Dominanz der Bösen im Glarnerland

SCHWINGEN. Das 115. Nordostschweizerische Schwingfest in Näfels hat sich unerwartet zu einem Toggenburger Verbandsschwingertag entwickelt. Nicht nur Jörg Abderhalden vermochte im Glarnerland zu überzeugen.

Urs Huwyler
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Wer bei Jörg Abderhalden (linkes Bild) oder Urs Abderhalden (rechtes Bild) in den Schwitzkasten kam, konnte sich noch so auf den Kopf stellen, es setzte meist eine Niederlage ab. (Bilder: uhu)

Wer bei Jörg Abderhalden (linkes Bild) oder Urs Abderhalden (rechtes Bild) in den Schwitzkasten kam, konnte sich noch so auf den Kopf stellen, es setzte meist eine Niederlage ab. (Bilder: uhu)

Es gibt schwingerisch Toggenburger und Toggenburger – die einen wohnen und schwingen im Toggenburg, andere schwingen für Klubs in Wil, Flawil oder Uzwil, die dem Toggenburger Verband angehören. Daniel Bösch (Zuzwil) und Andy Büsser (Niederwil) werden deshalb statistisch als schwingende Toggenburger erfasst. Das Eidgenossen-Duo trug in Näfels mit den Rängen 4 und 6a zwei Kränze fast schon erwartungsgemäss zur ausgezeichneten NOS-Bilanz der bösen Toggenburger bei.

Geschlossene Mannschaft

Für die Überraschung des Tages sorgten jedoch die Toggenburger aus dem Schwingklub Wattwil. Ohne den unter den Zuschauern weilenden verletzten Titelverteidiger Nöldi Forrer (Stein) klassierte sich ein Quintett im Spitzenfeld, obwohl die Schwinger mit 56,50 Punkten aus den Kranzrängen fielen. Davon betroffen waren mit Daniel Bohl (Stein) sowie dem für Herisau schwingenden Emil Signer (St. Peterzell) zwei Toggenburger.

Bohl bekam eine Woche nach Rang fünf am Nordwestschweizer Teilverbandsfest mit Edi Philipp und Bruno Gisler zwei (noch) übermächtige Mitfavoriten vorgesetzt. Letztmals reichten 56,50 im Jahre 2006 nicht, 2008 genügten 56,25. Unterschiede ergeben sich, weil zwischen minimal 15 und maximal 18 Prozent der Teilnehmer den Kranz erhalten. Die neunköpfige 56,50-Gruppe von Näfels sprengte die Bandbreite.

Nach den diversen Rückschlägen während der letzten Wochen und Monate erstaunte die mannschaftliche Geschlossenheit. Die Nesslauer Jörg Abderhalden und Urs Abderhalden sowie der Krummenauer Köbi Roth waren gesundheitlich angeschlagen und belegten die Ränge 1 sowie 2a und 2b. Urs Abderhalden räumte mit dem Innerschweizer Thomas Arnold und dem, um den Tagessieg kämpfenden, Bruno Fäh (Benken) zwei Eidgenossen aus dem Weg.

Ohne die Niederlage gegen Marcel Kuster (Altstätten) – Urs Abderhalden dominierte den Gang bis zu einem gekonterten Angriff klar – hätte er sogar den Schlussgang gegen den Bruder Jörg bestreiten können. Köbi Roth revanchierte sich im letzten Gang an Kuster und legte ihn platt ins Sägemehl.

55. Kranz für Götte

Ein Fragezeichen musste auch hinter den Formstand von Urban Götte (Stein) gesetzt werden.

Auf dem Stoos verletzte er sich an der Schulter und das Anschwingen gegen den Bündner Beat Clopath verlor der letztjährige Schlussgang-Teilnehmer. Dadurch erhielt der 28 Jahre alte Zimmermann durch das Kampfgericht zwei «Aufbaugegner» zugeteilt und nützte die Chance, um nach vorne zu kommen. «Urban ist ein Spitzenschwinger. Seine Erfolge werden teilweise zu wenig wahrgenommen, weil in der Vergangenheit Nöldi oder ich oft vor ihm lagen. In andern Klubs wäre er der unbestrittene Teamleader», stellt Jörg Abderhalden klar.

Bisher hat Urban Götte 55 Kränze, zwei Bergfeste, zwei Kantonale und das Rickenschwinget gewonnen.

Immer wieder für Aha-Erlebnisse sorgt der letztjährige Vierte Ueli Roth (Ebnat-Kappel). Der «nur» 180 Zentimeter kleine und 90 Kilogramm leichte Senn lag nach dem sechsten Gang gleichauf mit dem Berner Willi Graber oder dem Nordwestschweizer Hoffnungsträger Bruno Gisler.

Einzig gegen den Südwestschweizer Harald Cropt kassierte der jüngere Bruder von Köbi Roth eine Niederlage. Der Kranzgewinn bedeutete gleichzeitig die Qualifikation für das Eidgenössische in Frauenfeld.

Roman Bösch (Alt St. Johann) vergab den Kranz nach Niederlagen gegen den Berner Kilian Wenger (war im Anschwingen Jörg Abderhalden unterlegen) und Götte-Bezwinger Beat Clopath im sechsten Gang.

Eine durchaus machbare 10,00 hätte gereicht, doch der Landwirt unterlag überraschend Ursin Battaglia (Feldis), der anstelle von Bösch punktemässig auf die Höhe von Ueli Roth kam.

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