Dreikönigstag – ade Weihnachtsbaum

Mit einer leisen Wehmut räume ich, wie fast jedes Jahr, heute, am Dreikönigstag, den Christbaum ab – diesmal ist es ein ganz besonderer.

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Mit einer leisen Wehmut räume ich, wie fast jedes Jahr, heute, am Dreikönigstag, den Christbaum ab – diesmal ist es ein ganz besonderer. Er gehörte zur Spitze einer Weisstanne, um die sich, als sie noch als kleines Tännchen im Garten stand, um die Weihnachtszeit unsere ganze Familie scharte und sie mit Kerzen besteckte. Meine Kinder spielten unter ihr Verstecken, und im Frühling nisteten darin die Vögel. In den Jahren, die fast unmerklich vergangen sind, ist sie zu einer grossen Tanne herangewachsen.

Vor kurzem wurde sie gefällt, und ich habe eine der Spitzen – sie hatte zwei – als Weihnachtsbäumchen bekommen. Wie ich hörte, sollen in der Schweiz dieses Jahr eine Million hier gepflanzter Christbäume verkauft worden sein. Und jeder einzelne hat seine Geschichte, ist anders gewachsen und unterschiedlich geschmückt worden.

Bin nur ich so sentimental, dass ich beim Abräumen ins Nachdenken komme? Heute werden die Kugeln und die glitzernden Herrlichkeiten – auch da hat jedes Einzelne eine Geschichte – für ein ganzes Jahr versorgt, samt den neu gekauften Kerzen.

Ich bin vor Silvester in den Ausverkaufsstrudel geraten. Die noch vom Weihnachtsverkauf her gestressten Verkäuferinnen wussten dem Ansturm auf «alles zum halben Preis» kaum zu wehren, und ich, die ich eigentlich einen Horror vor solchen Hamsterkäufen habe, füllte plötzlich meine Tasche mit Christbaumkerzen.

Dabei habe ich an Weihnachten gar manches, liebevoll von Hand gezogenes Kerzlein als Geschenk bekommen. Nicht nur Kerzen, die gesamten Weihnachtseinkäufe, die ich tätigte, hätte ich jetzt zum halben Preis bekommen!

Ich widme heute die Zeit meinem Bäumchen, es hat die Aufmerksamkeit verdient, ehe es die Nadeln fallen lässt. Den Dreikönigskuchen kaufe ich morgen, da bekomme ich ihn sicher für den halben Preis!

Esther Ferrari

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