Drucker und Bücherfreund

WATTWIL. Er war 1973 der erste Offsetdrucker der Buchdruckerei Wattwil und ist heute Verlagsleiter der Toggenburg Medien AG: Ende Juni verabschiedet sich Peter Reichenbach nach fast 40jähriger Tätigkeit im Betrieb in den Ruhestand.

Sabine Schmid
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Arbeitsweg Thurweg: Während mehreren Jahrzehnten kamen Vreni und Peter Reichenbach jeweils mit dem Velo zur Arbeit in die Buwag. (Bild: Jolanda Spengler)

Arbeitsweg Thurweg: Während mehreren Jahrzehnten kamen Vreni und Peter Reichenbach jeweils mit dem Velo zur Arbeit in die Buwag. (Bild: Jolanda Spengler)

Fast 40 Jahre lang ging Peter Reichenbach in der Buwag, der heutigen Toggenburg Medien AG, ein und aus. «Dabei hat der damalige Geschäftsführer Peter Boller nicht daran geglaubt, dass ich lange im Toggenburg bleibe», erinnert sich Peter Reichenbach lachend. Er stammt nämlich aus dem Berner Oberland und seine Frau Vreni ist eine Thurgauerin. Thurgauer, so dachte Peter Boller, hätten im Toggenburg Kopfweh. Er hat seine Vorstellung aber rasch revidiert und Vreni Reichenbach eine Teilzeitstelle in der Texterfassung angeboten. Sie arbeitet noch heute im Betrieb, jetzt im Korrektorat.

Peter Reichenbach hat den Offsetdruck gelernt, denn dies war damals die zukunftsträchtige Sparte. Er war der erste Drucker der Buchdruckerei Wattwil AG, der diese Technik erlernt hat. 1977 kaufte die Buchdruckerei Wattwil AG das ehemalige Personalhaus der Heberlein an der Ebnaterstrasse 18. Dort gab es eine neue Offset-Druckmaschine, welche von Peter Reichenbach bedient wurde. «Meine erste Arbeit in Wattwil war ein Pyjama-Prospekt für die Firma Kauf», erinnert er sich. Zuvor lag sein Arbeitsplatz an der Ringstrasse in einem Raum, der jeden Morgen zuerst mit einem Kohlenofen geheizt werden musste.

Zeitung kommt immer zuerst

Eine Zeitung hat er nie selber gedruckt. Aber die Herausgabe des Toggenburgers und ab 1998 des Toggenburger Tagblatts hat ihn geprägt. «Zuerst kommt immer die Zeitung, hat Peter Boller stets betont», erzählt Peter Reichenbach. Dies sei noch heute so, fügt er schmunzelnd an. Unzählige Stunden hat er im Kaffeeraum mit den Redaktoren über aktuelle Themen diskutiert und sich dabei als kritischer Zeitungsleser pointiert geäussert. Peter Reichenbach griff auch selber zum Griffel und verfasste Kolumnen im Toggenburger und Kurzbeiträge im Nebelspalter. «Ich habe einige von ihnen in einem kleinen Büchlein zusammengefasst, das ich mir selber auf die Pension hin schenke», erklärt er. Im Buch «Gedankensplitter» sind Sprüche und Kurztexte abgedruckt, die zum Nachdenken anregen. «Dieses Büchlein ist ein ideales Mitbringsel, das auch ich gerne verschenken werde», rührt Peter Reichenbach die Werbetrommel.

Freund der Menschen

Aus den Texten geht hervor, dass Peter Reichenbach gerne mit Menschen zusammen ist und auch gerne Kontakt zu Unbekannten knüpft. Im Betrieb war er stets um ein gutes Arbeitsklima bemüht. «Ich habe oft gehört, dass sich die Mitarbeiter wie in einer Familie fühlen», sagt er stolz. Auch vielen jungen Frauen und Männern war er in seiner Berufszeit ein Lehrmeister. Daneben war er nach seiner Weiterbildung zum Druckkaufmann während 20 Jahren Referent für Drucktechnologie im Nebenamt an der GIB-Schule in Zürich. Sein Berufsleben war geprägt durch einen enormen technischen Wandel. In den 1980er-Jahren hielt der Computer Einzug ins Druckgewerbe. Der Beruf des Bleisetzers ist heute ist ausgestorben, ebenso wie derjenige des Buchdruckers. Und war früher die Zeitung in schwarz-weiss gedruckt, ist heute alles vierfarbig.

Freund der Bücher

In seinem Berufsleben hat Peter Reichenbach auch schwierige Jahre erlebt. Vor rund 20 Jahren ging die Firma beinahe Konkurs, die Mitarbeiter mussten auf die Löhne warten. «Zu dieser Zeit kam Marcel Steiner, der Geschäftsführer des Appenzeller Medienhauses, in den Betrieb und brachte ihn wieder auf Vordermann.» Doch Marcel Steiner gelang noch etwas anderes: «Er entfachte in mir das Feuer für den Buchverlag», erzählt Peter Reichenbach. Er hat einige Projekte angestossen, die sich als erfolgreich herausgestellt haben, beispielsweise den Toggenburger Bildkalender und das Kochbuch Bloderchäs und Schlorziflade, in welchem Rezepte aus der Leserschaft des Toggenburger Tagblatts vereint sind. Den Büchern wird Peter Reichenbach auch nach seiner Pensionierung Ende dieser Woche treu bleiben, denn Lesen ist eines seiner Hobbies. Pläne für die Zeit des Ruhestands hat er keine gemacht. «Ich lebe nach meinem Motto: Nutze jeden Tag für etwas Sinnvolles», sagt er.

«Gedankensplitter» ist im Buchhandel und im Internet unter www. editionpunktuell.ch erhältlich.