Dumm gelaufen

Dass ich Dinge verlege und erst nach cholerischen Anfällen wieder finde, ist normal. Jetzt habe ich aber auch noch den Schlüssel und das Natel im Büro liegen gelassen. Das ist dümmer, konnte ich so weder in die Wohnung noch ins Büro gelangen.

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Dass ich Dinge verlege und erst nach cholerischen Anfällen wieder finde, ist normal. Jetzt habe ich aber auch noch den Schlüssel und das Natel im Büro liegen gelassen. Das ist dümmer, konnte ich so weder in die Wohnung noch ins Büro gelangen. Mit einem Natel im Sack könnte man in diesem Fall irgendwo anrufen. Ohne wird's schwieriger. Früher kannte ich -zig Nummern auswendig, heute nicht mehr. Ist ja alles auf dem Natel gespeichert.

Nun war ich also auf den Goodwill meiner Frau angewiesen. Würde sie auf mein Klingeln reagieren und die Türe öffnen? Oder blühte mir eine Nacht in eisiger Kälte?

Gottlob bilde ich mich fortlaufend weiter, indem ich im TV Survival-Sendungen schaue. Ich hätte gewiss eine Nacht im Grossdorf-Dschungel von Herisau überlebt. Ich hätte mir ein lauschiges Plätzchen zum Schlafen gesucht. Eines, an dem ich sowohl vor dem Wetter als auch vor angriffigen Bären geschützt gewesen wäre. Ich hätte Steine und Holz gesucht und mit blossen Händen ein Feuer entfacht. Und wenn ich Hunger bekommen hätte, hätte ich Nachbars Katze gejagt und sie anschliessend über dem Feuer gebrutzelt. Das dumme Vieh scheisst sowieso bloss in den Garten.

Freilich ist uns beiden Schlimmeres erspart geblieben. Weil ich glücklicherweise eine Büroklammer im Sack hatte, konnte ich, nachdem ich auf den Balkon im 45. Stock geklettert war, problemlos das Fenster öffnen. Meine Frau meinte bloss: «Du kommst etwas spät nach Hause.» Ich hatte im Garten einen Blumenstrauss gepflückt und entschuldigte mich: «Sorry Schatz, ich konnte dich nicht anrufen, habe das Natel im Büro vergessen.»

Patrik Kobler