Drei Sharks bei den Steinböcken

TOGGENBURG. Die ehemaligen Nesslauer Unihockey-Junioren Nicola Bischofberger, Marco Louis und Luzian Weber haben sich bei den Churern in der Nationalliga A einen Stammplatz erobert. Ob sie irgendwann bei einem noch höher dotierten Club durch die Halle sprinten, lassen sie offen.

Urs Huwyler
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Die Nesslauer Sharks Marco Louis, Luzian Weber und Nicola Bischofberger (von links) gehören beim NLA-Club Chur zu den Stammspielern. (Bild: Urs Huwyler)

Die Nesslauer Sharks Marco Louis, Luzian Weber und Nicola Bischofberger (von links) gehören beim NLA-Club Chur zu den Stammspielern. (Bild: Urs Huwyler)

Der kletternde, bikende, skifahrende Luzian Weber outet sich in seinem Steckbrief als FC-St.-Gallen-Sympathisant. Würde der 21jährige Nesslauer dem Fussball nachjagen, müsste Chur Unihockey sein Lieblingsverein sein. Beide Clubs gehören in der obersten Liga nicht zu den meistgenannten Titelkandidaten, vermögen jedoch finanzstärkere Mannschaften zu fordern und zu ärgern. Chur bezwang zuletzt Tabellenführer Köniz (Cup), den mehrfachen Meister Wiler-Ersigen und die Tigers aus Langnau, St. Gallen den Super-League-Krösus Basel.

Luzian Weber, weder verwandt noch verschwägert mit dem Davoser Teamkollegen Luzi Weber, sieht Parallelen zwischen dem FCSG und Chur, schränkt allerdings mit einem Schmunzeln ein: «Wir sind regelmässiger an der Spitze vertreten.» Aktuell liegen die Churer in der Zwölfer-Liga mit 13 Punkten (sieben Spiele) auf Position fünf. Die Cupfinal- und Halbfinal-Qualifikation (Playoffs) haben sich Trainer Thomas Berger und die drei Nesslauer auch dank der drei starken Ausländer im Team als Saisonziel gesetzt.

Junioren-Meister

Alltäglich ist es in keiner Sportart, dass ein Trio eines Landvereins bei einem ambitionierten A-Club nicht nur als Ergänzung dem Kader angehört, sondern zu den Stammspielern zählt. «Bei den Nesslau Sharks hatten wir eine starke Gruppe mit Spielern der Jahrgänge 1992 bis 1994. Nicht alle wollten den Weg Richtung Leistungssport einschlagen. Vor uns schafften es schon andere Spieler aus Nesslau in die NLA», erzählt Luzian Weber. Ein Wechsel zu Waldkirch-St. Gallen, wo diverse Spieler von United Toggenburg und dem UHC Neckertal dem Kader angehören, oder Rychenberg Winterthur standen distanzmässig ebenfalls zur Diskussion, doch das regelmässig in der vorderen Tabellenhälfte klassierte Chur Unihockey erhielt nach Probetrainings den Vorzug. Marco Louis und Luzian Weber spielten zwei Jahre bei den U21-A-Junioren und wurden 2012/13 Schweizer Meister. Inzwischen kommen sie in der ersten Mannschaft zum Einsatz und sammeln selbstbewusst Skorer-Punkte. Der zweikampfstarke Verteidiger Weber kann ein Tor und drei Assists (Meisterschaft/Cup) vorweisen, Flügel-Flitzer Louis (Jahrgang 1994) traf siebenmal und steuerte drei letzte Pässe bei. «Wir fühlen uns wohl, haben Perspektiven», fassen die Wahl-Bündner ihre ersten Jahre in der Fremde zusammen.

Zweite NLA-Saison

Beim dritten Legionär aus dem Churfirstenland handelt es sich um den zwanzigjährigen Nicola Bischofberger, der schon ein Aufgebot für einen Nationalteam-Zusammenzug erhalten hat. Zwei Tore und drei Assists erzielte der offensive Verteidiger bisher in seiner zweiten NLA-Saison.

Nicht allein im Land der Steinböcke Gian und Giachen zu sein, bringt für die drei Muske(l)-tiere auch sprachliche Vorteile. Im Training sind schon mal Sticheleien wegen des Dialekts zu hören. «Iar könned grad druf warta», bis irgendein lokaler Einheimischer die Nesslauer wegen ihrer Sprache freundschaftlich foppt. «Zu dritt lässt sich das gut verkraften», bleibt Luzian Weber lächelnd gelassen. Er will wie seine Kollegen «nämis spille».

Auch im Training. Nach Spielzügen, Sprints, Zweikämpfen und taktischen Varianten wird 30 Minuten «gemätschlet», als ginge es um Meisterschaftspunkte. Trainer Thomas Berger und Assistent Claudio Stingelin coachen je ein Team und tragen an der Bande verbale Duelle aus, treiben ihre Jungs an. Die Mischung aus Vollgas und Spassfaktor funktioniert. Drei Siege in Serie würden sich immer positiv auf die Stimmung auswirken, ist zu hören.

Vollzeit-Amateure

Ob Elektriker Weber irgendwann mit dem Heizungs- und Sanitärinstallateur Marco Louis und Schreiner Nicola Bischofberger bei einem noch höher dotierten Club oder im Ausland mit dem Stock durch die Hallen sprinten, lassen sie offen. Es soll nicht mit Wunschvorstellungen Schritt für Schritt nach oben gehen. Allerdings käme es ihnen gelegen, könnten sie das jetzige Arbeitspensum von 100 Prozent leicht reduzieren.

Aktuell hausen die Amateure in Wohngemeinschaften. Nicola Bischofberger und Marco Louis in der gleichen, Luzian Weber in einer andern WG. Ski, Fussball, Schwingen, alles wäre für die polysportiv veranlagten Kollegen vor der Haustüre möglich gewesen. Es wurde Unihockey, weil die Freunde spielten, sie sich gegenseitig motivierten, eine Gruppendynamik entstand. Daran hat sich in Chur nichts geändert. Auch wenn das Krafttraining um 20.30 Uhr nach dem Stocktraining und einem Arbeitstag nicht nur kollektive Freude bereitet.

Mosnanger auf den Fersen

Drei Punkte mehr als Chur haben derzeit die Alligatoren Malans (3.) mit Verteidiger Daniel Kläger (Mosnang) auf dem Konto. Der fünffache Internationale weist nach zwei Toren und einem Assist drei Skorer-Punkte auf. Das nächste Bündner Derby folgt als vorweihnachtliches Geschenk am 20. Dezember als Heimspiel für Malans in der Sporthalle Maienfeld.