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Diese drei Bars im Appenzellerland haben nur am Freitag geöffnet

Eine Bar, die nur einen Abend in der Woche geöffnet hat: Im Appenzellerland gibt es mindestens drei Gaststätten, die nach diesem Konzept funktionieren. Die Motivationen der Betreiber sind unterschiedlich.
Karin Erni
Die Rab-Bar in Trogen ist sozusagen das Original der Freitags-Bars. (Bild: Karin Erni)

Die Rab-Bar in Trogen ist sozusagen das Original der Freitags-Bars. (Bild: Karin Erni)

Entstanden ist das Konzept der hiesigen Teilzeit-Bars in Trogen. Im Rahmen einer Kultur- und Gewerbeschau wurde der verwaiste Treffpunkt der Studentenverbindung KTV in einem Gewölbekeller am Landsgemeindeplatz für das Publikum geöffnet. Einige der damaligen Gäste waren so begeistert, dass sie im Februar 2000 einen Verein gründeten, der das Lokal künftig als Bar betreiben wollte.

Ein einprägsamer Name wurde mit der Umkehrung des Wortes «Bar» zu «Rab» gefunden. Nach elf Jahren wurde das Lokal einem Umbau unterzogen und erhielt mit dem Tresen aus Eichenholz sein heutiges Aussehen. Der Verein hat 187 Mitglieder, jeweils 16 bis 18 davon gehören der Betriebsgruppe an, die in der Bar tätig ist. Sechs Personen bilden die Kulturgruppe, welche die Anlässe organisiert. Der Vorstand besteht aus fünf Mitgliedern.

Schon früh an diesem Abend ist das Lokal gut gefüllt. Zuerst sind es Eltern mit ihren Kindern, die sich hier treffen. Später findet sich ein gemischtes Völkchen ein. Vereinskassier Edgar Romer, der an diesem Abend zugegen ist, sagt:

«Je nach Art des Anlasses kommen Leute aus verschiedensten Kreisen.»

«Entsprechend unterschiedlich ist, was jeweils konsumiert wird.» Die Getränkeauswahl ist vielfältig, Snacks und kleine Speisen können sich die Gäste vom benachbarten «Schäfli» bestellen. Die auftretenden Bands erhielten immer einen fixen Betrag von 100 Franken pro Person für den Auftritt, so Romer. «Die Kosten für ein grosses Ensemble können also durchaus die Hälfte der Tageseinnahmen ausmachen. Aber für einen jährlichen Betriebsausflug hat es uns noch immer gereicht.»

«Baradies» Teufen folgt dem Beispiel

Mit Blick auf die Rab-Bar bildete sich 2003 auch in Teufen ein Kulturverein mit ähnlichen Zielen. Er hat heute 96 Mitglieder und verfügt ebenfalls über eine Kulturgruppe. 391 Personen haben sich als Empfänger des wöchentlichen Newsletters eingetragen.

Das Teufner Baradies-Team unterhält sich mit den ersten Gästen. (Bild: Karin Erni)

Das Teufner Baradies-Team unterhält sich mit den ersten Gästen. (Bild: Karin Erni)

Im «Baradies» an der Engelgasse gibt es etwa alle zwei Wochen Livemusik, Lesungen, Ausstellungen oder ähnliche Anlässe von meist regionalen Kunstschaffenden. Gage bezahlt der Verein keine, es gibt eine Kollekte. Die Auftrittsmöglichkeit ist aber offenbar so attraktiv, dass sich viele Künstlerinnen und Künstler bewerben. Auch bekannte Namen wie Pedro Lenz, Philipp Langenegger oder Acavoce sind hier schon aufgetreten.

Besonders beliebt bei den Gästen sei jeweils der Jahresausklang bei Suppe und Glühwein am 31. Dezember, sagt Mägi Bischof. Sie ist Leiterin der 30-köpfigen Betriebsgruppe. Zweimal pro Jahr arbeitet sie mit dem Team die Einsatzpläne aus. Die Bar wird in zwei Schichten geführt. Nebst verschiedenen Drinks wird auch ein kaltes Plättli angeboten.

«Für seine Leistungen wurde das ‹Baradies›-Team 2014 von der Gemeinde Teufen mit dem ‹Tüüfner Bär› ausgezeichnet. Eine sehr wertschätzende Anerkennung für den kulturellen und gemeinschaftlichen Wert der bald 17-jährigen Bar», sagt Präsidentin Herta Lendenmann.

Wein statt Werkzeug im «Ochsner»

Eine etwas andere Entstehungsgeschichte hat das «Ochsner» an der Hauptstrasse in Speicher, das sich mittlerweile im neunten Betriebsjahr befindet. Nach dem Tod der Inhaberin des Eisenwaren- und Haushaltgeschäfts Ochsner stand das Ladenlokal längere Zeit leer. Heidi Bättig, die im Nachbarhaus wohnt, hatte die Idee, dort einen Treffpunkt für die Dorfbevölkerung zu schaffen.

Heidi Bättig ist Präsidentin des Vereins Ochsner in Speicher. (Bild: Karin Erni)

Heidi Bättig ist Präsidentin des Vereins Ochsner in Speicher. (Bild: Karin Erni)

Gemeinsam mit Linda Sutter und Lotti Müller bildete sie das Kernteam, das für die Organisation des Betriebs der Bar zuständig ist. Sie hätten sich bewusst für eine kleine Betriebsgruppe entschieden, könnten aber derzeit auf 22 freiwillige Mitarbeitende zählen. Das Lokal ist relativ gross und kann mittels eines Vorhangs geteilt werden. Eine Besonderheit des «Ochsner» sind die Schaufenster, die von einer Gestalterin kunstvoll dekoriert werden. Heidi Bättig sagt:

«Wichtig ist uns eine gute Qualität der Produkte.»

Sie verfügt über Erfahrung in der Gastronomie und hat eine Weinausbildung genossen. Für den kleinen Hunger können Käsefladen oder Apéroplättli und im Winter eine hausgemachte Suppe bestellt werden. Das «Ochsner» habe viele Stammgäste, sagt Heidi Bättig. «Vereine kommen gern nach der Versammlung vorbei oder Mitarbeiter von Firmen lassen hier die Arbeitswoche ausklingen.»

Auch Einzelpersonen und Alleinstehende besuchten das Ochsner gern. «Sie wissen, dass sie hier jemanden zum Plaudern finden.» Kulturelle Anlässe gebe es keine, so die Präsidentin. «Wir wollen jene in der Umgebung nicht konkurrenzieren.» Näheren Kontakt pflegten die drei Betriebe untereinander nicht, sagt Edgar Romer. «Nur einmal haben wir an einem Betriebsausflug die anderen Bars besucht.»

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