Dienst an der Gesellschaft

Sowohl der Urnäscher Gemeindepräsident Peter Kürsteiner als auch die Bühlerer Gemeindepräsidentin Inge Schmid finden genug Kandidaten für Kommission. Bei Gemeinderatsmitgliedern sei es schwieriger.

Larissa Flammer
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In kleinen Gemeinden wie Bühler ist das Amt als Gemeinderat nicht nur attraktiv. Bild: apz

In kleinen Gemeinden wie Bühler ist das Amt als Gemeinderat nicht nur attraktiv. Bild: apz

Träger von öffentlichen Mandaten müssen sich oft der Kritik aus der Öffentlichkeit stellen. Das ist nicht immer attraktiv, vor allem wenn die Mandatsträger selber keinen grossen Nutzen aus ihrer Tätigkeit ziehen können. Genau vor diesem Problem stehen viele kleine Gemeinden. Sie brauchen Kandidaten für viele Ämter und Mandate, können diese aber kaum entschädigen. So stellt die IG Starkes Ausserrhoden die Situation dar. Sie stellt die These auf, dass öffentliche Mandate in Ausserrhoder Gemeinden nicht attraktiv sind.

Der Urnäscher Gemeindepräsident Peter Kürsteiner ist damit nicht ganz einverstanden. «Was heisst schon attraktiv?» Es stimme, dass die Arbeit in gemeinderätlichen Kommissionen in der Regel nur mit Sitzungsgeldern honoriert werde. Erst ab einem gewissen Arbeitsaufwand werde auch eine Stundenentschädigung ausgesprochen. Dass Mandate deshalb nicht attraktiv sind, kann Kürsteiner «nicht pauschal so sagen».

Arbeit im Gemeinderat nicht nur attraktiv

In Bühler hat die Gemeinde keine Mühe, Kommissionsmitglieder zu finden. «Die Parteien bringen Vorschläge, und manchmal melden sich auch Personen aus der Bevölkerung direkt bei uns», sagt Gemeindepräsidentin Inge Schmid. Was die Mandate im Gemeinderat angeht, kann sie der These der Interessengemeinschaft aber teilweise zustimmen. «Die Arbeit als Gemeinderat ist nicht so attraktiv wie andere Jobs. Einerseits gibt es die zeitliche Belastung, andererseits steht man in der Öffentlichkeit und wird eher kritisiert als nur gelobt.» Es komme auch darauf an, welches Ressort zu besetzen sei. Inge Schmid hat schon von Personen gehört, die sagten: «Das habe ich nicht nötig. Ich kann in meiner Freizeit Besseres anfangen.» Dafür hätten diejenigen, die sich zur Wahl stellen, Freude an der Arbeit.

Über eine Entschädigung wird nach Schmids Erfahrung erst spät gesprochen. «Die Arbeit wird einfach erwartet», sagt die Gemeindepräsidentin. Ihrer persönlicher Meinung nach soll dieser Dienst an der Gesellschaft nicht wie ein Lohn vergütet werden. «Ein Teil sollte sicher ehrenamtlich verrichtet werden.» Trotzdem brauche es eine Entschädigung. In Bühler arbeitet die Gemeindepräsidentin zu 60 Prozent, ein Gemeinderat zu 15 bis 20 Prozent. Seit dem 1. Juli gilt in der Gemeinde ein neues, von der Bevölkerung genehmigtes Reglement, gemäss dem der Gemeinderat mit einer Pauschale entschädigt wird.

Sowohl in Urnäsch als auch in Bühler gibt es fast 100 Träger von öffentlichen Mandaten. «Bis jetzt ist es uns immer gelungen, die vakanten Ämter zu besetzten», sagt Kürsteiner. Inge Schmid bläst ins gleiche Horn. Nur die Ersatzwahl für die Geschäftsprüfungskommission habe in Urnäsch auf November verschoben werden müssen, da noch kein geeigneter Kandidat gefunden werden konnte. In der Hinterländer Gemeinde hilft die Öffentlichkeit tatkräftig mit, wenn Kandidaten aufgestellt werden müssen. Die «Elefantenrunde», wie sie in Urnäsch genannt wird. Gemeint sind lokale Parteien und Vereine, die sich zu diesem Zweck zusammenschliessen. «Ich denke, das ist eine gute Sache», sagt Kürsteiner. «Würden die politisch interessierten Gruppen alle für sich Kandidaten suchen, wäre es wohl schwierig.»

Dass Träger von öffentlichen Mandaten in der Gemeinde angefeindet werden, hat Kürsteiner noch nie erlebt. In Urnäsch sei es der Gemeinderat, der zweimal im Jahr in der Öffentlichkeit auftrete. «Kommissionsmitglieder haben nicht direkt mit der Öffentlichkeit zu tun.» Dem Gemeinderat schlage natürlich bei der Präsentation aktueller Geschäfte auch mal Kritik entgegen. «Diese bleibt aber in der Regel sachlich. So, wie ich es wahrnehme, herrscht ein gutes Verhältnis.»

Auch in Bühler ist es nur der Gemeinderat, der in der Öffentlichkeit steht. «Jede Kommission hat ja in der Regel einen Gemeinderat als Vorsitzenden, der die Verantwortung trägt und die Kommission gegen aussen vertritt», so Inge Schmid. Die knapp 100 Kommissionsmitglieder kommen hauptsächlich aus der Gemeinde. Nur in einigen Ausnahmen werde eine Person von ausserhalb aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz hinzu geholt oder eine Person ohne Stimmrecht in eine Kommission aufgenommen.

Zweifel an Fusion als Lösung

Die Interessengesellschaft äussert in einem Positionspapier (siehe Zweittext) die Annahme, dass eine Fusion zwischen zwei Gemeinden die öffentlichen Mandate attraktiver machen würde. Dem widersprechen sowohl Peter Kürsteiner als auch Inge Schmid. «Der Entscheid für eine solche Kandidatur wird aufgrund anderer Faktoren gefällt. Der Job oder die Familie sind Beispiele dafür», sagt Schmid. «Ein Mandat in einer grösseren Gemeinde würde wohl mehr Zeit in Anspruch nehmen. Daher glaube ich nicht, dass sich mehr Personen zur Verfügung stellen würden.» Für Kürsteiner ist es wertvoller, wenn Mandatsträger nah am öffentlichen Leben sind und ihr Wissen einbringen können. «In grösseren und professioneller organisierten Gemeinden wären die Mandatsträger weg von den örtlichen Begebenheiten. Ich bezweifle, dass dies ein Vorteil wäre.»

Inge Schmid Gemeindepräsidentin Bühler Bild: pd

Inge Schmid Gemeindepräsidentin Bühler Bild: pd

Peter Kürsteiner Gemeindepräsident Urnäsch Bild: apz

Peter Kürsteiner Gemeindepräsident Urnäsch Bild: apz