Die Wohnung im zweiten Stock

2013 kam die Wohnung im zweiten Stock des Zellweger-Fünfeckpalastes in den Besitz des Kantons. Seitdem ist ein Team mit der Inventarisierung beschäftigt. Dabei ist auch die Medaille von Louis XIV zum Vorschein gekommen.

Chris Gilb
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Heidi Eisenhut zeigt eine Urkunde aus dem Jahr 1713, die bei der Inventarisierung gefunden wurde. (Bilder: cg)

Heidi Eisenhut zeigt eine Urkunde aus dem Jahr 1713, die bei der Inventarisierung gefunden wurde. (Bilder: cg)

TROGEN. Für Menschen mit Stauballergie ist die ehemalige Zellweger-Wohnung im 1809 fertiggestellten Fünfeckpalast mindestens gewöhnungsbedürftig. Die Luft ist staubig, denn 30 Jahre lang war die Wohnung nahezu unbewohnt. Dies verrät auch ihre Einrichtung, die ein Sammelsurium aus 200 Jahren Geschichte ist. Zwischen historischen Möbeln und Bildern liegen neuzeitliche medizinische Crèmen. Neben Rasierern aus der Mitte des letzten Jahrhunderts stehen Deo-Sprays. In der Küchenschublade liegen Reispackungen aus den Neunzigerjahren neben Zuckertüten aus den Siebzigerjahren.

In die Ära zurückversetzt

Seit Richard Zellwegers Tod 1982 wurde die Wohnung von seiner Schwester Dorothea Zapasnik-Zellweger höchstens als Ferienresidenz genutzt. 2002 starb dann auch Zapasnik-Zellweger, ihre Kinder, die beide in Frankreich wohnen, zeigten sich im Anschluss noch seltener als ihre Mutter in Trogen. Eigentlich ging der Zellweger-Fünfeckpalast 1991 an den Kanton über, nicht so die Wohnung im zweiten Stock, darauf hatte Zapasnik-Zellweger sich ein dreissigjähriges Wohnrecht gesichert. Doch nach ihrem Tod begannen die Kinder, mit dem Kanton über eine frühere Übernahme zu verhandeln. Im Herbst 2013 wurde die Wohnung dann feierlich an den Kanton übergeben. Kantonsbibliothekarin Heidi Eisenhut erinnert sich daran, wie sie während der seltenen Besuche der Kinder von Dorothea Zapasnik-Zellweger schon einen Blick in die Wohnung werfen durfte und dabei einen Vorgeschmack auf die kulturellen Schätze darin erhielt: «Wir sassen bei Tee zusammen, in Räumen, die seit hundert Jahren fast keine Veränderung erfuhren, und dann sprachen sie auch noch Französisch, wie es auch hierzulande in der bürgerlichen Oberschicht früher üblich war. Ich fühlte mich wie in die legendäre Ära der Zellweger zurückversetzt.»

Einmalige Räumlichkeiten

Einer der grössten Schätze der Wohnung ist ein gigantisches Familienporträt, das in der Wohnung selbst gemalt wurde und aufgrund seiner Grösse auch unmöglich aus dieser entfernt werden könnte. «Einen solchen Raum einer bürgerlichen Palastwohnung aus dem 19 Jahrhundert findet man in der Schweiz wahrscheinlich kein zweites Mal», sagt Eisenhut. So sei auch der Plan, die Wohnung nicht zum klassischen Museum umzufunktionieren, so dass einzelne Gegenstände nur betrachtet, aber nicht berührt werden können. Vielmehr soll sie zum Entdecken anregen. «Die Wohnung ist ein Abbild der Familiengeschichte Zellweger und strotzt vor Gegenstände aus dem Leben aller Generationen, die sie bewohnten.» Oft öffne sie bei den Führungen für kleine Gruppen, die schon jetzt stattfinden, willkürlich einen Schrank und erkläre dann anhand der bunten Mischung aus Dingen aus zwei Jahrhunderten, die darin zum Vorschein kämen, die Geschichte der Wohnung und ihrer Bewohner.

Die Silbermünze des Königs

Gegen 400 Objekte und alle Bilder der Wohnung sind schon inventarisiert, vieles soll an seinem bisherigen Platz bleiben. Textdokumente wurden aber durch Kopien ersetzt und die Originale ins Familienarchiv Zellweger integriert. «Der Grossteil des Inventars hat seinen Wert durch die Geschichte erhalten, doch auch einige von Grund auf wertvolle Dinge haben wir während der Inventarisierung entdeckt», sagt Eisenhut. Dazu gehört eine wertvolle Medaille, die einer der Zellweger einst vom französischen König Ludwig XIV. erhielt. «Wir wussten von dieser Münze, bisher galt sie aber als verschollen.» Auch ein Familienalbum der Zellweger, bei dem die Fotos mit künstlerisch gezeichneten Rahmen versehen sind, kam zum Vorschein. «Vieles, was wir hier finden, sind zusätzliche Informationsquellen für die laufende Zellweger-Forschung und damit von grossem Wert», sagt Eisenhut

Das guterhaltene Speisezimmer der Familie Zellweger.

Das guterhaltene Speisezimmer der Familie Zellweger.