«Die Vernunft hat gesiegt»

Ob Hotelier, Touristiker oder Politiker: Die Einigung im Tarifstreit der Toggenburg Bergbahnen und der Bergbahnen Wildhaus hat Erleichterung hervorgerufen. Die Umfrage zeigt aber auch: Der Optimismus ist verhalten.

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Ein Ticket für beide Obertoggenburger Wintersportgebiete gibt es nun auch in der kommenden Saison. Im Bild die Sesselbahn Oberdorf–Gamsalp mit dem Säntismassiv im Hintergrund. (Bilder: pd)

Ein Ticket für beide Obertoggenburger Wintersportgebiete gibt es nun auch in der kommenden Saison. Im Bild die Sesselbahn Oberdorf–Gamsalp mit dem Säntismassiv im Hintergrund. (Bilder: pd)

WILDHAUS/UNTERWASSER. Im Frühjahr ein erster Knall: Die Toggenburg Bergbahnen verzichteten für die Wandersaison auf ein gemeinsames Ticket mit den Bergbahnen Wildhaus. Im Spätsommer dann das zweite Poltern: Auch für die Wintersaison 2015/16 sollte es keine gemeinsame Wintertageskarte für die verbundenen Skigebiete von Wildhaus und Unterwasser-Chäserrugg geben. Streitpunkt war der Verteilschlüssel für die Einnahmen aus dem Tarifverbund. Die Toggenburger Bergbahnen hatten nach Millioneninvestitionen in ein neues Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg und in eine neue Gondelbahn einen grösseren Teil der Einnahmen gefordert.

Am Freitag aber kam die Entwarnung: Die beiden Streitparteien einigten sich, die Tageskarte bleibt im Angebot, wenngleich sie teurer wird (59 Franken unter der Woche, 62 Franken am Wochenende).

Gäste wollen Kombi-Angebote

Vor allem die Hotels im oberen Toggenburg hatten unter dem fehlenden Angebot der Bergbahnen zu leiden. Wegen der Ungewissheit über die gemeinsame Tageskarte blieben die Buchungen für die Winterferien aus. Linus Thalmann, SVP-Kantonsrat und selber Hotelier, schätzt denn die Einigung absolut positiv ein. «Ich als Hotelier spüre am eigenen Leib, dass die Gäste Kombi-Angebote bevorzugen. Die Einigung war dringend nötig.» Allerdings hat Thalmann durchaus Verständnis für die Toggenburg Bergbahnen: «Ihre Investition war enorm. Da ist es nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen ein grösseres Stück des Kuchens beanspruchen. Dies ist erst ein erster Schritt, denn ich bin überzeugt, dass punkto Investitionen im Tal ein grosser Nachholbedarf vorhanden ist.»

«Als Hotelier», sagt Roland Stump von Stump's Alpenrose in Wildhaus, «bin ich erleichtert. Die Einigung macht es mir möglich, meinen Gästen ein Angebot zu machen, wie sie es gewöhnt sind, nämlich ein Billett für das ganze Skigebiet.» Stump zeigt absolutes Verständnis für die beiden Bergbahnen. «Es ist vernünftig, zu verhandeln, wenn man mit etwas nicht einverstanden ist. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass mit der Einigung nun die Basis für eine prosperierende Zukunft für die Region gelegt wurde.» Bereits jetzt kann Roland Stump viele Gäste empfangen, welche von dem neuen Gipfelrestaurant auf dem Chäserrugg und den weiteren Ausbauplänen beider Bergbahnunternehmen begeistert sind.

Auch Urs Frei, Präsident der FDP Toggenburg, ist «hocherfreut, dass eine Lösung gefunden wurde». Gleichzeitig findet es der Nesslauer bedauerlich, dass er sogar von Personen von ausserhalb des Tals auf den Streit angesprochen worden sei, die kein Verständnis dafür gezeigt hätten: «Für die Skifahrer kommt es nicht darauf an, welche Gesellschaft welche Anlagen besitzt.» Urs Frei hofft nun auf eine Lösung, die länger hält. Es sei aber nicht an ihm, den beiden Gesellschaften zu sagen, was sie tun sollten.

