«Du kommst in die Hölle»

Das Kreisgericht Toggenburg verurteilte einen im Alttoggenburg lebenden Mann, der einen Polizisten beschimpft, ihm den Stinkefinger gezeigt und eine Kontrolle verhindert hatte.

Martin Knoepfel
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Wegen Beschimpfung und Hinderung einer Amtshandlung hatte sich am Montag ein 24 Jahre alter Mann aus dem Alttoggenburg vor dem Kreisgericht in Lichtensteig zu verantworten. Der Mann hatte einen Strafbefehl des Untersuchungsamts Gossau angefochten. Erfolglos und mehrfach wies der Richter den 24-Jährigen auf die Möglichkeit hin, die Einsprache gegen den Strafbefehl zurückzuziehen. Der Richter hatte teils Mühe, sich Gehör zu verschaffen, denn der 24-Jährige, der sich selber als «direkt» beschrieb, unterbrach ihn immer wieder. Den Strafbefehl nannte der Mann einen «Witz». In einem Telefon mit dem Richter hatte er offenbar gesagt: «Sie lernen mich schon noch kennen, Sie kommen schon noch dran.» In der Verhandlung befahl der 24-Jährige, der ohne Anwalt gekommen war, dem Richter: «Machen Sie schnell, ich habe nicht viel Zeit.» Die Staatsanwaltschaft liess sich entschuldigen.

Im Oktober 2015 sass ein Polizist an der Rotwaldstrasse in Bazenheid in einem Streifenwagen. Das erklärte er vor Gericht. Der 24-Jährige sei auf dem Trottoir gegangen und habe in Richtung des Polizeiautos ausgespuckt. Da das Verhalten nicht normal sei, habe er die Sache klären wollen, sagte der Polizist. Trotz Aufforderung stehenzubleiben, sei der 24-Jährige weitergegangen. Als der 24-Jährige zurückkehrte, stieg der Polizist laut eigener Aussage aus und sprach den Mann erneut an. Im Lauf der Dispute habe der 24-Jährige «Halt's Maul» und «Du kommst in die Hölle» gesagt und ihm den gestreckten Mittelfinger gezeigt, sagte der Polizist. Er beteuerte, er habe vorher nie mit seinem Kontrahenten zu tun gehabt. Die Kontrolle habe nicht dem 24-Jährigen gegolten.

Völlig anders schilderte dieser den Vorfall. Er ist überzeugt, dass der Polizist ihn fertigmachen will. Er habe in Richtung einer Rabatte ausgespuckt. Er sei zur Post gegangen, um Einzahlungen zu machen. Die erwähnten Schimpfworte seien nicht gefallen. «Ich bin nicht der Typ, der Polizisten anpöbelt. Wozu sollte ich ihm aus 150 Metern Entfernung den Stinkefinger zeigen?» Der Polizist habe aggressiv geblickt, ihn provoziert und herumgeschrien.

Kein Zweifel am Ablauf, den der Strafbefehl schildert

Nach kurzer Beratung sprach das Gericht den Angeklagten in beiden Punkten schuldig und bestätigte die bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen. Die Tagessätze senkte es von 30 auf 10 Franken. Die Probezeit bleibt bei zwei Jahren. Dazu kommt eine Busse von 200 Franken. Der Richter reduzierte die Höhe der Tagessätze, da der Angeklagte kein Einkommen hat. Die tieferen Tagessätze wirkten sich auch auf die Busse aus, die halbiert wurde. Die Busse solle dem Angeklagten klar machen, dass der Vorfall eine ernste Sache sei, sagte der Richter. Zudem muss der Angeklagte Verfahrenskosten von 1130 Franken zahlen. «Das akzeptiere ich nicht», sagte dieser sichtlich verärgert. Vor Gericht stehe nicht das erste Mal Aussage gegen Aussage, sagte der Richter in der Begründung. Das Gericht zweifle nicht daran, dass der Vorfall sich so abgespielt habe, wie im Strafbefehl geschildert. Man könne hier nicht von strafloser Selbstbegünstigung sprechen, führte der Richter aus. Diese sei zum Beispiel gegeben, wenn jemand vor einer drohenden Verhaftung flüchte.