Direkt am Bach kann gebaut werden

LICHTENSTEIG. Am Lichtensteiger Lederbach sind Bauarbeiten im Gang. Privateigentümer und Gemeinde spannen zusammen. Der geplante Anbau an ein Wohnhaus und die ohnehin anstehende Ufersanierung werden koordiniert gebaut.

Hansruedi Kugler
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Der erste Teil der neuen Stützmauer beim Wohnhaus der Familie Schefer unterhalb der Loretostrasse, neben dem Restaurant Pfauen, steht schon. Links daneben sieht man noch das alte Gemäuer. Der Anbau kommt direkt auf die neue Stützmauer, die gleichzeitig als neuer Uferschutz des Lederbaches dient. (Bild: Hansruedi Kugler)

Der erste Teil der neuen Stützmauer beim Wohnhaus der Familie Schefer unterhalb der Loretostrasse, neben dem Restaurant Pfauen, steht schon. Links daneben sieht man noch das alte Gemäuer. Der Anbau kommt direkt auf die neue Stützmauer, die gleichzeitig als neuer Uferschutz des Lederbaches dient. (Bild: Hansruedi Kugler)

Es ist ein verborgenes, aber umso lauschigeres Fleckchen – unterhalb der Loretostrasse neben dem Restaurant Pfauen, fast schon an der nördlichen Stadtmauer der Altstadt. Dort, wo der Lederbach rauscht und über mehrere Wasserfälle in die Thur plätschert. Hier steht das Wohnhaus der Familie Schefer. Martin und Edith Schefer bewohnen es seit 1972. Sie planten schon länger einen Anbau. Weil das Haus direkt am Lederbach steht, brauchte es allerdings eine Ausnahmebewilligung des Kantons – und die liess lange auf sich warten. Nun aber sind die Arbeiten in vollem Gang. Martin Schefer, von Beruf Baupolier bei der Firma Kibag, packt dabei selbst an. Auf der nördlichen Hausseite wird auf zwei Stockwerken ein Anbau realisiert. Dieser hätte auf der bestehenden Stützmauer, die gleichzeitig auch Uferverbauung ist, realisiert werden müssen.

Uferschutz verbessert

«Die Stützmauer war allerdings für diesen Zweck nicht stabil genug und bröckelte zum Teil schon», sagt Martin Schefer. Also einigte er sich mit der Gemeinde Lichtensteig auf den Neubau der Stützmauer, den er auch gleich selbst ausführt. Der Grenzverlauf zwischen dem Privatgrundstück und dem Gemeindeboden verläuft haarscharf an der Gewässergrenze. «Martin Schefers Grundstück reicht bis zum Wasser, der Gemeinde gehört nur der Wasserlauf», sagt Stadtpräsident Mathias Müller. Die Gemeinde hätte aber ohnehin in den nächsten Jahren die Uferverbauung am Lederbach verbessern müssen, sagt er. Denn in der Naturgefahrenkarte für die Gemeinde Lichtensteig gibt es für diesen Abschnitt des Lederbaches einen blauen Eintrag. Was so viel heisst wie: Hier herrscht mittlere Hochwassergefahr. Benannt wird diese mit dem Begriff «Verklausungsgefahr». Darunter versteht man die Gefahr eines teilweisen oder vollständigen Verschlusses eines Flusses oder Baches durch angeschwemmtes Geschiebe oder Holz. Als Nadelöhr betrachtet werden die enge Bachpassage unmittelbar unterhalb des Wohnhauses, vor allem aber die Fussgängerbrücke Stampfweg über den Lederbach. Dies ist der Grund, weshalb sich die Gemeinde mit 25 Prozent an den Kosten für die neue Stützmauer beteiligt.

Neue Brücke im Februar

«In den über vierzig Jahren, die wir hier am Lederbach wohnen, ist es noch nie zu einem Hochwasserschaden gekommen», sagt Martin Schefer. Aber der Kanton rechnet beim Gewässerschutz mit viel längeren Zeiträumen. Die Stützmauer für seinen Anbau wird Schefer bis zur Fussgängerbrücke weiterziehen, auch als Schutz für seinen Fussweg zum Wohnhaus. Denn neben der steilen Treppe von der Loretostrasse hinunter ist der Stampfweg der einzige Zugang zum Haus. Martin Schefer wird auch die Fussgängerbrücke neu bauen – eine Stahlbrücke mit Betonfundament, die rund 20 Zentimeter höher zu liegen kommt. Der Stampfweg ist ein Gemeindefussweg 1. Klasse, weshalb sich die Gemeinde auch an den Kosten für den Neubau der Fussgängerbrücke mit 25 Prozent beteiligt. «Dieser Fussweg wird rege benutzt», sagt Martin Schefer. «Er ist eine Abkürzung von der Loreto zum Bahnhof.» Der Ersatz der Brücke ist für Februar geplant, die Stützmauer sollte Mitte März fertig sein. Danach beginnen die Arbeiten für den Anbau am Wohnhaus der Familie Schefer. Für die Gemeinde sei dieses koordinierte Vorgehen eine «Win-win-Situation», sagt Stadtpräsident Mathias Müller. Diese Baustelle könne man auch im Rahmen der Naturgefahrenkarte sehen, für die derzeit ein Massnahmenkonzept ausgearbeitet wird. Noch dieses Jahr werde die Gemeinde mit dem Kanton die konkreten Massnahmen für den Uferschutz verhandeln.

Wenige Gebäude an der Thur

Im Vergleich mit anderen Gemeinden, die ihre Siedlungsgebiete hauptsächlich in der Talsohle in Thurnähe haben, ist Lichtensteig dabei in einer komfortablen Situation: «Wir haben nur sehr wenige Gebäude, die unmittelbar an der Thur stehen», sagt Mathias Müller. Deshalb gibt es auch wenige Abschnitte, die in der roten Kategorie der hohen Hochwassergefährdung aufgeführt sind.

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