«Du sollst den Fremden lieben»

Heute lese ich in der Tageszeitung wieder von den Flüchtlingsströmen nach Europa. Sie kommen zu Tausenden. Teilweise sind sie wochenlang, manche auch monatelang unterwegs.

Jeremias Treu
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Jeremias Treu Pfarrer, Evangelische Kirchgemeinde Kirchberg

Jeremias Treu Pfarrer, Evangelische Kirchgemeinde Kirchberg

Heute lese ich in der Tageszeitung wieder von den Flüchtlingsströmen nach Europa. Sie kommen zu Tausenden. Teilweise sind sie wochenlang, manche auch monatelang unterwegs. Jeder Flüchtling hat nicht nur einen eigenen Namen, sondern auch seine eigene Geschichte, die ihn schliesslich hierher geführt hat. Ich will wissen, was die Bibel zum Thema Flüchtlinge sagt. Im 3. Buch Mose 19, 33+34 heisst es: «Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn auch ihr seid Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der Herr, euer Gott.» Die Bibel betont mehrfach als Gebot Gottes, dass Flüchtlinge gut aufzunehmen sind. Die Gründe für die Flucht in der Bibel sind sehr unterschiedlich, genauso wie bei den Flüchtlingen in unseren Tagen: Hungersnot treibt Abrahams Sippe nach Ägypten und seinen Sohn Isaak nach Gerar zu den Philistern. Jakobs Sippe zog in einer Hungersnot nach Ägypten und wurde gut aufgenommen. Mose hat im Streit gegen einen Unterdrücker diesen in der Hitze des Gefechts totgeschlagen und flieht nach Midian, wo er gut aufgenommen wird und heiratet. Ruth, eine Vorfahrin Jesu und Ausländerin, kam durch ihre Schwiegermutter und Freundin nach Israel und fand dort eine neue Heimat. Josef und Maria flohen kurz nach der Geburt ihres kleinen Jesus vor den Morddrohungen des Herodes nach Ägypten. Die Bibel, das grosse Buch der Glaubensgeschichten, gibt eine klare Richtung vor. Aus Fluchtgeschichten werden Geschichten von Segen und Bewahrung. Dass es nicht leicht ist, wenn unterschiedliche Religionen und Kulturen sich plötzlich gegenüberstehen und zurecht kommen müssen, liegt auf der Hand. Bedenken werden immer laut: Können wir uns das leisten, so viele Flüchtlinge aufzunehmen? Alle können wir doch nicht aufnehmen und eigentlich müssten doch die Probleme in den Herkunftsländern gelöst werden. Zu uns schaffen es sowieso nur diejenigen, die noch Vorteile haben, die sich Geld beschaffen können, die halbwegs gebildet, klug und stark genug sind, dass sie überhaupt durchkommen. Was ist, wenn die Flüchtlinge Probleme machen? Einfache Lösungen wird es nicht geben – für die Flüchtlinge nicht und auch für die Politik nicht. Ich träume davon, dass auch aus den Fluchtgeschichten unserer Tage Geschichten von Segen und Bewahrung werden und am Ende nicht die Bedenken siegen, sondern das Vertrauen, dass Gott uns auch in den Fremden begegnet. «Du sollst ihn lieben wie dich selbst.»

Urs und Maria Brunnschweiler haben heute Freitag den letzten Arbeitstag in ihrer Drogerie in Ebnat-Kappel. Nach 37 Jahren übergeben sie ihr Geschäft an Marina Scherrer, die ab Montag die Drogerie mit der Weinlaube und dem Angebot von Passbildern führen wird. (Bild: Sabine Schmid)

Urs und Maria Brunnschweiler haben heute Freitag den letzten Arbeitstag in ihrer Drogerie in Ebnat-Kappel. Nach 37 Jahren übergeben sie ihr Geschäft an Marina Scherrer, die ab Montag die Drogerie mit der Weinlaube und dem Angebot von Passbildern führen wird. (Bild: Sabine Schmid)