Direktorin im «Durchlauferhitzer»

Christine Bolt landet im Ranking der Schweizer Touristiker, welches das Gastro-Journal einmal jährlich herausgibt, auf Platz drei. Das Toggenburg wird in der Begründung als besonders heisser Durchlauferhitzer bezeichnet.

Barbara Anderegg
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WILDHAUS. «Mit unserem Ranking geben wir ein paar Personen die Ehre», sagt Peter Grunder, für das Ranking der Top Ten der Schweizer Touristiker verantwortlicher Redaktor beim Gastrojournal. Die Fachzeitschrift hat «aufgrund der Entwicklungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten» eine Liste von zehn wichtigen Touristikern zusammengestellt. Den oder die beste gebe es natürlich nicht, denn die Leistungen liessen sich nicht messen wie bei einer Sportart. Daher gebe es auch keine Auflistung mit der garantiert richtigen Reihenfolge, «aber wir sind überzeugt, dass da die Richtigen stehen», heisst es im Gastrojournal. Zum Resultat geführt haben nicht knallharte Kriterien, sondern viele Gespräche und langes Nachdenken. «Ich persönlich beobachte die Tourismusbranche seit 25 Jahren, da weiss man, worauf es ankommt», sagt Peter Grunder.

Von grossem persönlichen Wert

Die Direktorin von Toggenburg Tourismus gehört laut Gastrojournal zu den zehn Besten. Rangiert hat man sie auf Platz drei – davon gewusst hat sie selbst nichts. «Ich habe es erst erfahren, als ich Ende Mai, das Gastro-Journal in Händen hielt», sagt sie und ergänzt. «Ich habe mich sehr gefreut und fühle mich durchaus geschmeichelt.»

Ob diese Auszeichnung einen Wert im Sinne einer Referenz bedeute, könne sie nicht abschätzen. Für sie persönlich jedoch sei sie von grossem Wert. «Es ist ein grosses Lob, das von Fachleuten ausgesprochen wird, also von Personen, die mich nicht persönlich kennen, sondern lediglich meine Arbeit beurteilen. Das tut gut», begründet sie. In der Begründung wird zum einen Christine Bolts gute Ausbildung erwähnt. Weiter heisst es: «Die Branche ist zwar insgesamt als Durchlauferhitzer und Verbrennungsmotor bekannt, das Toggenburg sticht dabei jedoch besonders heiss heraus.» Umso höher sei es ihr anzurechnen, dass sie es nach einer Reihe verheizter Direktoren so lange ausgehalten habe. Warum das Toggenburg noch heisser als andere Destinationen sei, kann Peter Grunder nur bedingt beantworten: «Eine allgemein gültige Aussage in Bezug auf die dortigen Umstände ist nicht möglich, denn es ist immer abhängig von der jeweiligen Situation und den beteiligten Personen.» Für das Toggenburg mache es mit Sicherheit die Nähe zu den Agglomerationen schwierig, genügend Übernachtungen zu generieren. Eine Tourismusdirektorin sei immer auch mit Zielkonflikten der verschiedenen Partner konfrontiert.

Christine Bolt sieht es anders

Christine Bolt selbst will das Toggenburg nicht unbedingt als Durchlauferhitzer bezeichnet haben. «Für meine Vorgänger mag das allenfalls zugetroffen haben. Für mich nicht, immerhin bin ich im Dezember sechs Jahre hier gewesen», sagt sie. Das Toggenburg sei zugegebenermassen ein hartes Umfeld, bedingt durch die wirtschaftliche Situation und die wenigen auch personellen Ressourcen. «Das Toggenburg ist nichts für Leute, die Lorbeeren ernten wollen. Dafür ist es ein umso spannenderes Tätigkeitsfeld mit vielen Herausforderungen. Man kann etwas bewirken», fasst sie ihre Sicht zusammen.

Vielleicht etwas bewirkt

Christine Bolt, die per Ende Jahr von ihrem Posten zurücktritt, hatte besonders im letzten Jahr verstärkt die Hoteliers kritisiert – auch öffentlich. Ihre Kritik, aber auch die Stimmen der zum Teil verärgerten Hoteliers waren im Gastrojournal abgebildet. Auf das Ranking hatte dies keinen Einfluss, sagt Peter Grunder, er kommentiert jedoch: «Vielleicht hat Christine Bolt in der Öffentlichkeit etwas zu viel gesagt. Ihre Aussagen zeugten aber auch von ihrer Qualität.» Er könne sich durchaus vorstellen, dass letztlich die deutlichen Worte und der daraus entstandene Disput heilsam sein werden.

Christine Bolt sieht es ähnlich. In der Zwischenzeit habe man sich ausgesprochen und einen Weg gefunden. «Auch wenn die Kritik an meine Adresse nicht an mir abgeprallt ist – letztlich bereue ich meine Deutlichkeit nicht. Meine Aufgabe ist es nicht, die Lage schön zu reden. Ich denke, es hat etwas bewirkt», so ihr Fazit.

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