Diskussion um den Schlifisteg

Nötig ist der Schlifisteg nicht. Da ist man sich in Berneck einig. Mario Amman will das Geld lieber in Velowege investiert wissen, die der Sicherheit der Kinder dienen. Jakob Federer sieht im Steg ein Merkmal, das Berneck aufwertet.

Monika von der Linden
Drucken
Teilen
Seit ein paar Wochen steht die Informationstafel am Schlifitobel oberhalb von Berneck. (Bild: pd)

Seit ein paar Wochen steht die Informationstafel am Schlifitobel oberhalb von Berneck. (Bild: pd)

BERNECK. Der Rheintaler Höhenweg ist bei Spaziergängern und Wanderern beliebt und wird rege benutzt. Treffend trägt der Abschnitt oberhalb Bernecks den Übernamen Grüeziweg. Nun will die Gemeinde das Schlifitobel mit einem Steg überbrücken, den Höhenweg auf einer Ebene durchgängig machen.

Der Patronatsverein Schlifisteg stellte kürzlich am Tobel eine Tafel auf, sie informiert Passanten über die geplante Hängebrücke.

Das Vorprojekt Schlifisteg ist fertig. Es kostete die Gemeinde 59 116 Franken. Dieses Jahr werden Details erarbeitet. Zur Erstellung des Gutachtens stehen im Budget 50 000 Franken bereit.

Zu viel Geld für ein Luxusprojekt

Gegen das Vorhaben regte sich an der Bürgerversammlung im März Widerstand. Ein Kritiker ist Mario Ammann. Er beantragte, das Budget zurückzuweisen und die Projektierung zu streichen. Die Bürgerinnen und Bürger folgten ihm nicht.

«Der Schlifisteg ist nicht nötig», sagt Mario Ammann auf Anfrage. Es werde argumentiert, dass man mit ihm eine Lücke schlösse. «Das ist nicht richtig. Der Weg endet nicht vor dem Abgrund.» Man könne oberhalb des Tobels über die Rüdenstrasse oder unterhalb über den Eggerweg gehen. Der Höhenunterschied sei nicht gross und niemand auf den Steg angewiesen. «Die Brücke wäre eine unnötige künstliche Verbindung.» Mario Ammann ist erstaunt, dass der Kanton so viel Geld für ein Luxusprojekt ausgeben kann. «Anderswo wird gespart.» Er weiss, das Geld stammt aus einem Fonds, mit dem der Ausbau von Fuss- und Velowegen unterstützt wird. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle vernünftigen Verbindungen im Sinne der Sicherheit von Schulkindern bereits gebaut wurden.» Weiter stört Mario Ammann die Haltung der Gemeinde. «Man kann doch nicht nur mitmachen, weil der Kanton einen grossen Teil der Kosten übernimmt.» Der Unterhalt sei für den ganzen Steg zu kalkulieren und nicht nur für den von der Gemeinde finanzierten Teil. Weiter befürchtet er, die Bürger könnten dem Bau der Hängebrücke allein deshalb zustimmen, weil bereits 100 000 Franken ausgegeben wurden.

«Wo sollen die zusätzlichen Autos parkieren?», fragt er weiter. «Viele Leute werden möglichst nah heranfahren.» Das sei nicht geklärt und gehöre in ein Gesamtkonzept.

Merkmal der Identifikation

Jakob Federer ist Präsident des Patronatsvereins Schlifisteg. Er räumt ein, der Bau der Hängebrücke sei nicht nötig. «Wir reden nicht von einer betrieblichen Notwendigkeit», sagt er. Ein Sportplatz oder die finanzielle Unterstützung eines Vereins seien auch nicht nötig. «Es gibt den Konsens, dass uns die Vereinsarbeit etwas wert ist. Deshalb muss die Frage lauten: Wollen wir eine Aufwertung des Höhenweges?» Jakob Federer betrachtet den Steg als ein weiteres Merkmal, das zur Identifikation mit dem Dorf beitragen kann. «Wie das Schloss Rosenberg und die attraktive Landschaft.» Der Steg hätte eine Funktion und wäre ein Kunstwerk. Er verursacht keinen Eingriff in die Natur. Das gehe aus einem Gutachten aus dem Jahr 2007 hervor, sagt Jakob Federer. Ein Wildhüter und der Verein Pro Natura hatten bestätigt, dass der Lebensraum nicht zusätzlich gestört würde. Ausserdem bleibe der Grüeziweg ein Fussweg, im Dorfkern gebe es reichlich Parkplätze und Berneck sei gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.

Im Jahr 2007 flammte die Idee wieder auf, den Wanderweg von der Pfauenhalde bis zum Kobel durchgängig zu machen und das Schlifitobel mit einem Steg zu überbrücken. In den 1950er-Jahren sollte eine Brücke die Arbeit in den Rebbergen erleichtern. Damit die Winzer von einer Parzelle in die andere gelangen konnten, mussten sie immer wieder auf- und absteigen.

Im August 2012 gründete sich der Patronatsverein, veranlasste eine Machbarkeitsstudie und übergab ein Jahr später der politischen Gemeinde die Federführung. Vertreten wird sie von Gemeinderat Markus Dierauer. Damit Jakob Federer in keinen Interessenkonflikt gerät, steht er als Gemeinderat bei diesem Geschäft im Ausstand.

Laut Voranschlag kostet die Hängebrücke 1,2 Millionen Franken, ohne einen allfälligen Landerwerb, Anpassungen der Zufahrten und Plätze, Rodungen sowie die elektrische Erschliessung.

Der Kanton unterstützt den Bau mit 680 000 Franken. Die Ortsgemeinde will 100 000 Franken und der Patronatsverein mindestens 50 000 Franken beisteuern. Je mehr Geld der Verein sammelt desto weniger muss die Gemeinde bezahlen. Über den Baukredit des Restbetrags wird die Bürgerschaft voraussichtlich im Rahmen des Budgets 2016 abstimmen.

Überschreitet der Gemeindeanteil 500 000 Franken, wird der Bürgerversammlung ein Gutachten vorgelegt, bei mehr als 1 Million Franken verlangt die Gemeindeordnung eine Urnenabstimmung.

Aktuelle Nachrichten