Digitalisierung und Euro-Schock

Für David Bosshart werden KMU in der digitalen Welt die grossen Gewinner sein. Der Trendforscher referierte am Konjunkturforum «Horizonte 2016» in Teufen. Die lockere Geldpolitik der Nationalbanken war ein weiteres Thema.

Jesko Calderara
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David Bosshart ist Geschäftsführer des Gottlieb-Duttweiler-Institutes für Wirtschaft und Gesellschaft. (Bild: cal)

David Bosshart ist Geschäftsführer des Gottlieb-Duttweiler-Institutes für Wirtschaft und Gesellschaft. (Bild: cal)

TEUFEN. Die wirtschaftlichen Aussichten für das laufende Jahr und der Megatrend Individualisierung standen am Montag im Mittelpunkt des Konjunktur- und Trendforums «Horizonte 2016». Auf Einladung der St. Galler Kantonalbank referierte im vollen Lindensaal in Teufen der Trendforscher David Bosshart, Geschäftsführer des Gottlieb Duttweiler Instituts, zur Zukunft der Kundenorientierung. «50 Prozent der Volkswirtschaft muss bis 2030 neu erfunden werden», lautet zusammengefasst seine Kernthese. Die Digitalisierung schreite dank immer leistungsfähigerer Technik rasant voran, sagte Bosshart. «Die industrielle Welt geht zu Ende.»

Chance für KMU

Aus diesen Gründen wird sich laut David Bosshart die Beziehung zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden stark verändern. Die Individualisierung sei ein Megatrend. Es gelte, der richtigen Person im richtigen Moment die richtige Botschaft am richtigen Ort zu kommunizieren. «Gefragt sind flexible Strukturen, Korporationen sowie eine höhere Service- und Beratungsqualität.»

Der Trendforscher sieht unter diesen Bedingungen speziell die kleineren, spezialisierten und kreativen Unternehmen im Vorteil. Grössere Organisationen, gerade auch in der Politik, seien dagegen weniger handlungsfähig. Bosshart zeigte sich gar überzeugt, dass ein Zeitalter anbrechen wird, in dem «small is beautiful» gilt. Vor diesem Hintergrund stünden die KMU aber auch vor einigen Herausforderungen. Sie müssten sich Fragen zu ihrer Zukunftsfähigkeit stellen, sagte Bosshart. In erster Linie brauche es die richtige Mentalität und den Willen, sich ständig weiterzuentwickeln.

Optimistische Prognosen

Im ersten Teil des Abends ging der Ökonom Peter Eisenhut auf die konjunkturellen Aussichten für 2016 ein. «In der weltwirtschaftlichen Entwicklung ist kaum Dynamik drin», stellte der Inhaber und geschäftsführende Partner der ecopol AG gleich zu Beginn klar. Die Wachstumsprognose für Deutschland von 1,3 Prozent bezeichnete Eisenhut als nicht sehr erfreulich. Sorgen bereite ihm vor allem die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Mit Massnahmen wie dem riesigen Anleihen-Kaufprogramm würden die Strukturprobleme nicht gelöst. Eisenhut beleuchtete einige konjunkturelle Merkmale aus Sicht der Ostschweizer Wirtschaft. «Für den Handel und den Tourismus war 2015 ein Rezessionsjahr.» Er verdeutlichte dies anhand des Rückgangs der Logiernächte, welcher in der Region stärker ausfiel als im Durchschnitt. Ein schwieriges Jahr hat die Exportwirtschaft hinter sich, die aufgrund der Währungssituation mit rückläufigen Ausfuhren kämpfte. Die Negativzinsen würden den Druck auf den Schweizer Franken hoch halten, sagte Eisenhut. Unter dem Strich seien jedoch die konjunkturellen Erwartungen für 2016 ziemlich optimistisch. «Die Stimmung ist auf jeden Fall besser als die Lage.»

Negativzinsen als Zeitbombe

Zum Schluss seiner Ausführungen betonte Peter Eisenhut einige positive Entwicklungen in Appenzell Ausserrhoden. Er erwähnte etwa die gestiegene Steuerkraft und das Bevölkerungswachstum. «Dieses beruhte in den letzten Jahren vor allem auf einer interkantonalen Zuwanderung.» Im Konjunktur-Talk zeigte sich Finanzdirektor Köbi Frei besorgt über die Folgen der Negativzinsen. «Langfristig ist das eine Katastrophe für unser Vorsorgesystem.» Dieser Problematik seien sich viele noch nicht bewusst.

Köbi Frei Finanzdirektor Appenzell Ausserrhoden (Bild: Martina Basista)

Köbi Frei Finanzdirektor Appenzell Ausserrhoden (Bild: Martina Basista)