Dorfverein schreibt Handballgeschichte

Die Gähwiler Handballer spielten Ende der Achtzigerjahre erfolgreich in der Nationalliga B mit. Wie beim aufstrebenden Nachwuchs des HC Toggenburg spielten auch dort die Lehrer beim Aufbau des Teams eine entscheidende Rolle.

Urs Huwyler
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GÄHWIL. 1989 und 1990 gewann der kleine TV Gähwil zur grossen Überraschung der Sportwelt den Gossauer Handball-Fürstenlandcup. Zu jener Zeit spielte die Dorfmannschaft in der Nationalliga B und erreichte als bestes Resultat den 4. Schlussrang. Selbst Fachmedien in Deutschland berichteten über die abenteuerlichen «Handball-Gallier» vom Land.

Wechsel von Topspieler

Dominique Gmür, der zwei Jahre in Ganterschwil als Lehrer tätig war, half 1973 beim Aufbau der in den TV Gähwil integrierten Handballriege mit. Vorwiegend Lehrer spielten damals in der 4. Liga. In Gähwil wirkte Dominique Gmür als Spielertrainer, Coach und zusammen mit dem Dorflehrer und Präsidenten Max Schneider als Mann für alle Fälle. Noch heute zieht der Vollblut-Handballer nach einem Unterbruch bei St. Otmar St. Gallen, wo er zuerst als Spieler aktiv war, als Sportlicher Leiter die Fäden der NLA-Mannschaft. Möglich wurde der nationale Höhenflug durch den Clubwechsel einzelner Teamstützen von St. Otmar St. Gallen. Sie wollten vorwiegend aus beruflichen Gründen den Aufwand reduzieren. Unter ihnen befand sich der 53fache Internationale und Olympiateilnehmer Heinz Karrer, der zuvor je fünf Jahre bei Pfadi Winterthur und in St. Gallen gespielt hatte. Heute arbeitet der ex-Gähwiler als CEO bei der Axpo Holding. «Er trainierte nie mit, reiste nur zu den Spielen an und schoss uns fast im Alleingang in die Nationalliga B», erinnert sich Dominique Gmür.

Verlorene Wette

Zu den schillernden Figuren gehörte zudem Eugen Metzler, der beim FC St. Gallen als Sanierer bekannt wurde und als Mitglied des Nationalliga-Komitees (1993-2000) als Nationalmannschafts-Delegierter wirkte. «Gegen ihn verlor ich eine Wette», schmunzelt Dominique Gmür noch heute. «Er spottete irgendwann an einer Bar, Handball sei doch kein Sport, das könne jeder. Worauf ich ihm anbot, er solle zu Gähwil kommen. Ich bot ihm pro Tor fünf Franken an. Er traf in der 1. Liga 73 Mal». In der 1. Liga trugen die Gähwiler ihre Heimspiele in Bütschwil aus, danach wechselten sie in die neue Sporthalle Wil. 1991 löste sich das Handballteam beim TV Gähwil nach dem Abstieg auf und die Wiler durften dank eines Spezialabkommens den Platz der Gähwiler in der 1. Liga übernehmen. «Einige Spieler wollten den Aufwand mit 18 Spielen und einem Training pro Woche nicht mehr auf sich nehmen. Also zogen wir uns zurück.» Dominique Gmür hatte die Umfrage im Kader direkt nach dem letzten Match hinter geschlossener Türe durchgeführt.

Vereine profitieren von Otmar

Rund 90 Personen feierten am 16. März bei Schnitzel und Pommes Frites im Restaurant Rössli Gähwil das 20. «Weisch no»-Jubiläum. «Wir wurden immer als Otmar-Filiale betitelt. Doch heute ist es nicht anders. Auch die umliegenden Vereine profitieren von Otmar», sagt Dominique Gmür . Noch etwas ist ihm im Gedächtnis geblieben: «Wenn die Identifikationsfiguren fehlen, zerfällt ein jahrelanger Aufbau schnell wieder.»