«Diese Wahlen sind ein Affront»

Was sich am Sonntag bei den Wahlen im Bezirk Schlatt-Haslen abspielte, bezeichnet der neue Interimshauptmann als tragisch. Für ihn steht fest: Jetzt gilt es Bezirksfusionen zu forcieren, wie dies auch in zwei Anträgen gefordert wurde.

Roger Fuchs
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Der jüngste Anstoss für Bezirksfusionen kommt aus dem Bezirk Schlatt-Haslen. Auf dem Bild: Haslen. (Bild: rf)

Der jüngste Anstoss für Bezirksfusionen kommt aus dem Bezirk Schlatt-Haslen. Auf dem Bild: Haslen. (Bild: rf)

SCHLATT-HASLEN. Nach zwei Jahren im Amt ist der bisherige Hauptmann Gerhard Leu am Sonntag vom Stimmvolk Schlatt-Haslen aus dem Amtszwang entlassen worden. Gleichzeitig kommt der Amtszwang bei zwei Neuen zum Tragen: Ueli Rechsteiner-Hersche und Silvia Brülisauer-Sutter. Wider Willen sitzen sie nun im Bezirksrat. Besonders brisant: Silvia Brülisauer-Sutter konnte sich krankheitsbedingt nicht vor Ort gegen eine Wahl wehren. «Tragisch», sagt der neue Interims-Hauptmann Sepp Neff. Dass Silvia Brülisauer-Sutter soeben eine Operation hinter sich hat, habe er auch erst am Schluss der Versammlung im Votum einer Bürgerin erfahren. Der Mann von Brülisauer-Sutter bestätigte gestern am Telefon, dass es seiner Frau zurzeit sehr schlecht gehe.

Sepp Neff, der das Hauptmannamt ebenfalls nicht gesucht hat, nennt die Wahlen rückblickend einen Affront. Obschon der Bezirk viele fähige Leute habe, seien an der Bezirksgemeinde keine Namen genannt worden. Dies, weil jede und jeder Angst habe, selbst genannt zu werden. Einmal gewählt, haben unter Amtszwang stehende Personen keine Chance mehr, sich zu wehren. «Wer unter Amtszwang steht, muss die Wahl annehmen», sagt Ratschreiber Markus Dörig. Sonst gebe es ein Strafverfahren.

Fusion vorantreiben

Nach der diesjährigen Bezirksgemeinde steht für den Interims-Hauptmann fest: «Wir werden eine Bezirksfusion forcieren.» In diesem Vorgehen weiss der Bezirksrat nun auch das Volk hinter sich. Dieses stimmte zwei Anträgen von Rolf Inauen, seines Zeichen auch Kantonsrichter, zu. Mit dem ersten Antrag wurde der Bezirksrat Schlatt-Haslen beauftragt, mit einem oder mehreren anderen Bezirken eine Zusammenarbeit anzustreben. Im zweiten Antrag wird gefordert, dass die Strukturen im Kanton grundsätzlich überdacht werden. Da brauche es, wie Rolf Inauen sagt, eine Arbeitsgruppe. Sinnvollerweise stünde diese unter der Leitung des Bezirks Schlatt-Haslen, da man in diesem Bezirk nun die politische Legitimation habe, eine Strukturveränderung voranzutreiben.

Als möglicher, konkreter Fusionspartner wird in Schlatt-Haslen der Bezirk Appenzell ins Auge gefasst. Das Gespräch suchen wird man auch mit dem Kanton. Es soll von Beginn weg vermieden werden, dass eine allfällige Fusion am Schluss an Formfehlern scheitern könnte.

Der Kritik ausgesetzt

Bleibt noch eine Frage: Warum tut sich Schlatt-Haslen dermassen schwer bei der Suche nach Bezirksratsmitgliedern. Sepp Neff spricht von einer Zeiterscheinung. Kaum jemand mehr wolle öffentlich hinstehen. Und er sagt, dass Entscheide je länger, je mehr kritisiert würden. Rolf Inauen wehrt sich gegen den Eindruck, dass sich im Bezirk niemand mehr für das Gemeinwohl einsetzen wolle. Stattdessen fügt er an, dass etliche der 1100 Bezirkseinwohner bereits in anderen Gremien engagiert seien. Und Inauen sagt, dass in den letzten zehn Jahren im Bezirk einige schwierige Entscheide nicht angepackt worden seien. Dies habe zu Unzufriedenheit geführt, die sich am Bezirksrat entladen habe. Selbst steht Inauen nicht als Hauptmann zur Verfügung, weil er seit einem Jahr im Kantonsgericht sitzt. Laut Verfassung kann er nicht gleichzeitig im Bezirksrat sein.

Rolf Inauen Bürger und Initiant neuer Fusionsverhandlungen (Bild: pd)

Rolf Inauen Bürger und Initiant neuer Fusionsverhandlungen (Bild: pd)

Sepp Neff Interimshauptmann von Schlatt-Haslen (Bild: pd)

Sepp Neff Interimshauptmann von Schlatt-Haslen (Bild: pd)

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