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Die tobende Masse dirigieren

Marco Aemisegger ist ein 23jähriger Koch aus Herisau, doch an zwei Wochenenden im Monat ist er auch DJ Vertoner. Dann legt er in Clubs in St. Gallen und Umgebung auf, doch diese Nebenbeschäftigung reicht ihm nicht. Irgendwann will er sein Geld in der Musikbranche verdienen.
Timo Züst
Bild: TIMO ZÜST

Bild: TIMO ZÜST

HERISAU. Auf dem Bildschirm des MacBooks Pro vom Marco Aemisegger erscheint die kompliziert anmutende Benutzeroberfläche einer DJ-Software. Darauf sind zwei quadratische Fenster zu sehen, durch beide zieht sich von oben nach unten ein giftgrüner Strich. Davor sind die Felder mit violetten wellenartigen «Zeichnungen» gefüllt. Marco Aemisegger klickt auf den Play-Button oberhalb des ersten Feldes, das Violett bewegt sich auf den Strich zu, als es ihn trifft, erklingen die ersten Töne.

Vom Herd zum DJ-Pult

Der 23jährige Herisauer Marco Aemisegger ist Koch. Seine Lehre hat er im Panoramarestaurant Rüti in Herisau abgeschlossen. Im Militärdienst liess er sich zum Küchenchef weiterbilden. Heute noch steht er täglich hinter dem Herd, im Restaurant Anker in Teufen. Doch während rund zweier Nächte im Monat wird aus dem Koch Marco Aemisegger der House-Discjockey Vertoner.

Die Geschichte beginnt im Alter von 18 Jahren. Der Kochlehrling beginnt in St. Gallen in den Ausgang zu gehen, erlebt die schäumende Stimmung in Lokalen wie dem Kugl und beobachtet in Clubs DJs an ihren erhöhten Pulten. «Da oben zu stehen, muss der Hammer sein», hatte er sich damals gedacht. Er entschloss sich, das Handwerk eines Discjockeys zu erlernen. Mit dem Mindestmass an nötiger Ausrüstung und seinem Laptop machte er daheim erste Gehversuche. Bis er sich bereit fühlte, in einem Club aufzulegen, sollten zwei ganze Jahre vergehen.

CDs anstelle des Laptops

«DJ ist nicht gleich DJ», sagt Marco Aemisegger. Die Kunst ist die Vermischung zweier oder mehrerer Musiktitel, um so neuen und wenn möglich besseren Sound zu erschaffen. Damit das auch richtig klingt, ist hauptsächlich eines wichtig: das Timing. Mit dem sogenannten «Controller», einem Gerät, das an einen Computer angeschlossen wird, könne auch ein Anfänger Musik passabel kombinieren. Möglich macht dies die Synchronisation-Funktion, der «Sync»-Button. Während ein Discjockey, der mit CDs oder Schallplatten arbeitet, den richtigen Zeitpunkt nach Gefühl auswählen muss, stimmt der «Sync»-Button die Musiktitel aufeinander ab und nimmt dem Softwarenutzer so viel Arbeit ab. Marco Aemisegger arbeitet ausschliesslich mit CDs. «So kann ich mir den Respekt erfahrener DJs und Clubbetreiber erarbeiten», sagt er. Gute Rückmeldungen erhielt «Vertoner» auch für seine zweijährige Vorbereitungsphase. Er wollte sein Début nicht überstürzen und arbeitete an sich, bis er von seinen Fähigkeiten überzeugt war. Es hat sich gelohnt. Kurz nach seinem ersten Auftritt im Club Box in St. Gallen wurde er dort fest gebucht, für zwei Auftritte pro Monat.

Vor 30 in die Musikbranche

Das Engagement in der «Box» hat Marco Aemisegger nach zwei Jahren beendet. «Ich hatte einen neuen Job, und es war ein passender Zeitpunkt.» Neben seiner DJ-Tätigkeit hat er immer als Koch gearbeitet und deshalb jede freie Minute vor dem Mischpult verbracht. «Manchmal fühlt es sich an wie ein zweiter Job», sagt er. Inzwischen ist «Vertoner» in seinem Lieblingslokal, dem Kugl, Stamm-DJ. Auch im Ausland hat er schon aufgelegt, doch bisher ist es eben nur eine Nebenbeschäftigung. Das soll aber nicht so bleiben. Marco Aemisegger spart seit Jahren, um noch vor 30 seinen Bachelor of Arts an der School of Audio Engineering (SAE) in Zürich zu machen. Danach will er voll in die Musikbranche einsteigen, im Optimalfall als DJ Vertoner, ansonsten möglicherweise in einem Tonstudio. «Es wird nicht einfach, aber wer durchhält, gewinnt», sagt er.

www.soundcloud.com/vertoner

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