«Du musst hin, es gibt kein entrinnen»

Eigentlich hatte Polizist Werner Oberholzer seinen Kollegen verboten, zu seiner Pensionierung einen Abschieds-Anlass zu organisieren. Diese hatten aber nur mit einem Ohr zugehört und darum trotzdem eine Überraschung eingefädelt.

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Ebnat-Kappel. «Natürlich bin ich heute morgen – wie immer – rechtzeitig aufgestanden. Ich hatte vor, um 7.30 Uhr meinen Dienst in Wattwil anzutreten», Werner Oberholzer lehnt sich zurück. «Aber bereits um 7 Uhr hat es geklingelt und acht Kollegen standen vor der Tür – eine schöne Begrüssung.» Seine Kollegen packten ihn ins Auto und los ging die Fahrt zu Kaffee und Gipfeli. «Eigentlich wollte ich heute Vormittag noch meiner Arbeit nachgehen», räumt Oberholzer ein. «Doch es hiess einfach: Einsteigen!»

Im Altersheim gelandet

Nicht schlecht gestaunt hat Werner Oberholzer, als er – eskortiert von zwei weiteren Streifenwagen – am Mittag ins Alters- und Pflegeheim Wier gefahren wurde. «Wir wollen ihm zeigen, wo sein neues Zimmer ist», scherzen seine acht Kollegen. Oberholzer wurde durch den Haupteingang direkt zu Heimleiter Willi Haltinner geführt, bevor er draussen unter dem Sonnenschirm Platz nehmen konnte. Dort, auf schön dekorierten und weiss gedeckten Tischen, stand das Mittagessen bereit.

«Heute geht schliesslich unser bester Schulweg-Überwacher in Pension und das erst noch frühzeitig! Da soll es natürlich schön aussehen.» Kollege Hanspeter Zwicker ist um kein Wort verlegen, genauso wenig wie Polizist Hansjörg Stoob. Dieser ergänzt: «Heute atmet Ebnat-Kappel auf.» Herzliches Lachen löst sich ab mit Geschichten und Anekdoten der letzten 35 Jahre, in denen Werner Oberholzer im Polizeidienst war.

Einbruch am helllichten Tag

Welches war die spannendste Begebenheit der letzten Jahre? «Das war eindeutig der Einbruch in ein Einfamilienhaus am helllichten Tag. Einer der Diebe konnte durch das WC-Fenster entwischen», erzählt Oberholzer. Kollege Zwicker ergänzt: «Der stieg auf ein Velo und fuhr davon. Aber Oberholzer rannte ihm nach. Und – oh Wunder – 100 Meter weiter vorne stand noch ein Velo!» «Das hab ich mir geschnappt», fährt Oberholzer weiter, «und die Verfolgungsjagd begann.

» Der Täter fuhr kreuz und quer durch Ebnat-Kappel. Werner Oberholzer hinter ihm her. Schliesslich holte er ihn ein und machte den Dieb dingfest. Man spürt, dass Oberholzer seinen Beruf gerne ausgeübt hat. Und als Felix Lehnherr seine Rede an ihn richtet, ist Werner Oberholzer sehr berührt. «Du warst ein bürgernaher Polizist und diese Spezies ist am Aussterben», hält Felix Lehnherr fest. «Zum Dank und zur Erholung schicken wir dich nun weg – Wellness am Gardasee. Das Arrangement ist vordatiert, du musst also hin – es gibt kein Entrinnen.

» Die Stimmung ist herzlich, der Dank ist spürbar und für Werner Oberholzer beginnt ein neues Leben. (cbu)