Die verpasste Chance

Ich könnte mich löffeln! Warum nur habe ich mich nicht zu einer Bewerbung durchgerungen, wo ich doch die besten Voraussetzungen für ein Mitmachen hätte? Vor ein paar Tagen las ich in dieser Zeitung vom Schweizer Bauernkalender, für den man sich, nach

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Ich könnte mich löffeln! Warum nur habe ich mich nicht zu einer Bewerbung durchgerungen, wo ich doch die besten Voraussetzungen für ein Mitmachen hätte? Vor ein paar Tagen las ich in dieser Zeitung vom Schweizer Bauernkalender, für den man sich, nach überstandenem Auswahlverfahren, hätte ablichten lassen können, sofern man nachweislich über eine enge Beziehung zum Landleben verfügt. Und auf eine solche Beziehung könnte ich mich in hohem Masse berufen. Beispiele gefällig? Neben meinem Elternhaus dehnte sich eine Weide aus, auf der ich Kühe aus unmittelbarster Nähe beobachten konnte. Zudem verbrachte ich als Bub einige Ferienwochen auf einem thurgauischen Bauernhof. Dort lernte ich ganz genau, wo man ziehen muss, wenn Kühe gemolken werden wollen. Ausserdem ist mir immer noch Beat gegenwärtig, ein Klassenkamerad, der mit Nachnamen Bauer hiess. Und während der Olma versäume ich es nie, auch den Tieren im Stall meine Aufwartung zu machen. Nur schon aus all dem geht ganz deutlich hervor, dass meine Verflechtungen mit der Agrarwirtschaft mannigfaltig sind und somit eine tiefgreifende Beziehung zum Landleben nicht wegzudiskutieren ist. Jedenfalls wäre sie Referenz genug für ein Foto auf einem Monatsblatt im Bauernkalender. Aber nein, statt meiner wird nun Jungvolk vorteilhaft ins Bild gerückt, eine 22jährige Dame aus Herisau und ein 31jähriger Mann aus Waldstatt. Gut, vom Äusseren her haben mir die beiden wahrscheinlich schon einiges voraus. Als Zugehöriger zur Ü70-Generation ist man da halt leicht im Nachteil. So werde ich denn wohl warten müssen, bis jemand auf die Idee kommt, einen Rentnerkalender zu kreieren. Für das dannzumal nötig werdende Auswahlverfahren melde ich hiermit schon jetzt meine Anwartschaft an.

Bild: Martin Hüsler

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