Die Wohnzimmer der Dörfer

Für die Herisauer Planungsgruppe Zebra sind zentrale Plätze wie Teppiche in der gemütlichen Stube. Deshalb will sie den Obstmarkt von Autos befreien – und vor den Toren des Zentrums «Läufer» auslegen.

Michael Genova
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Die Einfärbungen der Kasernenstrasse in Herisau stehen als Platzhalter für gestalterische Massnahmen: Breitere Trottoirs, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Veloparkplätze sollen den Autoverkehr auf das Zentrum vorbereiten. (Bild: Visualisierung: Planungsgruppe Zebra)

Die Einfärbungen der Kasernenstrasse in Herisau stehen als Platzhalter für gestalterische Massnahmen: Breitere Trottoirs, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Veloparkplätze sollen den Autoverkehr auf das Zentrum vorbereiten. (Bild: Visualisierung: Planungsgruppe Zebra)

HERISAU. Ein lebendiges Zentrum ist wie eine gute Stube. In der Mitte des Raums liegt ein gemütlicher Teppich, im Gang weisen lange Läufer den Besuchern den Weg. Dieses Bild benutzt die lokale Planungsgruppe Zebra, um ihre Vision für das Herisauer Dorfzentrum zu umschreiben. Dabei stehen die Teppiche für zentrale Plätze wie den Obstmarkt, und die Läufer sind Metaphern für die Einfallstrassen vor den Toren des Dorfes. «Für die Qualität guter Aussenräume haben wir den Vergleich der guten Stube herangezogen», sagt der Waldstätter Landschaftsarchitekt Roman Häne, ein Mitglied der Planungsgruppe.

Eine Bühne für Dorffeste

Mit dem Obstmarkt, dem Platz vor der Kirche und dem Viehmarktplatz gäbe es in Herisau zwar genügend öffentliche Räume. Doch nach Ansicht der Planungsgruppe sind diese Plätze vom Verkehr dominiert. «Es gibt kaum Orte, wo man sich treffen kann», sagt Roman Häne. Er schlägt deshalb vor, den Obstmarkt von den Autos zu befreien. In einem Pavillon vor dem UBS-Gebäude könnte ein Café entstehen, das den zentralen Platz belebt. Der Platz vor der Kirche soll für Fussgänger sicherer werden, indem der Verkehr verlangsamt wird. Und den Viehmarktplatz bei der Chälblihalle will die Planungsgruppe neu organisieren: Die Durchfahrt zur Schützenstrasse wird aufgehoben und ein Teil der Parkplätze unter die Erde verlegt. Mit diesen Massnahmen könne der Viehmarktplatz künftig zur «Bühne für Dorffeste» werden, heisst es in einem Bericht. Das dazu passende Beispiel: Vor zwei Jahren diente die Chälblihalle als Schauplatz für die Übertragung der Sendung «SRF bi de Lüt».

Die fehlende Mitte

Einen zweiten Schwerpunkt widmet die Planungsgruppe der Verteilung der Läden im Zentrum. Zurzeit sei die Mitte ausufernd, weil sich das Gewerbe über das Zentrum hinaus in angrenzende Gebiete erstrecke. Die Gruppe schlägt deshalb vor, Läden und Gewerbe zwischen Migros und Coop zu konzentrieren. «Wir schalten einen Gang zurück und bündeln die Nutzungen im Zentrum», sagt Roman Häne. Der Vorschlag rührt von der Einsicht her, dass die Verlagerung vieler Einkaufszentren an die Peripherie nicht rückgängig zu machen ist. Parallel zur Konzentration könnten sich jedoch traditionelle Ladenstrassen wie die Schmiedgasse, die Gossauerstrasse oder die Quartiere ums Rathaus und den Rosengarten in zentrumsnahe Wohnstrassen verwandeln. Um dies zu erreichen, machen die Experten einen konkreten Vorschlag: Hinter dem Alten Rathaus wollen sie neu eine Kindertagesstätte ansiedeln.

Vor den Toren des Zentrums

In bezug auf den Autoverkehr verfolgt die Planungsgruppe eine zweiteilige Strategie. Die parkierten Autos im Zentrum will sie unter die Erde verbannen. Eine Voraussetzung dafür ist die Erweiterung der Tiefgarage unter dem Obstmarkt. Zudem soll die Einfahrt an die Warteggstrasse verlegt werden. Auf den Einfallstrassen hingegen setzen die Fachleute auf ein friedliches Nebeneinander zwischen Fussgängern, Auto- und Velofahrern. Die Projektgruppe will vor den «Toren des Zentrums» stärker die Bedürfnisse der Fussgänger berücksichtigen, die in der Vergangenheit gelitten hätten. Die Bahnhof-, Post- und Kasernenstrasse sollen deshalb mit gestalterischen Massnahmen aufgewertet werden. Denkbar seien etwa mehr Grün, eine Verbreiterung der Trottoirs, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder die Errichtung von Veloparkplätzen. «Wir wollen den Verkehr aufs Zentrum vorbereiten, damit er langsamer wird», sagt Roman Häne.