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Du bist schon «Jemand»

Ich versuche, meine Gedanken um einen Textabschnitt aus dem Römerbrief (3, 21–28) zu sammeln. Paraphrasiert lautet der Text: «Wer an Jesus Christus glaubt, wird im Gericht Gottes bestehen. Was ihr mit eurem Tun nicht erreichen könnt, schenkt euch Gott um Christi willen.
Gerhard Bader
Gerhard Bader evang. Pfarrer im Ruhestand

Gerhard Bader evang. Pfarrer im Ruhestand

Ich versuche, meine Gedanken um einen Textabschnitt aus dem Römerbrief (3, 21–28) zu sammeln. Paraphrasiert lautet der Text: «Wer an Jesus Christus glaubt, wird im Gericht Gottes bestehen. Was ihr mit eurem Tun nicht erreichen könnt, schenkt euch Gott um Christi willen. Ihr seid Gott recht». Hingeführt auf eine der heutigen Fragen, lautet mein Thema: Wie werde ich zu «Jemandem» mit Bedeutung?

Es gehört zum Wesen des Menschen, über seinen «jetzigen Augenblick» hinüberzublicken und in der eigenen Entwicklung weiterzugehen. Verbunden damit ist der Wunsch, mehr sein zu wollen als das, was ich jetzt bin. Das ist einerseits «gut» und andererseits «schwierig». Grenzen zu überschreiten, gehört zum Wesen des Menschseins und kann als gut angesehen werden. Wenn das aber in «Gier und Begierde» umschlägt, kann es für uns Menschen fatal werden. Sicherlich kann ich irren, doch lautet die zentrale Frage heute nicht etwa: Wie kann ich jemand von Bedeutung sein? Für diese Frage finde ich Belege: Wir streben danach, auf der Erfolgsleiter nach oben zu klettern. Das hat es schon immer gegeben. Doch heute wird es verstärkt zelebriert. Eine Flut diesbezüglicher Ratgeberliteratur feiert Hochkonjunktur: Erziehungsratgeber, Eheberater, wie gewinne ich Freunde, was darf ich heute essen? Es wimmelt von Büchern zu vermehrter Persönlichkeitsbildung: Wie drücke ich meine Gefühle aus, wie kommuniziere ich richtig, wie werde ich glücklich?

Auf fast allen Fernsehkanälen begegnen uns Castingshows. Wie sie heissen, wissen Sie genau. Menschen wollen bekannt und vielleicht sogar berühmt werden, wollen heraus aus der Unbekanntheit, wollen sich und ihre oft auch nur vermeintlichen Talente vorzeigen und bestätigen lassen. Sie präsentieren sich auf der Homepage mit Tagebucheintragungen und hoffen, dass möglichst viele ihre Seite anklicken und sie zur Kenntnis nehmen. (Aus mir spricht nicht der Neidfaktor, ich zeichne einen Gedankengang.) Doch nur wenige schaffen es, bekannt oder gar berühmt zu werden. Und selbst die werden von der Angst gequält, von diesem Gipfel bald wieder abzustürzen und schnell in Vergessenheit zu geraten. Dass wir Menschen vom Scheitern bedroht sind, ist nicht meine Entdeckung. Generationen vor uns haben das erlebt. Sie und auch wir haben gelernt, nach dem Fallen, wieder aufstehen zu können. Doch gibt es auch Menschen, die aufgrund ihres Denkens einen anderen Weg gehen. Ich lade sie ein, darüber auch nachzudenken.

Der Impuls dazu heisst: Du musst nicht erst jemand werden, du bist es schon. Du bist jemand mit grosser Bedeutung und von grosser Wichtigkeit. Diese Perspektive wird uns durch Gott eröffnet. Nicht aufgrund deiner Gaben und Fähigkeiten bist du «Jemand», sondern weil Gott dir als Mensch ohne «Wenn und Aber» eine Würde gibt und dich grenzenlos liebt. In Jesus Christus ist dieser Gott uns sehr nahe gekommen und hat uns gezeigt, dass wir zu ihm gehören. Aus Gottes Sicht sind wir daher keine «Niemande». Dieses Urteil fällt keine Jury oder keine Presse, die heute so und morgen anders urteilt. Dieses Urteil fällt der ewige Gott. Lassen wir doch diese Zusage Gottes auf uns wirken: Ich bin Gott ungeheuer wichtig, weil er mich liebt.

Was sich für Sie und für mich dadurch im Leben verändert? Wir lernen, unser Leben neu zu buchstabieren. Probieren wir wie sich das anfühlt, wenn wir niedergeschlagen sind, einen Misserfolg erlebt haben, die guten Vorsätze nicht halten, oder dann, wenn wir uns selbst nicht leiden konnten uns sagen: Trotz allem bin ich von Gott geliebt und ihm ganz wichtig. Wie ist es, wenn wir uns das sagen können in Zeiten der Krankheit, der Einsamkeit oder der Trauer? Es ist und bleibt wichtig, dass wir dies für uns selbst hören und für uns selbst gelten lassen. Nicht aus Angst vor Gott, sondern von Gott angenommen zu sein, beinhaltet die Möglichkeit, mein Leben zu verändern, im Sinne einer Erneuerung (reformatio) zu einem glücklichen Menschen. Eine solche Veränderung hat seine Wirkung im Grossen, in der Sozialpolitik oder in den Beziehungen der Völker untereinander. Gott lädt uns ein, auf diese Art und Weise ein «Jemand» zu werden?

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