Sorge ums Klanghaus

Das Unverständnis in der Bevölkerung über den Streit der Bergbahnen sei gross gewesen, meint auch Christoph Thurnherr. Zugleich ist er erleichtert, dass «die Vernunft gesiegt hat». Er will jetzt nach vorne schauen und hofft, dass die neue Kabinenbahn dank Wetterglück rechtzeitig eröffnet werden kann. Bereits am 2. Juni hatte der Wattwiler SP-Kantonsrat in einer Interpellation kritische Fragen zum Streit der Bergbahnen gestellt und gefragt, ob die Auseinandersetzung die Unterstützung für das Klanghaus gefährde. «Sachlich hat das Klanghaus mit der Bahn nichts zu tun», sagt Christoph Thurnherr, «emotional aber schon». Auch unter diesem Aspekt ist die Beilegung des Streits für ihn positiv.

Mirco Gerig indessen, SVP-Kantonsrat aus Unterwasser, sieht in der erzielten Einigung einen Silberstreifen am Horizont. Zum einen sei der Entscheid eine riesige Befreiung für die Leistungserbringer, Bergbahnen und Hotels, zum anderen spüre er aber auch Erleichterung im ganzen Tal: «Wie gross der angerichtete Schaden allerdings ist, muss abgewartet werden. Der Gast bucht zwar immer kurzfristiger, ich befürchte aber dennoch, dass die Einigung für das Weihnachts- und Neujahrsgeschäft reichlich spät kommt.»

Lieber eine Parkplatzgebühr

Karl Alpiger, Besitzer des gleichnamigen Sportgeschäfts in Wildhaus und Alt St. Johann und ehemaliger Skirennfahrer, hält einerseits die Preiserhöhung der Tageskarte um zwei Franken an Wochentagen und fünf Franken am Wochenende wegen der getätigten Investitionen für gerechtfertigt, andererseits schätzt er die Erhöhung der Preise im grenznahen Eurogebiet als gefährlich ein: «Die Frage ist ja nicht, ob wir hier im Toggenburg die Preiserhöhung verstehen, sondern ob der Gast sie akzeptiert.» Alpiger hätte die Tageskarten beim alten Preis belassen und stattdessen fünf Franken für den Parkplatz verlangt. «Konsumenten sind gewohnt, dass Parkplätze etwas kosten. In Buchs, in Sargans, in allen Städten und auf der Voralp muss man für einen Parkplatz zahlen. Meiner Meinung nach wird das eher akzeptiert als eine Preiserhöhung.»

Der Präsident von Toggenburg Tourismus wiederum, Max Nadig, erwartet dank der Einigung – zusammen mit den geplanten Investitionen – zumindest eine gute Wintersaison. Die Einigung der Bergbahnen gilt ja nur für die Wintersaison. Und was muss geschehen, damit auch eine Lösung für die Sommersaison gefunden wird? «Man muss in konstruktiven Gesprächen bleiben, damit wir die Destination weiterentwickeln können» sagt Nadig. «Ich freue mich jetzt erst mal über das Erreichte, das ich als gute Grundlage für weitere Gespräche beurteile.»

Im Dienste der Kinder

Ohne die Einigung, ist Martin Lusti überzeugt, hätte dem Wintersportverein ein schwieriges Jahr bevorgestanden. Der Präsident Schneesport Churfirsten (SSC) Toggenburg: «160 Kinder trainieren im SSC Toggenburg. Da die Kinder verschiedene Wintersportarten auf verschiedenen Leistungsstufen praktizieren, sind sie auf beide Skigebiete angewiesen. Es wäre nicht tragbar gewesen, wenn wir den Eltern hätten sagen müssen, dass sie nun zwei Saisonkarten für ihr Kind benötigen.» (ag/bl/mkn)

Bild: Dolores Rupa

Bild: Dolores Rupa