«Do möchtet mer bliibe»

Am Wochenende sind die Neubauten des Werkheims Neuschwende festlich eingeweiht worden. Es ist nun gewährleistet, dass die Bewohner auch mit zunehmendem Pflegebedarf ihr Zuhause nicht verlieren.

Monika Egli
Drucken
Teilen
In der offenen Küche mit Aussicht wird das Eröffnungsessen vorbereitet. Hier können fünf Bewohner eine Anlehre machen. (Bilder: eg)

In der offenen Küche mit Aussicht wird das Eröffnungsessen vorbereitet. Hier können fünf Bewohner eine Anlehre machen. (Bilder: eg)

«Wir möchten eine Pflegebadewanne», «Wir wollen auch im Alter hier wohnen können», «Die Werkstätten und der Weg dorthin sollen rollstuhlgängig sein», «Wir hätten gerne eine Cafeteria», «Wir möchten eine moderne Küche»: Diese und weitere Wünsche hatten die Bewohner und Bewohnerinnen zusammen mit den Gruppenleitern im Herbst 2012 formuliert. Am Freitag konnte Dieter Burckhardt als Präsident der Bau- und Finanzkommission im Werkheim Neuschwende sagen: «Die Wünsche wurden uns zum Ziel. Mit dem heutigen Tag sind sie alle erfüllt.»

Die beiden Neubauten ergänzen die bestehenden fünf Liegenschaften, von denen vier unter Denkmalschutz stehen. Wo vorher eine Häuserzeile stand, hat jetzt jedes Haus ein Gegenüber, womit zugleich eine Art «Dorfplatz» als Begegnungszentrum geschaffen worden ist. Die Bereiche Wohnen und Arbeiten sind getrennt worden, eine moderne Küche bietet fünf Arbeitsplätze für die insgesamt 32 Bewohner, die an geistiger Beeinträchtigung leiden. Im Haus «Rubin» sind die Werkstätten eingerichtet. Hier wurde auch eine umweltfreundliche Heizung installiert, die alle Häuser versorgt. Im Haus «Fontana» wird gewohnt, gekocht, gegessen und die Freizeit verbracht. Vor allem ist nun gewährleistet, dass die langjährigen Bewohner ihr Zuhause auch dann nicht verlieren, wenn der Pflegeaufwand mit zunehmendem Alter grösser wird. «Do sind mer dehei, do möchtet mer bliibe»: Dieses von Theo Gerber, Präsident der Trägerschaft Heilpädagogischer Verein Küsnacht, über alles gesetzte Motto ist verwirklicht. Die Neubauten haben knapp zehn Millionen Franken gekostet; die Hälfte davon konnte mit Eigenmitteln und Spenden selber erbracht werden.

«Ich bin wirklich beeindruckt»

Es war während der Reden und Rundgänge denn auch viel von Freude, Stolz und Dankbarkeit zu vernehmen. Diego Gähler als Vertreter der ausführenden Architekten «Gähler Flühler Architekten», die schon das Wohn- und Pflegezentrum Au in Urnäsch gebaut hatten, schaute zurück: Das Projekt war im Vorfeld zeitaufwendig, mussten doch eine Teilumzonung vorgenommen und ein Gestaltungsplan erstellt werden. Er lobte die kantonalen und kommunalen Behörden aber als «extrem unterstützend». Man habe die Wertschätzung dem Werkheim Neuschwende gegenüber stets gespürt. Und als die Baubewilligung im Frühling 2015 vorlag, konnten die Häuser in knapp 1,5 Jahren verwirklicht werden. Dies wiederum lobte Dieter Burckhardt als «rekordverdächtig schnell». Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt überbrachte die Grüsse und Gratulation der Regierung. Hier werde Solidarität gelebt, man nehme jede Person einfach als Mensch, das sei grossartig. «Ich bin wirklich beeindruckt», bilanzierte der Landammann. Derweil wurde in der grosszügigen, gegen den Speisesaal hin offenen Küche fleissig gearbeitet. Täglich werden am Mittag an die 50 Essen zubereitet. Fünf Bewohner finden hier einen Arbeitsplatz, an dem sie eine Anlehre machen können.

Für die Sanierung der älteren Häuser ist das Werkheim Neuschwende weiterhin auf Spenden angewiesen: IBAN CH96 0900 0000 8775 9592 7