfallfrei über die Bühne gegangen sei, trage ebenfalls zur guten Bilanz bei.

Zum Abschluss des Pfingstlagers führten die 630 Kinder und Jugendlichen gestern eine weitere Malerarbeit aus: Sie stellten eine grosse Fahne her, deren rotes Kreuz auf weissem Grund aus den roten Handabdrücken aller Teilnehmenden besteht.

www.dunant2010.ch

Lebensrettung, simuliert im 19grädigen Wasser der Badi Heiden.

Lebensrettung, simuliert im 19grädigen Wasser der Badi Heiden.

Kreatives Chaos herrschte am Samstag auf den Sportplätzen. (Bilder: gä)

Kreatives Chaos herrschte am Samstag auf den Sportplätzen. (Bilder: gä)

Bunt: Ein Stück des 250 Meter langen Rekordverbandes entsteht.

Bunt: Ein Stück des 250 Meter langen Rekordverbandes entsteht.