Lockerungen der Coronamassnahmen: Die Turner nehmen das Training auf, der Fussball im Appenzellerland ruht

Die Schutzkonzepte der nationalen Sportverbände sind umfangreich. Eine Umfrage zeigt: Für manche Vereine der Region ist deren Umsetzung momentan zu komplex, gemessen am Nutzen der gemeinsamen Bewegung.

Mea McGhee
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«Les Papillons» von der Rhythmischen Gymnastik des TV Teufen nehmen den Trainingsbetrieb wieder auf.

«Les Papillons» von der Rhythmischen Gymnastik des TV Teufen nehmen den Trainingsbetrieb wieder auf.

Urs Bucher

Am Montag kommt Bewegung in die Sportwelt: Wochenlang war Sporttreiben nur alleine oder mit virtueller Anleitung möglich. Aufgrund der Lockerungen des Bundes haben die nationalen Verbände Schutzkonzepte erarbeitet, welche Vereinstrainings im Breiten- und Leistungssport in engen Grenzen wieder erlauben.

Fünfergruppen und kein Körperkontakt

Grundsätze, die für alle gelten: Gruppen dürfen nicht mehr als fünf Personen umfassen und nicht durchmischt werden, jeder Sportler braucht zehn Quadratmeter Fläche, Garderoben und Duschen der Sportanlagen dürfen nicht genutzt werden.

Unter anderem stellen der Turnverband und der Fussballverband ihren Mitgliedern Schutzkonzepte zur Verfügung. Die Vereine müssen dafür sorgen, dass bei Aufnahme des Sportbetriebs Trainer und Sportler die Massnahmen kennen und sich daran halten. Eine Umfrage bei Vereinspräsidenten aus dem Appenzellerland zeigt: Sporttreiben in Gruppen wird gewünscht – die Umsetzung ist jedoch kompliziert.

Hochsprung ja, Handball nein

Der TV Teufen zählt rund 700 Mitglieder in 13 Riegen. Handball ohne Körperkontakt – schwierig; Sprint- oder Hochsprungtraining – mit Schutzmassnahmen machbar; Turnen – je nach Alter der Sportler denkbar. Vereinspräsident Bruno Höhener sagt:

«Aufgrund der Vielfalt der Sportarten, haben wir die Entscheidungskompetenz an die Riegen delegiert.»
Bruno Höhener, Präsident des TV Teufen.

Bruno Höhener, Präsident des TV Teufen.

Bild: Urs Bucher

Höhener fasst zusammen: Die Aktiven der Leichtathletik starten nächste Woche mit dem Training, ebenso die Rhythmische Gymnastik mit reduziertem Angebot und in Kleingruppen. Die Handballer und die Geräteturner warten ab, ebenso die Turnenden der Frauen- und Männerriege. Ein Training des Leichtathletiknachwuchses ist frühestens ab 8. Juni vorgesehen. Offen ist, ob die Volleyballerinnen trainieren werden. Vereinspräsident Höhener sagt: «Die Freude auf das Miteinander ist gross, doch die Leiterinnen und Leiter sind stark gefordert.»

Fussballer warten ab

Das Schutzkonzept ist «umfassend, konkret und aufwendig», sagt Marco Knechtle, Vizepräsident des FC Appenzell. Der Vereinsvorstand habe das Verhältnis von Aufwand und Nutzen von Trainings diskutiert und ist zum Schluss gekommen, den Fussballbetrieb sowohl bei den Aktiven als auch im Nachwuchs bis mindestens Ende Mai ruhen zu lassen. «Der Vorstand will damit Verantwortung übernehmen und nicht die Einhaltung der Vorgaben des Schutzkonzeptes in den Trainings an die Trainer, Spieler oder Eltern delegieren.» Krafteinheiten, Übungen zur Ballfertigkeit oder individuelles Schusstraining wären wohl möglich, doch die Bedingungen zu trainieren, wären schwierig. Spielformen mit Körperkontakt sind nicht erlaubt.

