Die «tote Sprache» ist noch sehr lebendig

Diesen Samstag, 28. November, werden in der Aula der Kantonsschule Wattwil die Gewinnerinnen und Gewinner des Ostschweizer Mittelschul-Lateinwettbewerbs «Certamen Translatorium» gekürt.

Jeannette Ringger
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WATTWIL. In vielen Bibliotheken auf der ganzen Welt existieren lateinische Texte, die bis jetzt noch von niemandem übersetzt wurden. Solche Texte existieren auch in der Stiftsbibliothek in St. Gallen. Im Rahmen des «Lateinischen Kulturmonats» des Vereins IXber (siehe Kasten) findet seit acht Jahren immer im November ein Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler der Ostschweizer Mittelschulen statt, bei dem sie einen noch nie übersetzten Text aus dem Fundus der Stiftsbibliothek St. Gallen möglichst gut und treffend ins Deutsche übertragen müssen.

Motivierte Schüler, gute Texte

Auch dieses Jahr werden die besten Texte zum Thema Latein-America von einer Jury ausgewählt und prämiert. Latein gilt eigentlich weltweit als tote Sprache. Doch das Interesse der Schülerinnen und Schüler am Wettbewerb zeigt, dass der Wille, diese Sprache zu erforschen, bei ihnen sehr wohl vorhanden ist. Monica Eugster-Ulmer, Präsidentin der Fachschaft Germanistik des Kantons St. Gallen und Latein- und Deutschlehrerin an der Kantonsschule Wattwil, berichtet ihrerseits von einem grossen Ehrgeiz der Schülerinnen und Schüler.

Obwohl die Teilnahme am Wettbewerb seit einiger Zeit für die ganze Lateinklasse obligatorisch ist, freuen sich die Jugendlichen darauf. «Manche sind etwas skeptisch, weil sie sich so eine Aufgabe nicht wirklich zutrauen. Doch sie erkennen es als Chance, sich mit Lateinschülerinnen und -schülern aus dem ganzen Kanton messen zu können», sagt Monica Eugster-Ulmer.

Die Lehrer der teilnehmenden Klassen haben die Aufgabe, die drei besten Texte auszuwählen und dann an die Jury weiterzugeben, welche wiederum die besten drei Arbeiten jedes Jahrgangs kürt.

Guter Lesefluss soll entstehen

Die Übersetzungen werden nicht nur nach grammatikalischer Korrektheit bewertet, es wird auch auf eine schöne Gestaltung des Textes geachtet.

Es soll ein guter Lesefluss entstehen, und die Wortwahl sollte zur zeitlichen Epoche, aus der der Originaltext stammt, passen. Monica Eugster-Ulmer gibt zu bedenken, dass die guten Lateinschüler nicht unbedingt auch beim Wettbewerb gut abschneiden. «Das Mittellatein, aus dem die meisten Texte stammen, ist etwas anders als das im Unterricht behandelte klassische Latein. Das kann ein Vor- oder ein Nachteil für die Schüler sein.» Alles in allem seien die Texte aber sowieso auf einem hohen Niveau. «Bisher gewann fast jedes Jahr jemand von der Kanti Wattwil einen Preis», erzählt sie stolz.

Hoher Besuch aus Amerika

Die Festrede der Prämierungsfeier wird der kundige Lateiner und stellvertretende Botschafter der USA, Deputy Chief of Mission Jeffrey R. Cellars, in der Kantonsschule halten. Der ganze Anlass wird am Samstag musikalisch umrahmt von der Big Band Kanti Wattwil unter der Leitung von Martin Winiger.

Prämierungsfeier mit Apéro: Samstag, 28. November, 14 Uhr, Kantonsschule Wattwil