Die Vergangenheit ruhen lassen

Während meiner Kantonsschulzeit kreuzte ein Zitat meinen Weg. Es war uns am Schluss eines Vortrages ausgeteilt worden und stammt von Laotse, dem Gründer der chinesischen Religion Taoismus. «Wenn du traurig bist, lebst du in der Vergangenheit.

Carmen Bauer
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Bild: Carmen Bauer

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Während meiner Kantonsschulzeit kreuzte ein Zitat meinen Weg. Es war uns am Schluss eines Vortrages ausgeteilt worden und stammt von Laotse, dem Gründer der chinesischen Religion Taoismus.

«Wenn du traurig bist, lebst du in der Vergangenheit.

Wenn du Angst hast, lebst du in der Zukunft.

Wenn du im Frieden bist, lebst du in der Gegenwart.»

Seit jenem Freitag im Juni taucht dieses Zitat immer mal wieder in meinen Gedanken auf. Meistens, wenn ich der Vergangenheit nachtrauere: Wie schön war es doch auf der Abschlussreise in Spanien, als nur das Hier und Jetzt zählte. Als wir am Morgen aufstanden, zusammen frühstückten und danach das süsse Nichtstun genossen. Wie aufregend war doch diese Woche, in der von Spass bis zum klassischen Highschool-Drama alles dabei war. Denke ich an diese Zeit zurück oder höre das Lied, das uns durch die Woche begleitet hat, huscht jeweils ein Lächeln über mein Gesicht. Doch es ist ein melancholisches.

Ich glaube, Laotse hat vor mehreren tausend Jahren etwas sehr Wahres gesagt – sofern er es denn gesagt hat. In der Vergangenheit zu leben, nimmt uns nämlich die Möglichkeit, den Moment zu geniessen. Zugleich bringt es mir aber auch nichts, wenn ich bereits jetzt an die Ferien in drei Jahren denke und wie toll es dann doch werden wird. Oder ich mich bereits mit 18 vor der Zeit nach dem Studium grause, da dann das locker flockige Studentenleben endgültig vorbei sein wird. Natürlich propagiere ich nicht für ein Leben ins Blaue hinaus. Doch ich glaube, von Zeit und Zeit wäre es besser das Hier und Jetzt zu geniessen und im Frieden des Moments zu leben.