«Bären»-Abbruch in Speicherschwendi wurde sistiert: Wie die Gemeinde das Dorfzentrum retten will

Das Zentrum von Speicherschwendi soll aufgewertet werden. Dazu erlässt der Gemeinderat eine Planungszone.

Astrid Zysset
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Das Zentrum von Speicherschwendi soll zu einem identitätsstiftenden Dorfkern werden.

Das Zentrum von Speicherschwendi soll zu einem identitätsstiftenden Dorfkern werden. 

Bild: Astrid Zysset

Der Speicherer Gemeinderat hat eine dreijährige Planungszone für das Zentrum von Speicherschwendi erlassen. Gemäss Gemeindepräsident Paul König sei diese Massnahme vonnöten, um eine sich schon länger abzeichnende Entwicklung zu stoppen. In den vergangenen Jahren wurde die Post geschlossen, das Gasthaus Bären soll einer Wohnüberbauung weichen, das Restaurant Aachmühle wie auch die «Sonne» stünden vor einer ungewissen Zukunft. «Es ist dringend notwendig, dass wir die Zentrumsgestaltung aktiv angehen», so Paul König.

Die Ortschaft Speicherschwendi weist mit 700 Einwohnerinnen und Einwohnern die Grösse einer kleinen Ausserrhoder Gemeinde auf. Vernachlässigen könne man die Entwicklung der schwindenden Infrastruktur daher nicht, so der Gemeindepräsident weiter. «Ein funktionierendes Dorfleben ist für die Wohnqualität entscheidend.»

Abbruch des «Bären» soll verhindert werden

Schon länger sind Bestrebungen im Gange, Speicherschwendi aufzuwerten. Der geltende Richtplan der Gemeinde sieht als Handlungsrichtlinie ausdrücklich vor, Bestrebungen zum Erhalt oder zur Schaffung von Zentrumsfunktionen in der Speicherschwendi aktiv zu unterstützen. Die jüngsten Ereignisse haben nun dazu geführt, dass sich «die Lage zugespitzt hat», wie es König formuliert.

Eine Einwohnergruppe hatte vergangenen November einen Antrag auf Erlass einer Planungszone beim Gemeinderat eingereicht. Drei Monate später ging eine Petition mit 436 Unterschriften ein, welche ein lebendiges und identitätsstiftendes Ortszentrum Speicherschwendi fordert. Mehr noch: Sie verlangt ausdrücklich, dass der «Bären» nicht abgerissen wird. Ein Baugesuch ist bei der Gemeinde just zu dieser Zeit eingegangen. Die Gemeinde sah sich zum Handeln gezwungen.

Doch wie geht es nun nach dem Erlass der Planungszone weiter? Eine konkrete Vision, wie Speicherschwendi einmal aussehen soll, hat der Gemeinderat nicht. Die Kommission Planung und Dorfentwicklung hat den Auftrag erhalten, die weiteren Schritte einzuleiten. Ende Februar steht die nächste Sitzung an. An dieser wird das weitere Vorgehen detailliert geplant, der Zeitplan verabschiedet und festgelegt, wann die ersten Ergebnisse vorliegen sollen.

Gespräche mit Anwohnern werden gesucht

König plant Gespräche mit den betroffenen Anwohnern, Petitionären und der Bevölkerung. Diese können ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen, wie sich das Zentrum Speicherschwendis entwickeln sollte. Eine zeitaufwendige Aufgabe. Dessen ist sich König bewusst. «Die drei Jahren, in welcher die Planungszone gültig ist, sind knapp bemessen», sagt er. Zumal auch die rechtliche Möglichkeit besteht, gegen die Planungszone Rekurs einzulegen. Das würde die Planung und die Gespräche erschweren. Auszuschliessen, ist es nicht, dass es zu solchen Schritten kommen könnte: Anstelle des Gasthauses Bären war eine Überbauung mit insgesamt 16 Wohnungen vorgesehen gewesen. Der Baustart sollte diesen Sommer erfolgen. Das Projekt wurde seitens der Gemeinde sistiert. Wie die neuen Besitzer, die Zuhause AG aus Bronschofen, nun vorgehen werden, ist offen. Zu einer Stellungnahme war am Freitag niemand erreichbar.

Wann Änderungen im Zentrum Speicherschwendis sichtbar sein werden, ist unklar. Die Planungszone ermöglicht, dass mit raumplanerischen Instrumenten die künftige Entwicklung im Dorfkern geregelt wird. Genau genommen werden Vorschriften erarbeitet, nach welchen sich Bauvorhaben zu richten haben. Eine Veränderung im Zentrum wird somit nur spürbar, wenn auch tatsächlich Baugesuche realisiert werden. Das kann unter Umständen Jahrzehnte dauern. Das Gesuch «Bären» ist derzeit das einzige in der Planungszone, das hängig ist.