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Dieser Steingarten ist keine Wüste, sondern eine Oase

Nicht jeder, der Steine im Garten hat, handelt unökologisch. Das zeigt ein Beispiel aus Herisau.
Karin Erni
Im naturnahen Steingarten fühlen sich Alpenblumen wie die Anemone wohl. Bild: PD

Im naturnahen Steingarten fühlen sich Alpenblumen wie die Anemone wohl. Bild: PD

Sie sind arg in Verruf geraten: Gärten, die mit einer Plastikfolie abgedeckt und anschliessend mit Steinen zugeschüttet werden. Solche Steinwüsten sind auch dem Herisauer Arzt und Hobby-Ornithologen Nicolo Schwarzenbach ein Dorn im Auge. «In Herisau gibt es zahlreiche schlechte Beispiele dafür.» Diese Gärten seien lebensfeindlich und biologisch tot. Zudem seien sie schlecht für das Klima.

«Wegen der verwendeten Plastikfolie kann kein Wasser verdunsten und es fehlen Pflanzen, die Schatten spenden. Die nackten Steine, erwärmen sich stark und speichern die Hitze. Dadurch wirken sie der nächtlichen Abkühlung entgegen.»

Doch Stein ist nicht gleich Stein: «Echte Steingärten dagegen sind alles andere als Steinwüsten», so Nicolo Schwarzenbach. «Ein fachgerecht gebauter Steingarten bietet im Gegenteil Hunderten von seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und leistet zudem einen Beitrag zum Erhalt einer guten Bodenqualität.»

Offener Gartenboden speichert das Regenwasser

Doch wie kann man einen guten von einem schlechten Steingarten unterscheiden? Den Hauptunterschied mache die Plastikfolie aus, so Schwarzenbach. «Eine solche versiegelt den Boden und verhindert, dass das Regenwasser versickern kann. Es fliesst oberflächlich ab und belastet eventuell sogar die Kanalisation.» Wegen des fehlenden Bodensubstrats könnten in den Steinwüsten die Pflanzen die Erde nicht durchwurzeln und entsprechend wenig Wasser speichern, erklärt der Hobbygärtner. Zudem würden Steinwüsten meist mit fremdländischen Bäumchen und Gräsern bestückt, die keinerlei ökologischen Wert hätten.

Ein echter Steingarten dagegen werde mit ungewaschenem Kies und Sand aus einer Kiesgrube gestaltet und mit einheimischen Pflanzen bestückt. Im lockeren Boden können sich Pflanzenarten wie Wegwarte Malven, Königskerzen, Flockenblumen und Steinbrechgewächse ansiedeln, die es in unseren stark gedüngten Wiesen schwer haben. Schwarzenbach empfiehlt, Magerwiesenblumen auszusäen. Auch eine Ansaat für Dachbegrünung eigne sich sehr gut, da diese Pflanzen ähnliche Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit haben. «Auch Alpenblumen wie Enziane und Anemonenarten gedeihen an solch mageren Standorten bestens.» Wer will, kann auch wärmeliebende Gewürzkräuter wie Oregano, Rosmarin und Thymian pflanzen. Die vielfältige Flora bietet einheimischen Insekten wie Wildbienen oder Schmetterlingen Nahrung. Wer besonders viele Tiere anlocken will, baut zusätzliche Mäuerchen aus unvermörteltem Sandstein.

Nicolo Schwarzenbach in seinem Naturgarten.

Nicolo Schwarzenbach in seinem Naturgarten.

Ein Steingarten ist relativ pflegeleicht

Ein solcher Garten gebe nicht viel Arbeit, versichert Nicolo Schwarzenbach. «Es braucht etwas Fachwissen und zweimal im Jahr steuernde Handarbeit, um unerwünschte oder überhandnehmende Pflanzen zu entfernen.»

Die genannten Pflanzen sind angepasst an trockene Standorte und brauchen keine Bewässerung, was wiederum Ressourcen schone, so Schwarzenbach. «Steingärten können kleine Oasen des Lebens und Farbtupfer in unserer zunehmend verbauten und asphaltierten Umgebung im Siedlungsraum bilden. Die Förderung der Biodiversität bildet Grundlage für eine abwechslungsreiche, lebensfreundliche Umgebung vor unseren Haustüren. Zudem leistet sie einen Beitrag zur Klimaverbesserung in unseren immer wärmer werdenden Städten und Dörfern.»

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