Einnahmen vom Grümpelturnier fehlen

Corona hat auch Auswirkungen auf eines der grössten Grümpelturniere der Region: Fast 200 Teams mit rund 1000 Teilnehmenden hätten am Grümpeli des FC Appenzell Anfang Juli teilgenommen. Nun wurde der Traditionsanlass abgesagt. Das Plauschturnier sei in Appenzell ein Höhepunkt in der Agenda. Danebst ist es für den FCA eine wichtige Einnahmequelle, wird der Gewinn doch in den Spiel- und Trainingsbetrieb der Junioren investiert. Marco Knechtle sagt:

«Diese Finanzspritze fehlt
dem FC Appenzell nun.»

Alternative Möglichkeiten, Einnahmen zu generieren, habe man noch nicht angedacht. Knechtle sagt: «Wir sind auch angewiesen auf die Solidarität von Mitgliedern und werden Kontakt mit unseren langjährigen Sponsoren aufnehmen.»

Noch kein Spiel gesehen

Pascal Hermann, Präsident des FC Herisau.

Pascal Hermann, Präsident des FC Herisau.

Bild: PD

Seit rund drei Monaten ist Pascal Hermann Co-Präsident des FC Herisau. In dieser Zeit hat er kein einziges Fussballspiel seines Vereins gesehen. Stattdessen beschäftigten ihn der Abbruch der Saison 2019/20, die Absage des Dorffestes, bei dem der Verein mitgemacht hätte, Vertragsverlängerungen, fehlende Kioskeinnahmen oder die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes. Vorderhand verzichtet der FCH auf Letzteres. «Wir haben als Verein eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft», nennt Hermann eine Grund. Der Vorstand bleibe weiter gefordert, insbesondere, um Einnahmen zu generieren:

«Es wäre jetzt wichtig, Gespräche mit Sponsoren und Gönnern zu führen. Geld zu erhalten, dürfte aktuell aber schwierig sein.»

Auch die Fussballvereine Bühler, Speicher und Heiden verzichten gemäss Informationen auf ihren Websites bis auf Weiteres komplett auf einen Trainingsbetrieb.

Geräte desinfizieren

Reto Ammann, Präsident des TV Hundwil.

Reto Ammann, Präsident des TV Hundwil.

Bild: Lorenz Reifler

«Wir starten am Montag bei den Aktiven mit dem Turnbetrieb», freut sich Reto Ammann, Präsident des TV Hundwil. Während die Aktiven ab nächster Woche ihr Hobby wieder ausüben können, heisst es für Kinder und Jugendliche weiter warten. Reto Ammann begründet:

«Im Jugendbereich sind die Vorgaben schwieriger umzusetzen.»

Bei der Umsetzung der Vorgaben des Schutzkonzeptes sei das Leiterteam um Oberturner Dominik Steingruber stark gefordert. Eigentlich würden sich die Turner nun auf den Saisonhöhepunkt, das Appenzeller Kantonalturnfest vorbereiten. Dieses wurde jedoch abgesagt. Ein attraktives Trainingsprogramm zu gestalten, findet Steingruber angesichts der Vorgaben anspruchsvoll. Insbesondere Spielformen ohne Körperkontakt zu finden, sei schwierig. So stehen für die Turner wohl Kraft- und Konditionsübungen, Jogging, ein Dorf-OL oder eine Velotour an. «Ich freue mich auf das Zusammensein», sagt der Oberturner.

Dominik Steingruber, Oberturner TV Hundwil.

Dominik Steingruber, Oberturner TV Hundwil.

Bild: Lorenz Reifler

Die Barrengruppe absolviert am Montag das erste Training seit dem Lockdown. Die Geräte müssen in der Halle verteilt werden, Einzelübungen sind möglich, ein Sektionstraining nicht. Auch wichtig: Die Geräte müssen immer wieder desinfiziert werden. Die Hundwiler Barrenturner bereiten sich auf die ATV Nacht im September vor, an dem sie auftreten wollen.