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«Können wir diesen Irrsinn stoppen?» Ärger um Töffli-Touristen im Appenzellerland

Seit gut zwei Wochen können Gruppen das Appenzellerland per Töffli entdecken. Was Touristiker zum Jubeln bringt, sorgt bei anderen für rote Köpfe: Die Zweitakter machten Lärm und verschmutzten die Luft.
Karin Erni
Das Appenzellerland auf einem knatternden Zweirad zu entdecken, ist nicht nach jedermanns Geschmack. (Bild: KER)

Das Appenzellerland auf einem knatternden Zweirad zu entdecken, ist nicht nach jedermanns Geschmack. (Bild: KER)

Töfflifahren sei bubieinfach, mache Spass und garantiere ein Gefühl von grenzenloser Freiheit, schreibt Appenzellerland Tourismus AR auf seiner Homepage über das neue Angebot von Töfflitouren für Gruppen. Die Idee findet jedoch bei Maya Leu aus Teufen wenig Anklang. «Können wir diesen Irrsinn stoppen?», fragt sie in einem Leserbrief in der «Tüüfner Poscht». Die Teufner, aber auch Gäste und Touristen schätzten die Sonnenterrasse mit guter Luft und erholsamer Ruhe, so Leu. «Ich bin hell entsetzt über die verrückte Idee, hier Töfflitouren anzubieten.»

Die Firma Abenteuer-Zeitreisen Topaz hat das Angebot «Töfflibuebe» mit Start und Ende in Teufen in Zusammenarbeit mit der Firma Berger Events aus Bern lanciert. Für Inhaber Stephen Häberli kommt der Angriff der Leserin nicht ganz überraschend. Die Verantwortlichen beider Firmen seien sich der Bedenken bezüglich Lärm- und Abgasemissionen durchaus bewusst und nähmen diese sehr ernst, so Häberli. «Bei Abenteuer-Zeitreisen Topaz werden Umweltschutz und Nachhaltigkeit gross geschrieben.» Der CO2-Ausstoss, den die Töffli verursachten, werde vollumfänglich kompensiert und das Geld komme einem Moorschutzprojekt in der Schweiz zu Gute, so Häberli weiter.

Gesundheitsschädliche Abgase der Zweitakter

Dieses Argument lässt Maya Leu nicht gelten: «Klimaneutral ist nur ein monetärer Begriff. Das Klima leidet unter diesem Projekt, auch wenn ein paar Franken für die ‹Kompensation› ausgegeben werden.» Wie schädlich Zweitakter sind, habe ein Team vom Paul Scherrer Institut schon vor Jahren festgestellt, argumentiert Leu weiter. Transportmittel mit Zweitakt-Motor leisteten in vielen Städten der Welt den grössten Beitrag zur gesundheitsgefährdenden Luftverschmutzung durch Fahrzeuge. «Im Abgas der Zweitakter sind durchschnittlich 124 Mal mehr gesundheitsschädliche organische Verbindungen zu finden als in dem von Viertaktern. Eine Gruppe von 20 Töfflifahrern produziert demnach so viel schädliche Abgase wie 2480 Autos!» Stephen Häberli möchte diese Zahl nicht kommentieren. Er bezweifelt indes, dass diese für die von ihm eingesetzten Fahrzeuge zutrifft: «Wir haben keine alten Knatterkisten, sondern fabrikneue Modelle, die mit Katalysator ausgerüstet sind und die heutigen strengen Abgasvorschriften einhalten.»

Auf offiziellen Strassen unterwegs

Maya Leu findet weiter, die verkehrsarmen Panoramastrassen sollten den Wanderern und Velofahrern vorbehalten bleiben. Und auch die kleinen Dörfer im Appenzellerland sollten vor zusätzlichem Lärm und Gestank verschont werden. Stephen Häberli entgegnet, dass die Töffli nicht auf Wanderwegen unterwegs seien, sondern auf offiziellen Strassen. «Wir konnten bereits von Beginn an bei der Routengestaltung touristische Wünsche und sensible Aspekte aus der Region mitberücksichtigen», so Häberli. Ausserdem halte sich die Menge der Töfflifahrten in sehr engem Rahmen. In der laufenden Saison seien lediglich fünf Gruppen unterwegs gewesen. Seine Firma führe auch viele andere Angebote. «Der Gast hat die Wahl zwischen einer Töfflitour oder einer anderen Aktivität wie zum Beispiel einer E-Bike-Tour.»

Eine Nachfrage bei einigen betroffenen Gemeinden entlang der Strecke ergab übrigens, dass die Töfflifahrer dort bisher nicht aufgefallen sind.

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