Dieser Kreisel ist der Schlüssel zum Herisauer Bahnhofprojekt

Derzeit liegen die Pläne für einen neuen Kreisel am Bahnhof auf. Wer sich genauer mit dem Projekt befasst, stellt fest, dass es dabei um wesentlich mehr geht.

Karin Erni
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Am neuen Kreisel wird unter anderem ein Lift für die Fussgänger gebaut. Er bringt diese auf die Höhe der katholischen Kirche. (Bild: PD)

Am neuen Kreisel wird unter anderem ein Lift für die Fussgänger gebaut. Er bringt diese auf die Höhe der katholischen Kirche. (Bild: PD)

«Aus zwei Kreuzungen mach eine» – so könnte man den geplanten Kreiselneubau in Herisau vereinfacht beschreiben. «Der Mini-Kreisel in Bahnhofsnähe soll entfallen und Platz für einen modernen behindertengerechten Busterminal schaffen. Im Gegenzug bauen wir einen leistungsfähigen Kreisel mit 30 Metern Durchmesser bei der Kreuzung Bahnhofstrasse-Güterstrasse», sagt Kantonsingenieur Urban Keller. 

Nur durch die neue Verkehrsführung werde die geplante Neugestaltung des Bahnhofareals überhaupt möglich, so Keller. Derzeit sei die Situation so, dass zu viel Verkehr unnötig Richtung Bahnhof fliesse. Wer heute von der Mühlestrasse ins Dorfzentrum will, muss im Kreisel beim Bahnhof wenden. Mit der neuen Lösung wird dieses Manöver nicht mehr nötig sein. Die Folge: Über 2000 Fahrzeuge weniger pro Tag sollen den Bahnhofplatz befahren. Der Bau ist das aktuell grösste Vorhaben des Kantons. «Es ist eine grosse Herausforderung, die uns schon seit rund zehn Jahren beschäftigt», sagt Keller.

«Dieses grosse Bauvorhaben ist eine Vorleistung des Kantons. Das Bahnhofareal ist für Appenzell Ausserrhoden volkswirtschaftlich von zentraler Bedeutung und soll mit vereinten Kräften zu einem attraktiven Ort der Mobilität, der Begegnung, des Arbeitens und des Wohnens entwickelt werden.»

Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer

Für dieses Vorhaben muss die Mühlestrasse auf dasselbe Niveau wie die Bahnhofstrasse gebracht werden. Mit dem heute bestehenden Tunnel ist dies nicht möglich, da die Mühlestrasse eine gleichmässige Steigung erhalten soll. Der dunkle und für Velofahrer unsichere Tunnel wird abgebrochen und die Gossauerstrasse über eine neu zu bauende Brücke geführt. Parallel zum Autotunnel der Mühlestrasse verläuft der Tunnel der Appenzeller Bahnen. Er wird Richtung Bahnhof verlängert, weil auf ihm ein Teil des Kreisels zu stehen kommt. Für die Fussgänger gibt es eine Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand. Sie erhalten einen Lift ab Kreiselhöhe hinauf zur Sockelhöhe der katholischen Kirche. «Das ist besonders für gehbehinderte Personen und solche mit Kinderwagen nützlich». Auch die Velofahrer profitieren von einer Verlängerung des Rad-Gehwegs auf der Mühlestrasse.

Etliche Einschränkungen

Die eigentliche Bauzeit wird sich über zweieinhalb Bausaisons erstrecken. Die Mühlestrasse wird in dieser Zeit fast immer, die Gossauerstrasse zeitweise gesperrt sein. Die Führung der Buslinien wird dementsprechend angepasst. Die Kosten für das gesamte Bauwerk betragen 17,2 Millionen Franken. Die Gemeinde Herisau übernimmt davon 3,865 Millionen Franken. Der Bund wird über das Agglomerationsprogramm 35 Prozent der anrechenbaren Kosten übernehmen. Dies bedeute, sagt Keller, dass nur die Projektkosten mitfinanziert werden, die der Verbesserung der Verkehrssituation dienen. Das Geschäft kommt voraussichtlich am 26. August in den Kantonsrat. Im Mai nächsten Jahres wird das Volk darüber abstimmen können.

Kantonsingenieur Urban Keller.

Kantonsingenieur Urban Keller.