Die traditionellen Jodel bewahren

NESSLAU. Sein Vater war Vorjodler, sein Sohn führt die Tradition weiter: Christian Metzler prägte während 35 Jahren die Auftritte des Jodlerklubs Männertreu Nesslau-Neu St. Johann. An den kommenden Wochenenden ist er zum letzten Mal zu hören.

Sabine Schmid
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Christian Metzler bleibt mit dem Jodeln verbunden, er bildet Jodler in Stimmbildung und Atemtechnik aus. (Bild: Sabine Schmid)

Christian Metzler bleibt mit dem Jodeln verbunden, er bildet Jodler in Stimmbildung und Atemtechnik aus. (Bild: Sabine Schmid)

Des Jodelns überdrüssig ist Christian Metzler keinesfalls. Dennoch tritt er an den nächsten Unterhaltungsabenden seines Jodlerklubs Männertreu Nesslau-Neu St. Johann zum letzten Mal auf. Nach 35 Jahren als Vorjodler. «Ich mache den Jungen Platz», erklärt Christian Metzler kurz und bündig. 1980, als er als 18-Jähriger in den Jodlerklub eingetreten ist, wurde er vom damaligen Vorjodler Walter Wittenwiler gefördert. Dies macht er nun selber, er übergibt seinen Platz an Ueli Giger und an Roman Metzler. Sein Sohn führt so eine Familientradition fort: Christians Vater war bis zu seinem Unfalltod 1978 ebenfalls Vorjodler beim «Männertreu».

Spitzensport für die Stimme

Vorjodler zu sein, ist eine Ehre. Davon ist Christian Metzler überzeugt. Aber die Würde sei auch mit Bürde verbunden. «Ein Jodler sollte möglichst viel singen», sagt er. Dies nur allein an der Probe zu tun, reiche bei weitem nicht, denn Jodeln sei ein Spitzensport für die Stimme. Christian Metzler bildete sich als Junger bei Alex Eugster aus. Der mit seinen Brüdern als Trio Eugster bekannte Sänger habe ihm viel bezüglich Atemtechnik und Stimmbildung beigebracht. Dieses Wissen gibt Christian Metzler heute gerne an junge Jodler weiter. Sänger aus mehreren Clubs in der Region lassen sich von ihm ausbilden. Wer die richtige Technik beherrsche, könne auch mal kleine Fehler ausbügeln. Und auch das Lampenfieber könne man so senken, meint Christian Metzler.

Nebst dem Stimmlichen kommt dem Vorjodler auch eine grosse Verantwortung zu. «Er sollte bei allen Auftritten bei Stimme sein», führt Christian Metzler aus. Das bedeutet, Heiserkeit und Erkältungen sollten vermieden werden. Hier hätten es die Jungen heute schwieriger, denn in den Bars sei die Musik viel lauter, so dass man sich fast anschreien müsse. Dies sei nicht gut für die Stimme. Auch wenn dem Vorjodler ein grosses Gewicht bei den Auftritten zukommt, ein Star sei er auf keinen Fall. «Es braucht den ganzen Chor, damit es gut tönt», sagt Christian Metzler.

Tradition weiterpflegen

Ein Weggefährte von ihm war der bekannte Nesslauer Musiker Willi Valotti. Rund 40 Jahre lang stand er als Dirigent dem Jodlerklub vor und hat ihn geprägt. «Willi Valotti ist ein Fachmann und Kenner», bekräftigt Christian Metzler. Er habe eng mit ihm zusammengearbeitet und stehe noch heute mit Rat zur Seite, wenn es um die Interpretation der Naturjodel gehe. Da es kaum Noten von diesen gibt, hat Willi Valotti früher die Jodel mit der Handorgel gespielt und auf Kassetten aufgenommen. Diese hat er an die Jodler verteilt, damit sie die neuen Stücke lernen. Heute, sagt Christian Metzler, würde man öfter auf die Tonträger zurückgreifen, welche der Jodlerklub produziert hat. Ihm ist es wichtig, dass die traditionellen Naturjodel bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Ihm sind die markanten Jodel des «Männertreu» wie «de Wildhuser» oder «de Haas» am liebsten. Aber auch die Jodel, die Willi Valotti speziell für den Jodlerklub Männertreu geschrieben hat, gefallen ihm. Denn Willi Valotti hat mit seinen Stücken ebenfalls den traditionellen Toggenburger Jodel gepflegt.

Zuhören und weiterjodeln

Dass der Jodlerklub an allen Festen, bei denen Christian Metzler dabei war, stets die Bewertung «sehr gut» erhalten hat, sagt viel über die Qualität der Jodler aus. Hätte es ihn gereizt, auch als Einzeljodler vor die Jury zu treten? Wegen des zeitlichen Aufwands hätte er das nicht gewollt. Zudem sei es ihm im Chor am wohlsten, sagt er. Er spricht damit die gute Kameradschaft an, die im «Männertreu» gelebt wird, und zwar seit Jahren und sowohl von den Jungen wie auch von den älteren Mitgliedern. Als Beweis dafür fügt er an, dass immer wieder neue Jodler zum Club stossen. Aber nicht nur die Stimme sei für einen Eintritt entscheidend, der Mensch müsse in ihre Gemeinschaft passen. Mit den Unterhaltungsabenden im Büelensaal in Nesslau beendet Christian Metzler sein Engagement im Jodlerklub Männertreu. Jodel wird in seinem Haus im Büel aber noch immer ein Thema sein. Er wird nach wie vor seine Erfahrung in Atemtechnik und Stimmbildung an andere, jüngere Jodler weitergeben. Weiterhin wird Christian Metzler im Rahmen der Klangwelt Toggenburg Jodel-Schnupperkurse anbieten. «Meine Frau wird mir also weiterhin meine Tracht bereitstellen müssen», meint er lachend und weist darauf hin, dass sie während all den Jahren stets hinter ihm und seinem Hobby gestanden sei. Und auf etwas freut sich Christian Metzler ganz besonders: auf das Zuhören. Nun könne er im Publikum Platz nehmen und sich am Gesang anderer erfreuen. Angst, dass ihn jemand kopiert, hat er keine. Denn seinen Schülern bringt er bei, dass beim Jodeln jeder seine eigene Identität finden muss.