DIENSTJUBILÄUM: «Diese Arbeit ist Psychohygiene»

Fäkalien, Essensreste und viele andere Dinge, die eigentlich nicht in eine Kläranlage gehören. Klärwärter Urs Bischofberger hat sich an vieles gewöhnt, findet sich aber nicht mit jedem Verhalten ab.

Urs M. Hemm
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Urs Bischofberger muss regelmässig Wasserproben nehmen, was auch für den erfahrenen Klärwärter nicht immer angenehm ist. (Bild: Urs M. Hemm)

Urs Bischofberger muss regelmässig Wasserproben nehmen, was auch für den erfahrenen Klärwärter nicht immer angenehm ist. (Bild: Urs M. Hemm)

Urs M. Hemm

urs.hemm

@toggenburgmedien.ch

Es ist keine Arbeit für jedermann. Doch Urs Bischofberger betätigt sich seit 30 Jahren als Klärwärter in der Kläranlage Tüfi in Wald-Schönengrund. Für ihn — so sagt er — ein guter Ausgleich zu seinem Job als Gefängnisaufseher.

Herr Bischofberger, Sie wurden bereits von Gemeindepräsidentin Vreni Wild für Ihre Verdienste persönlich geehrt. Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?

Es ist in den vergangenen 30 Jahren einiges passiert — Gutes sowie auch Schlechtes, im Privaten wie auch im Beruflichen. Zu Beginn war die Anlage noch einfacher zu bedienen und die Anforderungen noch nicht so hoch, wie sie heute sind. Obwohl ich nur niedrigprozentig für die ARA arbeite, verlangte das Amt für Umweltschutz immer mehr an Ausbildungen, die ich auch alle absolvierte. Die Verfahren haben sich geändert, was auch für mich mehr Aufwand mit sich brachte.

Inwiefern hat sich Ihr Beruf in den vergangenen 30 Jahren verändert?

Einerseits haben sich die technischen Anforderungen, andererseits haben sich auch Grenzwerte geändert. Somit hat sich auch die Anzahl Untersuchungen gesteigert, die Verfahren sind aufwendiger, die wir Klärwärter durchführen müssen. Dennoch kann der Job noch nebenamtlich ausgeführt werden. Ich arbeite zu 80 Prozent im Strafvollzug als Aufseher und zu 20 Prozent für die Gemeinde bei der ARA. Diese Arbeit ist für mich ein guter Ausgleich, ich kann mich entspannen, es ist wirklich für mich eine Art Psychohygiene. Denn auch diese Arbeit ist herausfordernd: Wenn plötzlich die Werte aus dem Rahmen fallen, muss ich die Ursache finden. Das ist nicht in jedem Fall einfach. Zuerst musst man eruieren, welche Werte zu hoch sind, dann muss man den Verursacher finden, damit derartige Verunreinigungen nicht mehr vorkommen. Denn das Problem ist, dass die Anlage sehr schnell schlecht läuft, bis es sich aber wieder normalisiert, braucht es seine Zeit.

Worin liegen die grössten Herausforderungen in Ihrer Arbeit?

Die grösste Schwierigkeit ist, dass Abwasser eingeleitet wird, das eigentlich in der ARA nichts zu suchen hat und anderweitig entsorgt werden müsste. Schliesslich läuft alles übers Geld — entweder müssen Betriebe eigene Anlagen bauen oder dann steigen die Gebühren für die Abwasserentsorgung. Ein anderes Problem sind Haare, welche die Pumpen verstopfen. Es gibt Sachen die anfallen, die grenzwertig sind und doch durch den jeweiligen Klärmeister behoben werden müssen, da er in der Regel alleine auf der Anlage tätig ist.

Welche Wünsche hätten Sie an die Verbraucher, die Ihre Arbeit erleichtern würden?

Insbesondere Tampons, Binden, Wattestäbchen oder eben Haare gehören nicht in die Toilette. Auch Essensreste, vor allem Fett, stellen uns vor Schwierigkeiten. Das Problem ist, dass insbesondere hier der Kanal zur Kläranlage ein sehr geringes Gefälle hat, so dass das Fett den Kanal verstopft. Daher muss ich mindestens zweimal pro Jahr den Kanal spülen. Dabei sind auch schon Strumpfhosen zum Vorschein gekommen — etwas, was natürlich gar nicht geht.

Sie haben tagtäglich mit eher unangenehmen Dingen und Gerüchen zu tun. Wie gehen Sie damit um?

Ich hatte von Anfang an kein Problem damit, man gewöhnt sich auch daran. Zudem habe ich es selber in der Hand, indem ich mich entsprechend mit Handschuhen und Mundschutz schütze. Man lernt auch, damit zu leben. Es gibt zahlreiche andere Berufe, in welchen man mit unangenehmen Dingen zu tun hat. Wenn man damit nicht umgehen kann oder nicht lernt, damit umzugehen, muss man sich etwas anderes suchen. Es gibt Sachen, die grenzwertig sind, aber wir sind jeweils immer alleine auf der Anlage unterwegs, also wenn ich es nicht richte, macht es in diesem Moment niemand.

Welche guten Erfahrungen machen Sie in Ihrem Job?

Ich hatte schon des öfteren Schulklassen zu Besuch, die sich die Anlage angeschaut haben und die ich, so hoffe ich zumindest, für die Materie sensibilisieren konnte. Dennoch wäre es hilfreich, wenn solche Besuche regelmässig für Klassen durchgeführt würden, damit das Thema Abwasser mehr diskutiert würde.