«Die Viehschauen werden überleben»

Bauern aus Bern und Solothurn bangen um ihre Viehschauen. Der SP-Ständerat Reto Zanetti reichte kürzlich eine Motion ein, in der er vom Bundesrat finanzielle Beiträge für Viehschauen fordert. Ausserrhoder Experten geben sich gelassen.

Michael Genova
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HERISAU. Der Solothurner Ständerat Reto Zanetti kämpft für den Erhalt der Viehschauen. Ab Ende 2014 will das Bundesamt für Landwirtschaft die Beiträge für die traditionelle «Exterieurbeurteilung» an Viehschauen abschaffen. Das will Zanetti verhindern und hat deshalb eine Motion eingereicht, in der er vom Bundesrat finanzielle Beiträge an die Ausrichtung von Viehschauen fordert. Gegenüber dem «Blick» verteidigte er den Stellenwert von Viehschauen: «Damit wird die Landwirtschaft den Leuten doch viel besser näher gebracht als mit millionenteuren Werbekampagnen.»

Ausserrhoden nicht betroffen

In der revidierten Tierzuchtverordnung sieht das Bundesamt für Landwirtschaft keine Beiträge für die sogenannte «Exterieurbeurteilung» mehr vor. Bei dieser Methode werden die traditionellen Merkmale wie Rahmen, Becken, Fundament, Zitzen und Euter beurteilt. Ab Ende 2014 will das Bundesamt nur noch die sogenannten «linearen Beschreibungen» unterstützen, bei der rund 20 Kriterien computergestützt direkt auf dem Hof des Bauern erhoben werden. Die Umstellung der Beurteilungsmethode betreffe Ausserrhoden nicht, sagt Rudolf Hohl, verantwortlich für Tierzucht und Beitragswesen beim Ausserrhoder Landwirtschaftsamt. Seit Inkrafttreten der kantonalen Tierzuchtverordnung im Januar 2010 komme in Ausserrhoden die «lineare Beschreibung» bei der Leistungsprüfung zum Einsatz. Einen direkten Zusammenhang zwischen der neuen Tierzuchtverordnung und der Zukunft von Viehschauen gebe es folglich nicht.

«Die Viehschauen werden schon überleben», sagt auch Martin Preisig, Präsident des Kantonalverbands Appenzeller Viehzuchtgemeinschaften. Im Gegensatz zu den Kantonen Bern und Solothurn werde auf den Ausserrhoder Viehschauen die einzelne Kuh weder benotet noch beurteilt, sondern es gehe vielmehr um einen Vergleich der Kühe untereinander. Ausserdem sei es schon heute so, dass der Besuch einer Viehschau für einen Bauern ein beträchtlicher finanzieller Aufwand bedeute.

Ein kleiner Ansporn

Von Kanton und Gemeinden erhalten die Bauern Prämien. Im Jahr 2011 unterstützte Appenzell Ausserrhoden die Rindviehschauen mit rund 28 000 Franken, die Gemeinden bezahlten 18 000 Franken. Zusätzlich zu diesen Geldleistungen stellen die Gemeinden die Infrastruktur zur Verfügung. Für bis zu acht Tiere können die Bauern eine Prämie beantrage. Diese variiert: Für eine Kuh beträgt sie 70 Franken, für ein Jungvieh 10 Franken. Natürlich seien die öffentlichen Beiträge nicht kostendeckend. Aber sie sollten für die Bauern ein kleiner Ansporn darstellen, erklärt Rudolf Hohl. Viehschauen seien nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch für die Tierzucht eine wertvolle Ergänzung: «Die Bauern können sich gegenseitig messen und sehen ihre Kühe in einem horizontalen Vergleich.»