Diskus werfen statt Bob schieben

An der Leichtathletik-SM in Frauenfeld startet die temporäre Bob-Anschieberin Elisabeth Graf wieder in ihrer Stamm-Sportart. Mit dem Diskus muss es eine Medaille werden. Die Schweizer Meisterschaften finden am Freitag und Samstag, 25. und 26. Juli, in der Thurgauer Metropole statt.

Urs Huwyler
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LEICHTATHLETIK. Vor einem Jahr bereitete sich Bob-Anschieberin Elisabeth Graf (Mosnang) auf die Olympischen Spiele in Sotschi vor – und sicherte sich als Leichtathletin «nebenbei» den Meistertitel im Diskuswerfen (48.26 Meter). 2012 (48.68 Meter) hatte sie in ihrer Spezialdisziplin ebenfalls Gold gewonnen. 2011 (47.24 Meter) auch. 2010 (48.74 Meter) auch. 2009 (46.59 Meter) auch. «Bliebe ich in Frauenfeld ohne Medaille, wäre ich schon sehr enttäuscht», weiss die 25jährige Allrounderin, dass sie als Favoritin gilt.

Titel «en masse»

Der sechste Titel in Serie kündigt sich auch beim Blick in die Saison-Bestenliste an. Elisabeth Graf schleuderte die 1000 Gramm schwere Scheibe bisher auf 49.41 Meter, die nationale Nummer zwei kam auf 42.79 Meter. Herrschen für alle Werferinnen gleiche Bedingungen und verletzt sich das Aushängeschild des STV Lütisburg nicht, kann bei einer solchen Überlegenheit die Nationalhymne geübt werden. Graf trug in Riga im übrigen durch ihren fünften Rang auch dazu bei, dass die Schweiz an der Team-EM in die First League aufsteigen konnte.

Keine Siebenkämpfe

Im Kugelstossen wird die Gejagte für einmal zur Jägerin. Sechs Konkurrentinnen stiessen bisher weiter. Darunter befinden sich Siebenkämpferin Linda Züblin und Bobfahrern Tanja Mayer, die in Sotschi anstelle von Elisabeth Graf starten durfte. 80 Zentimeter trennen die Top 7. «Mit etwas Wettkampfglück kann es ein Podestplatz werden», weiss die Meisterin von 2012, die sich (wie Pilotin Fabienne Meyer) vom Bobsport zurückgezogen hat und keine Siebenkämpfe mehr bestreiten wird. Damit kann sie den Trainingsaufwand, die beruflichen Absenzen und körperlichen Belastungen minimieren.

Dann wäre da noch der Hochsprung. 1.82 Meter übersprang diese Saison Giovanna Demo, 1.80 Meter Nathalie Lauber. Elisabeth Graf folgt mit 1.79 Meter auf Position drei. Dahinter klafft eine sieben Zentimeter hohe Lücke. Es könnte nicht nur werfend oder stossend, sondern auch springend zu Edelmetall reichen. Zwei Medaillen scheinen demnach nicht unrealistisch. Wie es für die im Spital Uster arbeitende Fachfrau Gesundheit ab Mitte September sportlich weitergeht, gilt es abzuwarten. Sie beginnt eine Ausbildung und setzt die Prioritäten neu.

400 Meter statt 800 Meter

Titelverteidigerin Selina Büchel (Mosnang) könnte an der Schweizer Meisterschaft mit angezogener Handbremse einen nächsten 800-Meter-Titel nach Hause laufen. Die erste Verfolgerin benötigte für die beiden Stadion-Runden acht Sekunden mehr. Also fordert sich die Hallen-WM-Vierte im Hinblick auf die Heim-EM in Zürich als 400-Meter-Sprinterin.

Über diese Distanz (55.50) waren fünf Schweizerinnen schneller. Es könnte sein, dass sich «Wettkampf-Typ» Büchel näher an die Spezialistinnen herankämpft und die persönlichen Bestleistungen vor dem Start höchstens statistischen Wert besitzen.

Als dritte Toggenburgerin ist Marlis Wickli (Krinau), wie Büchel/Scherrer vom KTV Bütschwil, über die «Schinder-Distanz» 400 m Hürden (1:05.28) gemeldet. Speziell an ihrem Start: Marlis Wickli ist mit Jahrgang 1983 zwar die Seniorin im Feld, aber von der Zeit her vermag sie mit U23-Talenten durchaus mitzuhalten.

Zu einer Medaille wird es kaum reichen, für einen Mittelfeldplatz möglicherweise schon.

Schwestern Scherrer

Mit der elftbesten Vorleistung (4:43.82) startet die im März zwanzig Jahre alt gewordene Delia Scherrer (Bütschwil) ins 1500-m-Rennen. Sieben weitere Mittelstrecklerinnen gehören ebenfalls zur Altersklasse U23. «Gegen EM-Teilnehmerinnen auf dem Weg an die Spitze mit einem persönlichen Rekord Erfahrungen sammeln», dürfte die Zielsetzung lauten.

Ihre jüngere Schwester Chiara (Jahrgang 1996) weilt derzeit an der U20-WM in Eugene (USA). Sie bestreitet heute Donnerstag ihren Vorlauf über 3000 Meter Steeple (Final: 26. Juli).

Gemeldet sind Läuferinnen aus über zwanzig Nationen. Aufgrund der Bestzeiten wird es für Chiara Scherrer allerdings schwierig, die erste Runde zu überstehen. Auch für sie dürfte es darum gehen, weitere Erfahrungen zu sammeln.

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