Die Zeit im Griff behalten

Auf Wunsch von Frau Landammann Marianne Koller ist ein Restaurant Ort des Gesprächs. Als Gegenstand, der für sie eine Bedeutung hat, nimmt sie einen Wecker mit. Er symbolisiert die Zeit, mit der sie sehr bewusst umgeht.

Monika Egli
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Frau Landammann Marianne Koller: «Im Hinblick auf das Rentenalter muss noch ein Prozess stattfinden.» (Bild: eg)

Frau Landammann Marianne Koller: «Im Hinblick auf das Rentenalter muss noch ein Prozess stattfinden.» (Bild: eg)

HERISAU. Als Treffpunkt wählt Frau Landammann Marianne Koller das Restaurant Freihof in Herisau. Das Gespräch hätte auch auf einem Spaziergang stattfinden können, denn «ich wandere viel und gern». So benützt Marianne Koller die Mittagspause oftmals für einen Spaziergang «im Umland» von Herisau. Schliesslich hat sie sich aber für ein Restaurant entschieden, «das es in dieser Art in jedem Dorf hat – oder haben sollte». «Restaurants wie der <Freihof> nehmen im dörflichen Leben eine ausserordentlich wichtige Rolle ein. Es sind diese echten Wirtschaften mit einem Stammtisch, mit Jassern und Hungrigen, Wirtschaften, in denen man sich wohl fühlt.

Mit der Zeit sorgsam

Welchen Gegenstand würde Marianne Koller mitbringen? Es ist ein überraschender: Sie zieht ihren Wecker aus der Tasche. «Für mich setzt der Wecker die Klammer um den Tag, er eröffnet und beschliesst ihn. Mir ist wichtig, wie ich mit der Zeit dazwischen umgehe.» Sehr viel, nämlich an die 80 Prozent, seien bei ihr geplante Termine. «Mit dem Rest muss man sorgsam umgehen.» Marianne Koller überlegt sich genau, wie sie ihre nicht verplante Zeit einteilt. «Ich achte darauf, die Zeit im Griff zu behalten. Das dünkt mich wichtig, um gesund zu bleiben.» Auch die Schlafenszeit geniesst hohe Priorität, weil «der Schlaf ein Lebenselixier ist». «Gesund leben und genügend schlafen, darauf lege ich Wert. Alles in allem habe ich die Zeit im Griff.»

Qualität vor Quantität

Aber auch die rare Zeit, die für Privates bleibt, teilt sie gut ein, in erster Linie für ihren Mann und die Familie. Dabei spiele weniger die Quantität, als vielmehr die Qualität eine Rolle. Deshalb unterliegt auch das Wochenende – dann steht praktisch immer Aktenstudium an – einer gestrengen Einteilung, damit Freiräume bleiben. «In der Politik ist man gefragt, so lange man im Amt ist. Nachher lebt das private Umfeld wieder auf, deshalb will ich dieses auf keinen Fall vernachlässigen.» Ihr Mann, unterdessen pensioniert, sei ihr «Back Office», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Für sie sei es sehr wichtig, in ihm einen Rückhalt zu haben und sich aufgehoben zu fühlen.

«Ich arbeite einfach gerne»

Die Zeit mit ihrer Vergänglichkeit spielt auch bei anderen Fragen eine Rolle: Marianne Koller stellt sich diesen Frühling zum dritten Mal der Wiederwahl. Gelingt sie, bricht für sie die letzte Amtszeit an. Das geht auch prima auf mit ihrem Jahrgang: Ende der kommenden Legislatur wird sie gut 65jährig sein – Zeit für die Rente. Den Ruhestand kann sie sich im Moment allerdings noch nicht vorstellen. Der Gedanke, dass das Berufsleben dann mehr oder weniger abgeschlossen ist, «damit tue ich mich noch etwas schwer». Sie habe sich immer beruflich betätigt, arbeite einfach gerne, liebe den Kontakt mit andern, die Herausforderungen und Führungsaufgaben. «Im Hinblick auf das Rentenalter muss bei mir noch ein Prozess stattfinden.»

«…wenn die Zeit reif ist»

Träume für die Zeit des Ruhestands hat sie aber schon. Vieles habe in den vergangenen Jahren zurückstehen müssen. Marianne Koller will sich dann vermehrt den Sprachen widmen, weiterhin fremde Kulturen kennenlernen, aber auch die Schweiz will sie wandernd und reisend weiter kennenlernen. «Ich bin ein Fan der Schweiz, wir haben ein so schönes Land.» Sie will sich aber auch für andere engagieren, das sei ihr von ihrer Wertehaltung her wichtig. Was und wo das sein wird, «das wird sich dann zeigen, wenn die Zeit dafür reif ist».