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Die Windenergie kann nur eine untergeordnete Rolle spielen

Thema der Woche
Jesko Calderara

Wer nach der Katastrophe von Fukushima den Atomausstieg verlangte, dem war der Applaus gewiss. Die Forderung nach einem Ausbau der erneuerbaren Energien ist populär. Doch allmählich zeigt sich, welche Hürden auf dem Weg zu einer sauberen Energieversorgung warten. Plötzlich ist die Gesellschaft mit neuen Fragestellungen konfrontiert – auch im Appenzellerland. So stösst das Projekt für zwei Windräder mit einer Gesamthöhe von je 200 Metern bereits in einer relativ frühen Planungsphase in der Nachbarschaft auf erbitterten Widerstand. Es wäre aber falsch, das Vorhaben aufgrund der kritischen Stimmen wieder fallen zu lassen. Vielmehr sollte die Option, die Windenergie in der Region zu nutzen, weiter verfolgt werden. Dafür gibt es ökologische und wirtschaftliche und Gründe.

Die Aktualität des Themas hat viel mit der Energiewende zu tun. Für die mittelfristig wegfallenden AKW braucht es Alternativen. Zwar strebt der Kanton mit dem Energiekonzept 2017–2025 einen sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch an. Mit dem angestrebten Bevölkerungswachstum und der Elektro­mobilität, welcher nach Einschätzung von Fachleuten die Zukunft gehört, wird es allerdings eine Herkulesaufgabe, den Gesamtverbrauch nur schon auf dem heutigen Niveau zu halten. Effizienzgewinne und Sparmassnahmen wirken zwar dämpfend, reichen aber nicht aus, um die Ziele zu erreichen.

Die Gegner von Windrädern begründen ihre ablehnende Haltung unter anderem mit dem drohenden Verlust der Landschaftsqualität. Gerade dieser Punkt ist im Appenzellerland mit seinen charakteristischen Hügeln und Gebirgen heikel. Ob einem Windkraftanlagen gefallen, ist letztlich Geschmacksache. Fakt bleibt aber, dass sie das Landschaftsbild stark beeinflussen. Es bleibt ein unauflösbares Dilemma, dass Windkraft nun einmal nur an exponierten Lagen funktioniert. Vor diesen Hintergrund ist es besonders wichtig, genau abzuwägen, welche Gebiete genutzt werden sollen. Wegen des angrenzenden Gebiets rund um den Säntis, das als Landschaft von nationaler Bedeutung eingestuft ist, darf die Hochalp kein Thema sein. Dies obschon der Standort aus energetischer, wirtschaftlicher und lärmtechnischer Sicht in Ausserrhoden der interessanteste wäre, wie die Windmessungen gezeigt haben. Weniger konfliktträchtig ist aus Sicht des Landschaftsschutzes hingegen der Standort Honegg beim St. Anton, wo die Appenzeller Wind AG ihre Pläne realisieren will. Er tangiert keine Schutz- oder Tourismusgebiete wie beispielsweise der Alpstein. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Anstrengungen zur Produktion von sauberem Strom an wenigen Orten zu konzentrieren. Keine Alternative sind viele Kleinanlagen. Sie sind weder wirtschaftlich noch liefern sie eine nennenswerte Energiemenge. Um den Beitrag der Windenergie zur künftigen Stromversorgung abschätzen zu können, lohnt sich ein Blick auf das Potenzial. Bis zu 15 Prozent an die Ausserrhoder Stromversorgung könnte diese Energiequelle dereinst beitragen, heisst es im Energiekonzept. Soweit wird es wohl kaum kommen. Wenn es jedoch nur schon gelingt, Windpärke an zwei bis drei der sieben provisorisch vorgesehenen Standorte zu bauen, liesse sich eine erhebliche Energiemenge gewinnen. Alleine in Oberegg könnte Strom für 40 Prozent aller Innerrhoder Haushalte produziert werden.

Aber eines ist klar: Eine dominierende Rolle wird die Windenergie im Appenzellerland wohl nie einnehmen. Denn das Potenzial anderer erneuerbarer Energiequellen, besonders der Solarenergie, ist bedeutend grösser. Um den angestrebten Atomausstieg und die Klimaziele zu erreichen, braucht es jedoch einen intelligenten Energiemix. Weil der Wind mehr im Winter bläst, ist er eine ideale Ergänzung zur Wasserkraft und der Solar­energie.

In der Bevölkerung dominiert noch immer das Sankt-Florian-Prinzip: «Windkraft ja, aber bitte nicht vor meiner Haustür.» In der kleinräumigen Schweiz treten die Zielkonflikte schneller auf als anderswo. Es braucht nun einen vorurteilsfreien Dialog über Chancen und Risiken der Windenergie. Dabei dürfen auch deren Nachteile, beispielsweise der Schattenwurf, kein Tabu sein. Nur so ist es realistisch, dass dereinst Windräder in der Appenzeller Landschaft stehen.

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