«Diese Grenze macht keinen Sinn»

Roman Richle baut legalen Industriehanf an. Doch der Landwirt gerät immer wieder ins Visier der Justiz, weil seine Pflanzen teilweise einen zu hohen THC-Gehalt haben. Nun kämpft er für eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes.

Donat Beerli
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Roman Richle hofft, dass seine Hanfpflanzen nicht wieder beschlagnahmt werden. (Bild: Donat Beerli)

Roman Richle hofft, dass seine Hanfpflanzen nicht wieder beschlagnahmt werden. (Bild: Donat Beerli)

KIRCHBERG. «Das wird die Polizei sein», sagt Roman Richle. Der Toggenburger zückt sein Telefon und schaut kurz auf das Display. Er nimmt den Hörer ab, hört kurz zu und gibt dann Entwarnung. «Fehlalarm, das war sie nicht», sagt Richle schmunzelnd. Seit die Kantonspolizei vor zwei Wochen eine Probe seiner Hanfpflanzen genommen hat, um diese auf ihren THC-Gehalt zu messen, wartet er auf einen Anruf. Sollte der Gehalt seiner Pflanzen die Grenze von einem Prozent übersteigen, wird sein Hanf beschlagnahmt. Dann nämlich liegt ein Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. «Diese Grenze macht keinen Sinn», sagt Richle, der seit 2005 Industriehanf anpflanzt, welcher im Unterschied zum illegalen Drogenhanf in Tees, Kissen oder Brot Verwendung findet. Der Gehalt von Tetrahydrocannabinol (THC) in legalem Industriehanf liege oft über dem Grenzwert, sagt der Landwirt. «Das heisst aber nicht, dass er darum eine berauschende Wirkung hat.» Diese trete frühestens bei einem Gehalt von fünf Prozent ein, erklärt Richle. Dazu komme noch ein weiterer Punkt, den die Staatsanwaltschaft bei ihren Untersuchungen nicht berücksichtige. «Entscheidend ist nicht nur, wie viel THC drin ist, sondern vor allem auch, wie das Verhältnis zwischen THC und Cannanidiol (CBD) aussieht.»

Gesetzesänderung im 2011

Früher sei das bei den Proben noch einbezogen worden, erklärt Richle und zeigt ein Dokument der Staatsanwaltschaft St. Gallen aus dem Jahre 2008. Daraus geht hervor, dass Richles Pflanzen damals zwar einen zu hohen THC-Anteil aufwiesen, das THC/CBD-Verhältnis jedoch unter eins lag, weshalb man das Verfahren gegen ihn einstellte. Seit 2011 sieht die Gesetzeslage anders aus: Nur der THC-Gehalt entscheidet darüber, ob es sich um Industriehanf oder eben doch um Drogenhanf handelt. Warum es zu diesem Schritt kam, kann sich Richle nicht erklären. Er vermutet, dass der Bund den Anbau von Hanf gänzlich verhindern wolle. «Wenn dann die Gerichte mitspielen, ist das natürlich perfekt.» Richle selbst hat versucht, seine Sicht der Dinge vor Gericht zu erklären, genützt hat dies aber nichts. Das St. Galler Kantonsgericht hat Richles Berufung gegen das Urteil des Kreisgerichts Toggenburg am Montag abgewiesen. «Es ist enttäuschend», sagt der Kirchberger, der sich keiner Schuld bewusst ist. Er habe den Hanfanbau den Behörden gemeldet und sei davon ausgegangen, damit auf der sicheren Seite zu sein. «Wie kann ich mich für etwas strafbar machen, was ich nicht beeinflussen kann.»

Glaube an die Heilkraft von Hanf

Auf die Idee, Hanf anzupflanzen, kam der 47-Jährige vor zehn Jahren. Zufällig habe er davon erfahren und sich dann spontan entschieden, es auszuprobieren. «Ich war damals von der natürlichen Heilkraft der Pflanze überzeugt und bin es auch heute noch.»

Seit er seinen eigenen Hanfsirup trinke, sei er nie mehr krank gewesen. Den Hanf, den er nicht für Sirup oder für die selbstgemachten Hanfkissen braucht, verkauft er an Biotta weiter. Oder, das tat er zumindest bis anhin. Der Getränkehersteller ist abgesprungen, weil Richle wegen der Beschlagnahmung seiner Ernte nicht mehr liefern konnte.

Lobbying im Bundeshaus

Seit Richle Hanf anpflanzt, läuft sein Disput mit den Behörden. Gerichtsvorladungen und Berufungen wechseln sich ab und zehren an Richles Energie. «Momentan ist die Luft draussen.» Es sei wie bei einem Fussballspieler, der dreimal in Folge 0:5 verloren habe. «Aber wer am Boden ist, kann auch wieder aufstehen.» Denn aufgeben will Richle nicht. Er plant, bei Fachstellen Bestätigungen dafür einzuholen, dass ein THC-Grenzwert von drei Prozent sinnvoller ist. Damit will er einen Parlamentarier dazu bringen, sich in Bundesbern für eine Erhöhung des Grenzwertes einzusetzen.