Der Schwänberg von einst wird wieder lebendig

Im Juni 2021 findet im Schwänberg ein grosses Freilichttheater statt. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen.

Astrid Zysset
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Rolf Keller, Präsident der Lesegesellschaft Ramsen, hatte die Idee zum Freilichttheater. Bild: Astrid Zysset

Rolf Keller, Präsident der Lesegesellschaft Ramsen, hatte die Idee zum Freilichttheater. Bild: Astrid Zysset

Es ist ein geschichtsträchtiger Ort. Rolf Keller, Präsident der Lesegesellschaft Ramsen, steht vor dem alten Rathaus. Dieses stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist in Ausserrhoden noch der einzig erhaltene Bau seiner Art. Hier, direkt vor dem Gebäude und neben der altehrwürdigen Linde soll die 30 Meter lange Holzbühne aufgestellt werden, auf welcher im Juni 2021 während acht Aufführungen das Freilichttheater Schwänberg inszeniert wird. «Das ist der ideale Ort», so Keller. «Hier ist man mitten im Geschehen.» Mitten in der Geschichte des Weilers, mitten in der ältesten, schriftlich erwähnten Siedlung des Appenzellerlandes. Gleich neben dem alten Rathaus befinden sich weitere historische Bauten wie das «Weisse Haus», das «Elmer Haus» und das Gasthaus «Sternen» mit seinem mehr als 300 Jahre alten Brotbackofen.

Die Idee des Theaters ist es, die Geschichte des Schwänbergs aufzuzeigen. Es gehe aber auch darum, dass die Einwohner des Weilers etwas gemeinsam auf die Beine stellen, so Keller. Und um eine Würdigung früherer Generationen. «Wir leben in einer intakten Landschaft, in Freiheit und in einer friedlichen Gemeinschaft. Dieses Paradies ist durch das Zutun kleiner Mosaiksteinchen in der Vergangenheit entstanden.»

Castings finden im kommenden Frühjahr statt

In acht Bildern, seit der ersten urkundlichen Erwähnung 821 bis heute, wird die Vergangenheit des Schwänbergs auf der Bühne veranschaulicht. Alle zeigen kulturelle Errungenschaften. Geschrieben und entworfen hat das Konzept Rolf Keller. Im vergangenen Jahr hatte er vom Freilichtspiel Burgau, das 2017 stattfand, erfahren und war sofort von der Idee eines Quartiertheaters begeistert. So etwas wollte er auch im Schwänberg umsetzen. Die einzelnen Bilder hat er zwar detailliert zu Papier gebracht, ob sie jedoch auch tatsächlich so umgesetzt werden, ist noch unklar. Der eigens für das Freilichttheater gegründete Verein hat die Regie in professionelle Hände gegeben. Dieser ist die Umsetzung des Konzeptes überlassen. «Die wichtigsten Positionen in der Theaterproduktion sind mittlerweile besetzt», so Keller. Er sähe es am liebsten, wenn Laien und Profis gemeinsam das Theater umsetzen. Aktuell werden Probepläne erstellt, im Frühling sollen dann die Castings stattfinden. Auch Vereinsmitglieder werden noch gesucht. Derzeit sind es 45. Mit den Vereinsbeiträgen und Gesuchen an Stiftungen und den Kanton wäre die Finanzierung gesichert. Wie teuer das Theater genau werden wird, dazu wollte sich Keller nicht äussern. Dies hänge ohnehin von der tatsächlichen Inszenierung ab, wie es der Regie vorschwebt.

In der ersten Szene respektive dem ersten Bild tagt die Lesegesellschaft Schwänberg zum ersten Mal. Es ist der 26. Mai 1831. In einem Referat eines der Mitglieder wird auf die Geschichte des Schwänbergs zurückgeblickt. Es gehe um das «Erleben der Geschichte», fasst Keller sein Konzept zusammen. Und darum, dem Publikum den Schwänberg so nahe wie möglich zu bringen. Die Figur des Rihhoh, der anfangs in Erscheinung tritt, wird denn auch durch einen Schauspieler verkörpert, der in verschiedenen Bildern immer wieder auftaucht. «Er symbolisiert die Schwänberger Mentalität», verrät Keller.

Einblick in die Welt von früheren Zeiten

Im zweiten Bild wird ein Blick auf die Erstellung des Bittleihvertrages aus dem Jahre 821 zwischen dem Kloster St.Gallen und Rihhoh wie auch Roadhoh geworfen, in welchem sich die Beiden im Gegenzug für ihre Felder im Schwänberg, die sie in Fronarbeit weiter bewirtschaften werden, Gebete für sich und die Nachkommen ausbedungen haben. Eine weitere Szene zeigt 1403 das sogenannte «Lichtwunder von Schwänberg». Eine Nacht lang wurde im Rathaus beraten, ob man sich der Freiheitsbewegung der Appenzeller anschliessen wolle oder nicht. Dass das Licht die gesamte Zeit über brannte, ohne dass Talg nachgegossen werden musste, wurde als gutes Omen gewertet. Weitere Bilder sind das Söldnerwerben für den 30-jährigen Krieg, die Auswirkungen der Pest wie auch die Hochzeit zwischen Cathrina Elmer und Hans Jakob Zuberbühler 1682, bei welcher sich Land und Dorf begegnete. Gegen den Schluss des Theaters wird schliesslich noch veranschaulicht, wie der Werdegang Schwänbergs vom einstigen Prominentenviertel zum hart arbeitenden Weberdorf vonstattenging. Ein Bild, das auch im Rahmenprogramm Einzug halten wird.

Geplant ist, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer sich an bis zu zwölf Schauplätzen vor Theaterbeginn einen Eindruck verschaffen können, wie das Leben damals war. Im Garten des Rathauses wird die Leinenverarbeitung von der Pflanze bis zum Tuch gezeigt. Auch einzelne Häuser können begutachtet werden. Keller, der selbst im urtümlichen Rutenkaminhaus wohnt, überlegt sich, seine Küche, die aus dem 17.Jahrhundert stammt, der Öffentlichkeit zu zeigen. Ein kulinarisches Angebot mit Essen aus der damaligen Zeit soll das Rahmenprogramm abschliessen.