Die Trendschnitte

Heutzutage ist ja vieles schnell «trendy».

Christine König
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Bild: Christine König

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Heutzutage ist ja vieles schnell «trendy». Birkenstocktreter etwa oder ultrakurze Shorts an allen möglichen und unmöglichen Beinen, sich vegan zu ernähren und damit zu hausieren, in fremden Städten in den vorübergehend leeren Wohnungen Fremder zu übernachten, früh einen Karriereplan zu haben, spät Kinder zu kriegen, trotz allem auf seine Work-Live-Balance zu achten, für Flüchtlinge zu sammeln und sie gleichzeitig nicht im Land haben zu wollen, sich selbst überall und in jeder Lebenslage zu fotografieren und das Bild auf irgendeine Plattform zu stellen, das Wort «zeitnah» möglichst häufig zu verwenden, dieses und jenes, jenes und dieses.

Lustig ist, Trends statistisch zu untersuchen. Dafür braucht es kein universitäres Forschungsinstitut, sondern einfach Google. Auf google.com/trends werden einem einerseits ausgewählte Trends präsentiert, andererseits kann man x-beliebige Stichworte bezüglich ihrer «Trendigkeit» oder «Trendness» oder wie man das nennt, überprüfen. Und dabei feststellen, dass etwas, was für einen selbst zurzeit gerade mega trendy für andere völlig belanglos ist. Cremeschnitten zum Beispiel. Einmal täglich interessiere ich mich derzeit hingebungsvoll für Cremeschnitten. Ich gebe also «Cremeschnitte» in die Suchmaschine ein und stelle fest: Niemand sonst interessiert sich dafür. Dafür für: den Nobelpreis, den Bombenanschlag in Ankara oder Jürgen Klinsmann.

Und die Moral der Geschichte: Ich scheine keine Trendsetterin zu sein. Aber wenn Cremeschnitten gerade nicht im Trend sind, bleiben mehr für mich übrig. Damit kann ich gut leben.