Die teuerste Fahne zuletzt

Die Rhode Stechlenegg ist eine der kleinsten, aber jene mit der wohl wertvollsten Fahne. Dass man sie kaufen konnte, ist dem heutigen Rhodshauptmann Thomas Schnider zu verdanken.

Rosalie Manser
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Seit 1956 ist die Rhode Stechlenegg im Besitz einer Fahne. Das aktuelle Aushängeschild aus dem Jahr 2009 kostete über 30 000 Franken. (Bild: Louis Nef)

Seit 1956 ist die Rhode Stechlenegg im Besitz einer Fahne. Das aktuelle Aushängeschild aus dem Jahr 2009 kostete über 30 000 Franken. (Bild: Louis Nef)

GONTEN. Die Stechlenegger Rhode bildet beim feierlichen Landsgemeindeaufmarsch und -abzug jeweils das Schlusslicht. Dies geschieht seit 2009 mit einer prächtigen Fahne. Zwei Jahre zuvor beschloss die Rhodsgemeindeversammlung, dass das gute Stück aus dem Jahr 1956 ausgedient habe und eine neue, handgewobene Fahne die Visitenkarte der Rhode bilden solle. «Wir liessen damals verschiedene Motiventwürfe anfertigen, von modern bis klassisch. Schliesslich entschieden wir uns für das traditionelle Sujet, das auf den ersten Blick beinahe identisch mit dem Vorgängermotiv ist», erzählt Thomas Schnider, seit 2009 Hauptmann der Stechlenegger Rhode. Rund 32 000 Franken kostete das neue Aushängeschild, was die finanziellen Möglichkeiten der Rhode weit überstieg. «Die Sammelaktion verlief aber sehr erfreulich. Besonders aus privaten Kreisen erhielten wir grosszügige Unterstützung», erinnert sich Thomas Schnider, der damals als Kassier hauptverantwortlich für die Finanzierung der Fahne war. Diese sollte eigentlich an der Landsgemeinde 2009 ihren ersten öffentlichen Auftritt haben, doch tragischerweise musste die Fahne eine Woche vorher ausgerollt werden: an der Beerdigung des damals amtierenden Rhodshauptmanns Baptist Gmünder.

Stechlenegg gehört zu Hundwil

Die «Rohrers»-Gmünder waren lange Zeit dominierend innerhalb der Stechlenegger Rhodskommission. Sie dürften denn auch die Familie mit den meisten Rhodsangehörigen sein. Im weiteren sind Vertreter der Fässlers («Stanzlis»), Mazenauers («Gehrers»), Rechsteiners («Loosmartis»), sämtliche Schniders, teilweise Starks, Ulmanns («Däpplis») und Wilds («Lehrers», «Wildejockes») rhodszugehörig. Da nur wenige Familiennamen den «Stechleneggern» angehören, ist mittlerweile auch die Auswahl an Junkerbuben begrenzt. «Wir können leider nicht behaupten, dass wir eine Warteliste hätten. In jüngster Zeit waren deshalb meine beiden Enkelsöhne Junker, obwohl sie durch die Heirat meiner Tochter einer anderen Rhode angehören», hält der 63jährige Rhodshauptmann fest.

Das ehemalige, überschaubare Einzugsgebiet der Stechlenegger Rhode zählt heute teils zu Gonten, Hundwil und Urnäsch. Die eigentliche Stammliegenschaft der Rhode, das «Liederguet» in der namengebenden Stechlenegg, wurde bei der Landteilung 1597 an Hundwil abgetreten.

Die einzige Rhode unter Dach

Von 1967 bis 2011 hielt die Rhode nur alle zwei Jahre eine «Gmeend» ab. «Dabei war es vielen Rhodsgenossen immer wieder unklar, ob nun in den geraden oder ungeraden Jahren eine Versammlung stattfindet. Um dieser Verwirrung Abhilfe zu leisten, haben wir 2011 beschlossen, wieder in den Jahresturnus zu wechseln», erläutert Thomas Schnider. Zur Rhodsgemeinde treffen sich jeweils rund fünfzig Personen. Sie sind die einzigen, welche ihre Versammlung in einem Saal abhalten. Dank der Tatsache, dass die «Stechlenegger Gmeend» im Grossratssaal stattfindet, ist die Rhodsgemeinde wetterunabhängig. In den letzten Jahren ist es zur Tradition geworden, dass jeweils die Herkunft und Bedeutung eines rhodszugehörigen Familiennamens erläutert wird. Heuer werden die Wilds erfahren, wie sie zu ihrem Nachnamen gekommen sind. In Sachen Vermögen zählt die Rhode Stechlenegg nicht zu den bestsituierten. «Wir haben rund 21 000 Franken auf dem Konto. Mit den freiwilligen Spenden für den Apéro an der Rhodsgemeinde können wir gerade unsere jährlichen Unkosten decken», sagt Thomas Schnider. Dabei reisst die Ausbezahlung des Rekrutengeldes kein grosses Loch in die Kasse: Mit zwanzig Franken fällt dieses im Vergleich zu den übrigen Rhoden eher bescheiden aus.