Dunant-Jahr wirkt weiter

In Heiden findet Ende September eine besondere Preisverleihung statt. Der internationale Nuclear-Free Future Award wird überreicht. Und eine der Preisträgerinnen stammt aus der Region.

Guido Berlinger-Bolt
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HEIDEN. Es ist ein brandaktuelles Thema: Der Umgang mit der Atomkraft. Ein Thema, das viele Dimensionen hat: Es geht um Energiegewinnung genauso wie es um Friedensförderung und um globale Wirtschaftspraktiken geht, daneben um Strahlung, Statistiken und Risiken. Es gibt vielleicht ebenso viele Befürworterinnen der Atomkraft wie es Mahner gibt.

Eine Organisation, die auf der Seite der Mahner steht, ist die Franz-Moll-Stiftung aus München. Seit Ende der 1990er-Jahre verleiht sie den Nuclear-Free Future Award (den Preis für eine nuklearfreie Zukunft). Preisträgerinnen sind «Persönlichkeiten, die auf die Bedrohung durch den Abbau und die Verwendung radioaktiver Materialien aufmerksam machen, alternative Lösungen aufzeigen oder sich für die unzähligen Opfer radioaktiver Verstrahlung einsetzen». Dies schreibt der Verein Dunant2010plus in einer gestern versandten Medienmitteilung. Er, der Nachfolgeverein des Organisators des Dunant-Gedenkjahres 2010, hat sich verpflichtet, die Preisverleihung des Nuclear-Free Future Awards der Münchner Franz-Moll-Stiftung heuer zu gestalten.

Preisträgerin aus St. Gallen

Preise werden in den fünf Kategorien Widerstand, Aufklärung, Lösungen, Lebenswerk und Besondere Anerkennung vergeben. Letzteren erhält Ende September die St. Galler Journalistin und WOZ-Redaktionsleiterin Susan Boos. Sie «zählt in der Medienwelt zu den wenigen zuverlässigen Autorinnen, die das Thema Kernenergie nie aus den Augen gelassen haben», schreibt der Verein Dunant2010plus in seiner Medienmitteilung. Boos' Arbeit am Thema begann mit einer privaten Reise in die Nähe von Tschernobyl Anfang der 1990er-Jahre. Für die Wochenzeitung WOZ schrieb sie in der Folge unzählige Artikel und zwei Bücher («Strahlende Schweiz» und «Fukushima lässt grüssen»).

Die weiteren Preisträgerinnen und -träger stammen aus Portugal, Japan, Frankreich und Deutschland. Die Preisverleihung findet am Abend des 29. September im Kursaal statt. Neben dem Ausserrhoder Landammann werden Ständeratspräsident Hans Altherr und der Zürcher Literaturwissenschafter und Schriftsteller Adolf Muschg zum Publikum sprechen.

Am Samstag bietet der Verein Dunant2010plus ein Symposium mit Referaten und Podien zum Thema «atomfrei denken» mit den Preisträgern. Das Kino Rosental zeigt den Film «Todesstaub»; der Regisseur Frieder Wagner wird anwesend sein.

Zwei Jahre nach Dunant 2010

Doch warum Heiden? Fanden doch frühere Preisverleihungen in Städten wie Oslo, New York oder Berlin statt, in Städten, die vor dem Hintergrund der Friedensaktivitäten überaus klingende Namen tragen.

Vor zwei Jahren strebte das Vorderländer Dorf dem Höhepunkt des Gedenkjahres zum 100. Todestag Henry Dunants zu. Der Verein Dunant2010 organisierte unter anderem ein Jugendcamp für Humanität und Frieden, ein szenisches Musikwerk wurde uraufgeführt und ein Lehrmittel für Schweizer Schulen erarbeitet. Und: Heiden erhielt als überaus seltene Ehre von der medizinischen Fakultät der Universität Nagasaki eine japanische Friedensglocke; über Nagasaki detonierte kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs die zweite von der US-Armee abgeworfene Atombombe. Der Nachguss einer Kirchenglocke aus Nagasaki steht seit anderthalb Jahren vor dem Dunant-Museum in Heiden. Auf all das nun wurde die Münchner Stiftung aufmerksam. Nicht ohne Stolz schreibt der Verein Dunant2010plus um den Präsidenten Hansjörg Ritter in seiner Mitteilung denn auch: «Dunants Vision von mehr Solidarität, Zivilcourage und Humanität wirkt über das Gedenkjahr 2010 hinaus.» Man ist in Heiden fest entschlossen, die Ideale des Rotkreuz-Gründers Dunant in der kollektiven Erinnerung zu halten. – Das ist der Grund für die Zusage zur Organisation der diesjährigen Preisverleihung der global agierenden Stiftung.

Anmeldung für die Teilnahme am Symposium oder an der Preisverleihung unter info@dunant2010plus.ch