Dieters Dichtereien 6

Dieter, der Dichter der Orte, verliess seine vertraute Umgebung und wagte für wenige Tage einen Urlaub an der Nordsee.

Lars Syring
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Bild: Lars Syring

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Dieter, der Dichter der Orte, verliess seine vertraute Umgebung und wagte für wenige Tage einen Urlaub an der Nordsee. Tief inspiriert vom Meer, das er zum ersten Mal sah, stellte er sich demselben entgegen und skandierte:

«Mein Hawaii

heisst Norderney.

Mein Hawaii

heisst Sylt.»

«Hej, magst du auch Judith und Mel», fragte ihn ein Standgänger, der zufällig zugehört hatte.

«Wer ist das denn?»

«Na, die haben das doch gedichtet. Dolles Lied!»

«Oh, das kenn ich gar nicht. Ich dachte, das wäre von mir.»

«Nene.»

«Hm.» Dieter war beschämt. Tief aus den Abgründen seines Unterbewusstsein waren diese Worte wie Schwemmholz im Netz seiner Gedanken hängen geblieben und hatten den Zaun seiner Zähne durchbrochen. Doch dann fiel ihm plötzlich noch etwas ein: «Hier, ich hab noch eins:

<Hand in Hand

am Nordseestrand

so lieb ich dich in Westerland.>»

«Jau, datt is neu.»

«Oh, jetzt fällt mir noch mehr ein. Ich war eben im Hafen.»

«Und?»

«Ja, pass auf.»

Dieter brachte sich in Pose und skandierte:

«Alles im Lot

auf'm Boot.»

Darauf von irgendwoher der Chor:

«Alles in Butter

auf'm Kutter?»

Und dann wieder Dieter:

«Alles im Griff

auf'm Schiff.»

Eine Lachmöwe flog über die Versammlung hinweg, kicherte und kackte Dieter auf den Ostfriesennerz.