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Der Verein Energie AR/AI besuchte kürzlich den Schwarzwald. Das Ziel war Freiamt – eine kleine, touristische Gemeinde mit sechs Windenergieanlagen. Wie wirken die rund 110 Meter hohen Masten in solch intaktem Landschaftsbild?

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Die Gemeinde Freiamt ist dem Appenzellerland ähnlich und bildet das ideale Ziel für eine Windexkursion.

Die Gemeinde Freiamt ist dem Appenzellerland ähnlich und bildet das ideale Ziel für eine Windexkursion.

AUSSERRHODEN. Mit dem neuen Richtplan will der Regierungsrat auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden den Bau von Windenergieanlagen (WEA) ermöglichen. Diese Energierichtplanung ist Teil des kantonalen Energiekonzepts 2008–2015, das die Voraussetzung für eine wirtschaftliche, ökologische und regional abgestimmte Nutzung erneuerbarer Energien schaffen soll. Im Rahmen einer Interessenabwägung hat die Regierung drei potenzielle Windregionen ausgeschieden: Hochalp, Hochhamm und Suruggen. Hier sollen sich Windparks mit mindestens drei gleichartigen WEA konzentrieren; ausserhalb dieser Gebiete wären keine Grossanlagen erlaubt. Mindestabstände zu bewohnten Gebäuden lassen sich einhalten, die Erschliessung wäre technisch und wirtschaftlich möglich und Schutzgebiete von nationaler Bedeutung sind nicht betroffen.

Vergleichbares Szenario

Windmessungen und Hochrechnungen haben für die drei Standorte ein Potenzial von gut 55 Gigawattstunden (GWh) Windstrom ergeben. Das entspricht rund 15 Prozent des kantonalen Stromverbrauchs oder der Versorgung von mehr als 12 200 Haushaltungen. Allein im Gebiet Hochalp könnten acht WEA theoretisch 24 GWh Strom erzeugen. In der betroffenen Gemeinde Urnäsch leben rund 2300 Einwohner auf einer Fläche von 48 Quadratkilometern, eingebettet in sanfte Appenzeller Hügel.

Sanft bewaldete Hügel prägen auch die Gegend um Freiamt im Schwarzwald. Auf einer Fläche von 52 Quadratkilometern bietet die Gemeinde gut 4200 Einwohnern Lebensraum. Tourismus und Landwirtschaft sind wichtige Wirtschaftszweige.

Die Gemeinde im Schwarzwald ist dem Appenzellerland nicht unähnlich und bildete damit für den Verein Energie AR/AI das ideale Ziel für eine Windexkursion. Freiamt gilt als Vorzeigegemeinde bezüglich erneuerbarer Energien, produziert sie doch selber bedeutend mehr Strom, als sie braucht. Neben einer Biogasanlage befinden sich auf dem Gemeindegebiet zahlreiche Photovoltaikanlagen, Kleinwasserkraftwerke und sechs WEA. Diese liefern pro Jahr rund 18 GWh Strom, was hochgerechnet auf acht WEA dem Potenzial des Windparks auf der Hochalp entspricht.

Bürger stiessen Projekt an

Die Exkursionsteilnehmer hatten nicht nur die Möglichkeit, mit Auge und Ohr die Atmosphäre eines Windparks aufzunehmen, sondern konnten ihre Fragen und Vorbehalte auch mit dem Betreiber diskutieren. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein Windprojekt nur dann eine Chance hat, wenn der Prozess der Meinungsbildung zusammen mit der Bevölkerung und eine sorgfältige Abwägung zwischen Schutz- und Nutzinteressen erfolgt (vergleiche Statements). Freiamt ist auch in dieser Hinsicht vorbildhaft. Bürgerinnen und Bürger haben die Windenergienutzung in ihrer Gemeinde angestossen und sind über eine Bürgerbeteiligungsgemeinschaft (GmbH & Co. KG) teilweise im Besitz der Anlagen. (pd)

Eine Delegation des Vereins Energie AR/AI besichtigt die Anlage. (Bilder: pd)

Eine Delegation des Vereins Energie AR/AI besichtigt die Anlage. (Bilder: pd)

Legende (Bild:)

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